Nach dem Skandal CDU sieht Gärtringen als einen Forschungsschlachthof

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Der Gärtringer Schlachthof hat das Potenzial, zu einem Innovations- und Forschungsschlachthof entwickelt zu werden, findet die CDU im Böblinger Kreistag. Foto: factum

Leonberg - Der Gärtringer Schlachthof hat das Potenzial, zu einem Innovations- und Forschungsschlachthof entwickelt zu werden“, sagt Helmut Noë. Die CDU-Fraktion im Böblinger Kreistag und deren Vorsitzender Noë aus Leonberg haben sich angesichts der anstehenden grundlegenden Umstrukturierung des Schlachthofes und der dafür notwendigen hohen Investitionen mit einem entsprechen Antrag an den Landrat Roland Bernhard gewandt. Die Tierrechtsorganisation Soko Tierschutz hatte ein Video veröffentlicht, das Misshandlungen und unzureichende Betäubungen von Tieren im Gärtringer Schlachthof zeigt. Daraufhin war die Anlage vom Landratsamt geschlossen worden.

Die CDU fordert die Kreisverwaltung nicht nur auf, gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium und der Universität Hohenheim zu prüfen, ob der Schlachthof Gärtringen zu einem Innovations- und Forschungsschlachthof weiterentwickelt werden kann. Die Fraktion will auch, dass der Landrat über seine Behörde die Schlachthof-Genossenschaft Gärtringen beim Antrag von Investitionszuschüssen aus dem neu aufgelegten Förderprogramm „Tierschutz für Nutztiere in Baden-Württemberg“ des Ministeriums unterstützt.

Gleichzeitig soll der Landrat mit den Nachbarlandkreisen klären, ob sie den in diesem Antrag skizzierten interkommunalen Ansatz unterstützen und bereit sind, sich sowohl an den Investitionen als auch an dem Betrieb eines regionalen Schlachthofs zu beteiligen.

„Die CDU-Fraktion geht davon aus, dass erhebliche Investitionen zu tätigen sind. Neben den bereits bekannten baulichen Mängeln sind unserer Auffassung nach umfangreiche Maßnahmen für eine tierwohlgerechte Schlachtung vorzunehmen“, sagt Daniel Töpfer. Der Weissacher Bürgermeister ist der Pressesprecher der CDU-Fraktion im Kreistag.

„Diese Investitionen dürften so erheblich sein, dass die Genossenschaft sie nicht alleine wird aufbringen können“, ist Helmut Noë überzeugt. Deshalb sollte ein Antrag für Mittel aus dem neu aufgelegten Förderprogramm „Tierschutz für Nutztiere in Baden-Württemberg“ gestellt werden. Das hat ein Volumen von etwa zehn Millionen Euro und unterstützt speziell Maßnahmen zur Förderung von mehr Tierwohl an regionalen Schlachthöfen.

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„Darüber hinaus ist der Gärtringer Schlachthof ein fester Bestandteil der regionalen Fleischerzeugung, weshalb nach den bekanntgewordenen Mängeln nun die Chance genutzt werden muss, Qualität und Expertise in den Schlachthof zu holen“, sagt Noë. An der Uni Hohenheim werde die gesamte Wertschöpfungskette in der Nahrungsmittelproduktion erforscht. Dabei spiele auch eine entscheidende Rolle, wie die letzten Stunden eines Tieres gestaltet werden.

Die Gemeinde Gärtringen sei über die S-Bahn und die A 81 verkehrlich gut erreichbar und zentral gelegen. Deshalb könnte der Schlachthof gemeinsam mit der Universität Hohenheim ein Standort für die praxisnahe Lehre in den Tierwissenschaften und in der Forschung sein, erklärt die CDU-Fraktion. Gerade auch was eine optimale bauliche Ausgestaltung von Schlachtstätten betrifft.

Vertrauen in den Schlachthof zurück gewinnen

Vor diesem Hintergrund gelte es zu klären, ob die Universität Hohenheim diese wissenschaftliche Begleitung am Schlachthof Gärtringen durchführen kann. Ebenfalls sei zu klären, ob vom zuständigen Ministerium dafür Zuschüsse gewährt werden könnten sowie die weiteren Rahmenbedingungen, insbesondere in finanzieller und personeller Hinsicht. Neben der Wissenschaft würden in jedem Fall der Verbraucher und auch der Schlachthof profitieren. Zudem würde der Landkreis Böblingen die Chance bekommen, das verloren gegangene Vertrauen in den Gärtringer Schlachthof sukzessive zurück zu gewinnen.

„Für alle diese Maßnahmen gilt es natürlich, drei wichtige Partner mit ins Boot zu holen und ihre Zustimmung zu gewinnen – die Genossenschaft, der Bauernverband und das Metzgerhandwerk“, sagt Fraktionschef Helmut Noë.

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