Mysterium in Leonberg Ein Sommernachtsknall

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In der Nacht auf Donnerstag knallt es wieder, danach steigt Rauch auf. Stephan Breisacher hält es im Bild fest. Foto: Stephan Breisacher

Leonberg - Leonberg hat einen Knall. Und zwar einen gehörigen. Fast jede Nacht sogar. Irgendwann zwischen 0.30 Uhr und 4 Uhr rummst es einmal kräftig. Der Widerhall ist in vielen Teilen des Stadtgebietes zu hören. Regelmäßig melden sich in den beiden größten Leonberg-Gruppen auf Facebook Anwohner aus dem Ramtel, aus der Stadtmitte, aus Eltingen und dem Ezach, die ein lauter Knall mitten in der Nacht geweckt hat. Sogar in Höfingen und Gebersheim wird das laute Geräusch manchmal vernommen.

Seit mehr als vier Wochen geht das jetzt so. Mal werden wackelnde Fenster beschrieben, ein anderes Mal hat jemand anschließend Rauch gesichtet. Immer bleibt der Ort vage. War es eine verirrte Silvesterrakete? Ein Polen- oder Chinaböller? Oder gar etwas Härteres? „Das war kein Böller, das hatte eher etwas von einer Detonation“ schreibt eine Nutzerin, die um ihre Fenster fürchtet.

Was ist es nur, was die Leonberger um ihren wohlverdienten Schlaf bringt? Die großen und kleinen Sherlocks der Stadt begeben sich auf Spurensuche. Wie sagte der große (Roman-)Detektiv: „Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.“

Woher kommt nur der Knall?

Doch welche Anhaltspunkte gibt es? Ein Knall immer nachts und ein Widerhall, die nie vom gleichen Ort, aber aus ähnlicher Richtung zu kommen scheinen. Irgendwo in der Nähe der alten Autobahntrasse. Ob es was mit der aktuellen Baustelle im Engelbergtunnel zu tun hat? Oder ist es der Berg gar selber, der sich regt? Am Südportal des Engelbergbasistunnels wurden bis vor Kurzem neue Löschwasserleitungen verlegt. Zudem liefen bis in den Juli hinein vor allem spätabends vorbereitende Baumaßnahmen für die anstehende große Sanierung der Tunnelröhren, auf die eine quellende Gips-Schicht drückt. Doch das zuständige Regierungspräsidium winkt ab. „Die Ursache des von Ihnen genannten ‚lauten Knalls’ ist dem Regierungspräsidium Stuttgart nicht bekannt. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Fachreferat finden aktuell nachts auch keine Bauarbeiten am Engelbergtunnel statt, sodass der besagte ‚Knall’ nicht Ursprung der Baustelle ist“, heißt es auf eine Anfrage unserer Zeitung.

Sind Jäger am Werk?

Bei der Stadt Leonberg weiß man auch von nichts, hier sind keine Meldungen eingegangen. Eine erste Anfrage bei der Polizei bringt das gleiche Ergebnis.

Die Vermutungen schießen weiter ins Kraut. Sind das etwa Jäger im Wald? Wenn am Ehrenberg oder Schumisberg Schüsse fallen, weil etwa Wildschweine gejagt werden, ist das im Stadtteil Ramtel deutlich zu hören. Ein Facebook-Nutzer hat eine weitere Theorie: ein Wildschutzzaun an Feldern, der eine Art Schreckschuss abgibt, wenn etwa ein Wildschwein dagegen läuft. „Je nach Anlage hört es sich an wie Schüsse oder Polenböller.“

Oder die Wengerter?

Nachfrage bei den Jägern: „Wenn Sie eine Sau mit einem Knall vertreiben wollen, das juckt die gar nicht“, sagt der Chef der Kreisjäger-Vereinigung Leonberg, Bodo Sigloch. Schutzzäune gegen Wildschweine seien reine Elektrozäune. Zwar finde die Jagd auf Wildschweine im genannten Zeitraum statt. „Doch nur bei Vollmond, sonst sehen wir die nicht“, berichtet der Weil der Städter. Wengerter setzten vereinzelt einen sogenannten Starenschreck ein, um Vögel zu verscheuchen, die die Trauben picken wollen. „Aber das machen die nur tagsüber.“ Nachts seien die Vögel nicht aktiv. Der Vorsitzende des Obst-, Garten- und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg, Albert Kaspari, sagt, dies sei in Leonberg aber nicht der Fall.

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