Musikalisches Handwerk Leonberger ist der beste Klavierbauer

Von Brunhilde Arnold
Jungmeister Clemens Dripke inmitten seiner geliebten Tasteninstrumente. Foto: /Simon Granville

Leonberg - Aus einem 100 Jahre alten Flügel, den er für einige hundert Euro ersteigert hatte, zauberte Clemens Dripke sein Meisterstück. „Das Instrument war ein Zufallsfund im Internet und in einem sehr schlechten Zustand“, erzählt der Klavier- und Cembalobauer.

Der Meisterschüler musste allein 6000 Euro für zugekaufte mechanische Teile ausgeben, um den Flügel wieder zu einem Schmuckstück zu machen, das seine Prüfer auf der Bundesfachschule für Klavier- und Cembalobau in Ludwigsburg beeindruckte. Beim Montieren der vielen Kleinteile und dem Aufziehen der neuen Saiten schauten ihm die Prüfer genau auf die Finger. Schließlich komme es beim Meisterstück auf Präzision an, darauf, dass alle Teile gut eingebaut sind - und auf Ästhetik, denn am Schluss müsse alles auch gut aussehen, zählt er die Anforderungen auf.

Das Meisterstück steht im heimischen Wohnzimmer

„350 Arbeitsstunden waren nötig, bis der Flügel generalüberholt war“, erinnert sich der 29-Jährige. Heute steht das Prachtstück im heimischen Wohnzimmer im Ramtel und erfreut den begeisterten Klavierspieler selbst. Und manchmal sogar auch schon die eineinhalb Jahre alte Tochter, die bereits an die Tasten heranreicht.

Clemens Dripke hat seine Liebe zum Klavier als Kind beim Musikunterricht entdeckt. Seine Liebe zum Klavierbau aber entstand eher zufällig bei einem Bogy-Praktikum, das der damals 15-jährige Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums bei der Flügel- und Klavierfabrik Carl A. Pfeiffer in Leonberg absolvierte. „Nach dieser einen Woche wusste ich, dass ich Klavierbauer lernen will“, erzählt er und fügt lachend hinzu: „Ich glaube, ich habe mich im Praktikum ganz gut angestellt.“ Deswegen bekam er nach dem Abitur und dem Besuch einer einjährigen Berufsfachschule für Holztechnik einen Ausbildungsplatz in der Firma.

Schon als Geselle spitze

Dass er mit dieser Berufswahl genau richtiglag, zeigte sich schon in der Lehrzeit, die üblicherweise dreieinhalb Jahre beträgt, für den jungen Leonberger aber wegen seiner guten Leistungen verkürzt wurde. 2015 legte er die deutschlandweit beste Gesellenprüfung hin. „Wir haben hier in der Firma das Glück, dass wir sowohl Neubau als auch Reparaturen machen“, sagt Clemens Dripke. „Durch den Weitblick, den ich dadurch bekommen habe, habe ich wohl ganz gut abgeschnitten“, formuliert er dieses Ergebnis eher bescheiden.

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Georg Pfeiffer sieht sein Unternehmen selbst breit aufgestellt und zwar als Piano-Haus, das neue und gebrauchte Instrumente verkauft und das ebenso Klaviere neu baut. „Wir sind bestrebt, den Leuten eine breite, universelle Ausbildung zu geben“, erklärt er.

Welche Voraussetzungen braucht es für die Ausbildung zum Klavierbauer? Georg Pfeiffer, der diesen Beruf im elterlichen Betrieb einst selbst gelernt hat, bevor er Betriebswirtschaft studierte, nennt an erster Stelle ein feines Gehör. Das sei unabdingbar und durch nichts Anderes zu kompensieren. Dazu kommen vielfältige handwerkliche Fähigkeiten und präzises Arbeiten.

Bester Meister-Absolvent deutschlandweit und international

Interesse von Bewerbern an dem Beruf sei durchaus vorhanden, so Georg Pfeiffer, dessen Firma in einem Zeitraum von etwa fünf Jahren durchschnittlich etwa ein bis zwei Klavierbauer ausbildet. Für die Firma sind derzeit insgesamt 13 Beschäftigte tätig, darunter zwei Meister. Im Februar wird eine Meisterin das Team verstärken.

Einer der Meister, der jetzt selbst in der Prüfungskommission für die Gesellenprüfung sitzt, ist nun Clemens Dripke. Er hat nach einigen Gesellenjahren die zweijährige, berufsbegleitende Fortbildung mit Bravour absolviert. Vor Kurzem wurde er von der Handwerkskammer Region Stuttgart als bester Absolvent in seinem Beruf zum Bestmeister ausgezeichnet.

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Damit wurde er auch bester Klavier- und Cembalobau-Meister bundesweit und sogar international, denn die Ludwigsburger Fachschule, an der die Meisterprüfungen abgelegt werden, ist die einzige ihrer Art in Deutschland. „Und eigentlich auch weltweit“, sagt der stolze Lehrherr Georg Pfeiffer mit Blick auf das einzigartige duale Ausbildungssystem hierzulande.

Geldpreis vom Rotary-Club

Doch damit nicht genug. Clemens Dripke bewarb sich erfolgreich um einen mit 3000 Euro dotierten Förderpreis, den der Rotary Club Stuttgart vergibt. Der Club möchte damit herausragende Jungmeister unterstützen, die sich besonders in ihrem Beruf oder auf sozialem Gebiet engagieren.

Der Leonberger, der in der Eltinger Kirchengemeinde aktiv ist und dort auch musikalisch in Erscheinung tritt, hat aber auch berufliche Pläne. Er bewarb sich um den Rotary-Preis mit einem wissenschaftlichen Projekt, bei dem er Klanganalysen am Saitendraht anstellen möchte. So etwas gebe es zwar schon, aber er möchte mit modernen Messmethoden noch einmal an den Start gehen. Und für die nötigen Messgeräte komme das Geld gerade recht, so Clemens Dripke, der auch nach zehn Jahren mit seiner Berufswahl immer noch glücklich ist.

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