Museen: Wer macht wieder auf? Christian Wagner ja, Johannes Kepler nein

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Bei der KZ-Dokumentationsstelle im alten Engelbergtunnel wird der Häftlinge gedacht, die hier unter unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen starben. Foto: factum/Archiv

Kreis Böblingen - In kleinen Schritten macht sich Deutschland auf den Weg zurück zur Normalität. Wenn gleich einer neuen Normalität. Ein solcher Schritt ist auch die Öffnung von Museen, die seit Mittwoch auch in Baden-Württemberg möglich ist. Ob sie das tut, das entscheidet am Ende aber jede Kommune in Eigenregie. Und so zeigt sich auch im Altkreis ein recht unterschiedliches Bild.

Leonberg öffnet, Renningen nicht

So öffnet die Stadt Leonberg von Sonntag, 10. Mai, an wieder das Stadtmuseum sowie das Christian-Wagner-Haus in Warmbronn. Allerdings werden hier Zugangsbeschränkungen gelten, wie Pressesprecher Tom Kleinfeld erklärt. So darf sich pro Raum maximal eine Person aufhalten. Im Stadtmuseum sind es maximal 15 Personen – acht im Obergeschoss, drei im Untergeschoss und zwei im Wartebereich – im Christian-Wagner-Haus sind höchstens fünf Personen zulässig. Darüber hinaus gelten die Abstandsregelungen der Corona-Verordnung. Auch eine Maske ist beim Besuch der Museen zu tragen. Zudem finden keine Führungen statt. Im Stadtmuseum ist das Angebot außerdem ein wenig reduziert, etwa um Module zum Klappen, Drehen oder Blättern.

Renningen lässt dagegen das Archäologische und das Heimatmuseum vorerst zu. In Weil der Stadt ist das Stadtmuseum wieder zugänglich. Das Keplermuseum hingegen, das an den berühmtesten Sohn der Stadt, Johannes Kepler, bleibt zu.

Bilderwechsel im Heimatmuseum

Das Heimatmuseum in Flacht, das zwischenzeitlich eine Online-Ausstellung auf die Beine gestellt hatte, will am Sonntag, 17. Mai, wieder aufmachen. „Bis zum 10. Mai schaffen wir es noch nicht, die neuen Regelungen umzusetzen“, erklärt Museumsleiterin Barbara Hornberger. Auch werde nur eine begrenzte Personenzahl eingelassen, wenn in zehn Tagen dann zur Wiedereröffnung der Bilderwechsel in der Galerie Sepp Vees gefeiert wird.

Sternwarte feiert Geburtstag nach

Kein Museum ist die Sternwarte Höfingen, aber theoretisch fällt sie auch die Kategorie der Einrichtungen, die wieder öffnen dürfen. „Das macht aber bei uns keinen Sinn. Wir könnten maximal drei Leute gleichzeitig reinlassen, wenn der Abstand von 1,50 Meter eingehalten werden soll“, erklärt Karl Dieter Scheck. Auch seien viele der Ehrenamtlichen, die sich engagieren, älteren Semesters und gehören zur Risikogruppe. Deshalb sind alle Veranstaltungen und Führungen vorerst auf Eis gelegt. Auch das 50-Jahr-Jubiläum, das für diesen Sonntag, 10. Mai, geplant gewesen war. „Wir wollen das in einem Jahr nachholen, wenn hoffentlich wieder alles normal ist“, hofft Scheck.

KZ-Ini nur mit kleinem Gedenken

Für die KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg stellt der heutige 8. Mai ein ganz besonderes Datum da. Vor 75 Jahren endete mit der Kapitulation von Nazi-Deutschland der Zweite Weltkrieg in Europa. „Aus Anlass des 75. Jahrestages des Weltkriegsendes öffnet die KZ-Gedenkstätte von Freitag, 8. Mai, bis Sonntag, 10. Mai, jeweils von 14 bis 17 Uhr ihre Ausstellung im Alten Engelbergtunnel“, teilt die Vorsitzende Marei Drassdo mit. Ein Rundgang, der viel Aufschluss gebe über das Geschehen in Leonberg zwischen Frühjahr 1944 und Frühjahr 1945, sagt Drassdo.

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Angesichts der Corona-Pandemie würden die Besucher gebeten, eine Gesichtsmaske zu tragen und sich an die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln zu halten. Die Mitglieder der KZ-Gedenkstätteninitiative werden am heutigen Freitag ein Blumengebinde am Tunnel niederlegen, um der „im KZ Leonberg ausgebeuteten und gequälten Häftlinge, von denen nachweislich 389 an den unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen starben“ zu gedenken.

Ursprünglich war geplant gewesen, dass an diesem Tag ein ehemaliger KZ-Häftling sowie 50 Angehörige anderer Opfer anreisen. Einerseits zum Gedenken, andererseits, um mit der Initiative deren 30-jähriges Bestehen zu begehen. Ein Empfang durch den Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn sowie ein Festakt mit Begrüßung durch Landrat Roland Bernhard waren geplant gewesen. „Wie so viele Vorhaben musste auch diese Feier wegen der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit verschoben werden“, teilt die KZ-Gedenkstätteninitiative mit.

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