Mönsheimer Mühle Wo das „weiße Gold“ entsteht

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Auch wenn sich technisch vieles verändert hat, das Grundprinzip beim Mahlen bleibt immer gleich, sagt Markus Mönch. Foto: Andreas Gorr

Mönsheim - Es gibt wohl nur eine Sache, die seit Beginn der Corona-Krise ebenso beliebt ist und so stark gehortet wird wie Klopapier: Mehl. Ob Weizen, Dinkel oder Roggen, hell oder Vollkorn – die Supermarktregale sind oftmals wie leer gefegt. Doch wo und wie wird das „weiße Gold“ eigentlich hergestellt? Und sind die Mühlen tatsächlich die Gewinner in der Krise?

Neben den ganz großen Mühlen gibt es auch in der Region noch einige kleinere oder mittelgroße Mühlen, zum Beispiel die Mühle „Decker+Mönch“ in Mönsheim. Dort wird seit mehr als 125 Jahren Mehl hergestellt. Sie befindet sich seit Beginn an im Familienbesitz. Der heutige Inhaber, Markus Mönch, führt das Geschäft seit 1998. Und um die anfängliche Frage gleich vorwegzunehmen: Einen Gewinn aus der Krise ziehen trotz der Mehl-Nachfrage auch die Mühlen nicht, sagt Markus Mönch.

Das Handwerk geht immer mehr verloren

Die Mönsheimer Mühle befindet sich im Ortskern, „mit allen Vor- und Nachteilen“, formuliert es Markus Mönch. Früher wurde sie über den Grenzbach mit Wasser angetrieben, das ist heute nicht mehr so. Überhaupt hat sich durch die Modernisierung und Technisierung in der Herstellung des Mehls einiges geändert. „Früher war das natürlich viel mehr Handarbeit“, erklärt Markus Mönch. Dank der elektronischen Überwachung ist mittlerweile sogar ein personalfreier Betrieb bei Nacht möglich. Der Grundvorgang, das Zerkleinern und Sieben des Getreides, ist aber immer noch der gleiche wie zu Zeiten der schweren Mühlsteine.

Die Veränderungen betrachtet Markus Mönch immer von zwei Seiten. „Dass das Handwerkliche durch die viele Technik immer mehr verloren geht, das ist natürlich schade. Heute ist man als Müller mehr ein Verfahrenstechniker. Andererseits erleichtert die Technik auch vieles.“ Und nicht nur im Bereich Technik hat sich die Mühlenlandschaft gewandelt. „Früher gab es deutlich mehr Mühlen, allein im Umkreis hatten wir noch vier bis fünf andere.“ Inzwischen gebe es immer weniger, dafür eben größere Betriebe, die zum Teil die zehnfache Menge der Mönsheimer Mühle verarbeiten.

Gesunde Ernährung steht hoch im Kurs

„Wir verarbeiten am Tag mehr als 100 Tonnen Getreide“, berichtet Markus Mönch. Roggen, Weizen und Dinkel. Seine Kunden sind großteils Bäcker: von kleinen Handwerksbetrieben bis zur großen Filialbäckerei. „Unsere Standardmehle vertreiben wir in einem Kernradius von etwa 100 bis 150 Kilometer.“ Ein weiteres Standbein der Mühle ist jedoch die Herstellung von Spezialmehlen, zum Beispiel für das Pain Paillesse. „Diese speziellen Mehlmischungen vertreiben wir in ganz Deutschland, zum Teil sogar bis ins Ausland.“ Ein drittes Standbein ist der Mühlenladen, in dem die Familie handelsübliche Mengen an Mehl, Teigwaren, Öle und dergleichen verkauft.

Dabei hat Markus Mönch vor allem eines festgestellt: Die Menschen kaufen heute viel mehr Vollkornmehl oder klassische Getreidesorten wie Dinkel. „Das hat in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Zuspruch gefunden.“ Früher, bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hatten die Menschen fast nur solche Mehle, weil feines, helles Mehl nicht so leicht herzustellen war. Mit dem technischen Fortschritt bei den Mühlen kamen die Menschen leichter an das feine Mehl und nutzten es auch. „Jetzt achten die Leute immer mehr auf gesunde Ernährung.“

„Die haben uns den Laden eingerannt“

Was den Mühlenladen angeht, hat Markus Mönch tatsächlich positive Auswirkungen durch die Krise gespürt. Gerade zu Beginn, als es mit den Hamsterkäufen so richtig losging, „da haben sie uns buchstäblich den Laden eingerannt, die Kunden standen Schlange. Auch bei Hefe und Sauerteig: Sobald man es wieder da hatte, war es ruckzuck weg.“ In dieser Zeit habe der Laden auch viele neue Kunden hinzugewonnen. Mittlerweile ist der Run auf den Laden zwar nicht mehr so groß wie am Anfang. „Wir haben uns jetzt auf einem hohen Niveau eingependelt.“

Der Mühlenladen ist allerdings nur ein kleiner Bestandteil des Geschäfts, der große Teil ist der Verkauf an Bäcker, Gastronomen und so weiter. „Und da hatten wir zum Teil bis zu 30 Prozent Rückgänge.“ Und das lasse sich über den Laden bei weitem nicht ausgleichen. Denn selbst im Vertrieb von Lebensmitteln mussten viele Betriebe schließen: Restaurants und Cafés, aber auch Bäckereien in großen Einkaufszentren. „Den Rückgang spüren wir nach wie vor“, sagt Markus Mönch. Noch seien die Rückgänge nicht so groß, dass man den Abnahmeverpflichtungen gegenüber den Landwirten nicht mehr nachkommen könnte. Wenn sich die Situation aber noch über mehrere Monate hinziehe, müsse man die Verarbeitungsmenge womöglich reduzieren.

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