Musikschule Renningen Mehr junge Menschen wollen ein Instrument erlernen

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Veranstaltungen und Konzerte, wie hier 2017, waren in der Pandemie nicht möglich. Trotzdem verzeichnet die Musikschule steigende Schülerzahlen. Foto: factum/J/ürgen Bach

Renningen - Nicht nur für die Musikschule in Renningen war das Jahr 2020 mehr als außergewöhnlich. Das ganze Ausmaß der Folgen der Pandemie lässt sich am Jahresbericht der Musikschule ablesen, der dem Verwaltungsausschuss des Renninger Gemeinderats vorgelegt wurde. Interessanterweise lagen die Einnahmen der Einrichtung gar nicht so stark unter dem Ansatz für 2020. Mit 709 000 Euro wurde gerechnet, letztlich wurden es 683 000. Dafür waren die Ausgaben rund 20 000 Euro niedriger als erwartet. Der Deckungsgrad, also zu wie viel Prozent sich die Musikschule aus Eigeneinnahmen finanziert, entspricht mit knapp 63 Prozent fast genau der ursprünglichen Schätzung.

Der Grund liegt darin, dass die Einnahmen durch die Benutzungsgebühren und andere private Zuwendungen zwar um etwa 65 000 Euro gesunken sind, dafür gab es zum Ausgleich deutlich höhere Zuwendungen vom Land. Hohe Einsparungen gab es vor allem im Bereich Veranstaltungen – nur 19 Stück gab es davon 2020 –, aber auch bei der Reinigung und kleineren Anschaffungen.

Nur April-Gebühren ausgesetzt

Dabei hatte das Jahr 2020 durchaus erfreulich begonnen. Nach einem erfolgreichen Neujahrskonzert und vielen Preisträgern beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf regionaler Ebene „schlug die ,Corona-Keule‘ mit großer Vehemenz auch in das Musikschulleben ein“, heißt es im Bericht von Marcello Lallo, Leiter des Fachbereichs Bürger und Recht im Rathaus. „Den engagierten Lehrkräften und den treuen Musikschuleltern ist es zu verdanken, dass die Musikschule vor größeren Verlusten an Schülerinnen und Schülern und Gebühreneinnahmen bewahrt wurde.“ Lediglich die Unterrichtsgebühren für den Monat April wurden ausgesetzt. „Auch die Entscheidung des Gemeinderates, die turnusmäßige Gebührenanpassung im Oktober auf das nächste Jahr zu verschieben, erwies sich nicht nur im Nachhinein als die richtige Entscheidung.“

Mehr 10- bis 14-Jährige als je zuvor

„Die Gesamtschülerzahl der Musikschule ist auf stattliche 1568 Schüler angewachsen“, konnte Marcello Lallo erfreut berichten. Er gab aber zu bedenken: „Die Auswirkungen der Coronapandemie werden hier wohl erst im Jahr 2021 sichtbar werden, je nach Dauer der Pandemie und des davon abhängigen Anmeldegeschehens und Durchhaltevermögens seitens der Eltern und Schülerschaft.“ Besonders erfreulich sei der Umstand, „dass noch nie in der Geschichte der Musikschule so viele Zehn- bis 14-Jährige den Musikschulunterricht besucht haben“.

Das Erlernen eines Musikinstruments und die damit verbundene eigene kreative Auseinandersetzung mit Musik habe sich gerade in der schwierigen Zeit der Kontaktbeschränkungen bei Kindern und Jugendlichen „als starker mentaler Rückhalt bewiesen. Dies zeigt, wie wichtig die musikalische Bildung für eine gesunde Gesellschaft ist.“

Zahl der erwachsenen Musikschüler sinkt

In Zahlen heißt das: 556 Zehn- bis 14-Jährige haben die Angebote der Musikschule 2020 genutzt, 440 waren es 2019, 470 2018. Dem gegenüber sank die Zahl der erwachsenen Musikschüler deutlich. 142 waren es noch 2018, 104 im Jahr 2019 und 2020 schließlich 56. Überaus positiv habe sich außerdem die kurzfristige Entscheidung des Gemeinderats im November ausgewirkt, neue Tablets mit passender Musikschul-App anzuschaffen. Damit war die Schule auf den fast anschließend folgenden Lockdown bestens vorbereitet.

Die Anschaffung kostete 44 000 Euro. Damit soll aber nicht nur Online-Unterricht während der Pandemie ermöglicht, sondern die Musikschule insgesamt zukunftssicher gemacht werden. Die Digitalisierung war ohnehin vorgesehen, wurde aufgrund der Bedürfnisse in der Pandemie aber vorgezogen.

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