Motorsport Mit 125 Sachen zum Titel

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Daumen nach oben: Die Saison lief für Samuel Drews richtig gut. Foto: Joachim Röder

Leonberg - Papa, ist das Auto noch ganz?“ – Dieser Satz beschreibt ganz gut Samuel Drews‘ Einstellung zu seiner Leidenschaft, dem Motorsport. Als der erst elfjährige Leonberger einen Überschlag in seiner dritten Trainingseinheit für die deutschen Junior Autocross Meisterschaft überstanden hatte, war die einzige Sorge des jungen Sportlers, wie es um den Zustand seines Autos bestellt ist.

Sein Fahrzeug ist ein so genannter Buggy, der mit einem 34 PS starken Motorradmotor ausgestattet ist. Die Wagen werden extra für die deutsche Junioren Autocross Meisterschaft hergestellt und können bis zu 125 km/h schnell fahren, wenn es die Strecke zulässt. Samuel Drews fährt seit diesem Jahr in der Meisterschaft in der Klasse der Zehn- bis Vierzehnjährigen und entschied diese prompt für sich. In der Gesamtwertung gegen die Konkurrenz aus der älteren Klasse erreichte er am Saisonende den zweiten Platz und wurde somit deutscher Vizemeister. „Mit einem so guten Ergebnis hat in der Debüt-Saison niemand gerechnet“, sagt Vater und Trainer Immanuel Drews.

Als Samuel Drews etwa sechs Jahre alt war, besuchte er mit seinen Eltern ein Rennen. Danach schaute der Sohn zu seinem Vater auf und meinte mit vor Begeisterung riesigen Augen zum Vater: „Papa, da will ich auch mal mitfahren“. So nahm die junge Karriere seinen Anfang. Nach drei erfolgreichen Jahren im Jugendkartsport und dem Titel als baden-württembergischer Meister folgte im vergangenen Frühjahr der nächste Schritt. Die Umstellung war zunächst groß, muss man in dem Buggy doch selbst die sechs Gänge schalten und vor dem Herunterschalten und beim Anfahren kuppeln. Doch der Elfjährige, der Schüler des Gymnasiums in Rutesheim ist und nebenher noch beim SV Leonberg/Eltingen in der D-Jugend Fußball spielt, fand sich in seinem neuen Fahrzeug und mit den Gegebenheiten in der Serie schnell zurecht und zeigte auf Anhieb Bestleistungen.

Im Finale Ende September in Cunewalde ging es für Samuel darum, die Führung in seiner Altersklasse zu verteidigen. Also machte sich der Drews-Tross auf den Weg in Richtung Sachsen. Die Reisegruppe besteht an jedem Rennwochenende aus der ganzen Familie: Neben Samuel und Vater Immanuel, der früher selbst begeisterter Rallyefahrer war, sind das noch die kleine Schwester Zoe sowie Mutter Ina. Samuels Buggy wird in den Renntransporter gepackt. Und mit einem Wohnwagen an der Anhängerkupplung geht’s quer durch das Land zu den Rennen.

Foto: Joachim Röder
Nach der Ankunft geht die Arbeit richtig los. Im Fahrerlager wird die Technik des Buggys überprüft. Dabei wird vor allem auf das Gewicht des Fahrzeuges, das leer 300 Kilogramm beträgt, und die Sicherheit am Wagen geachtet. Samstags gilt es zuerst im freien Training, sich an die Strecke zu gewöhnen. Dann kommen mehrere Zeittrainings, die entscheidend für die Qualifikationsläufe sind. Sonntags ist Finaltag. Dabei hat sich Samuel Drews in seiner Premierensaison so gut geschlagen, dass es für ihn schon nach den ersten wenigen Rennen um den Titel ging.

Auch am Finalwochenende gelang es Samuel, sich mit guten Zeiten in den Qualifikationsrunden eine gute Startposition für den letzten Lauf zu verschaffen, den er vor etwa 2000 Zuschauern gewann und sich mit einem Punkt Vorsprung den Gesamtsieg seiner Klasse sicherte. Wie es nun weitergeht? In der nächsten Saison will der junge Rennfahrer die über die vergangene Serie gezeigten Leistungen erst einmal bestätigen. Mit 14 Jahren könnte er entweder in die nächste Altersklasse aufsteigen oder in eine andere Serie mit „richtigen“ Autos wechseln. „Später will ich mal in großen Rallye-Serien starten“, erzählt Samuel von seinem großen Traum.

Samuel Drews, dessen Vorbild der neunmalige Weltmeister Sébastien Loeb aus Frankreich ist, schraubt selbst nur selten an seinem Buggy. Das übernimmt Vater Immanuel. „Samuel soll sich lieber auf das Rennen, seine Freunde und die Schule konzentrieren“, so der KFZ-Meister. Ganze zwei Tage braucht der Familienvater für die Vor- als auch die Nachbereitung des Rennens. „Da wird das Fahrzeug aus Sicherheitsgründen fast komplett auseinandergenommen“.

Am Ende ist Samuels Buggy wieder komplett – genau so wie nach seinem Trainingsunfall zu Anfang der Saison. Alle Sorgen um das Auto waren unbegründet. Samuel stieg in seinen Buggy ein und setzte die Fahrt einfach fort

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