Mönsheim hat jetzt ein Archiv Gemeindegedächtnis auf 123 Regalmetern

Von Brunhilde Arnold
Eine der letzten Handlungen als Bürgermeister: Thomas Fritsch (links) nimmt das Findbuch zum Gemeindearchiv Mönsheim entgegen, an dem Walter Knapp mitarbeitet hat. Foto: Jürgen Bach

Es war eine seiner letzten Amtshandlungen, bevor sich Thomas Fritsch in den Ruhestand verabschiedete: Der Mönsheimer Bürgermeister nahm das Findbuch zum Gemeindearchiv Mönsheim entgegen, überreicht von Heike Sartorius vom Kreisarchiv des Enzkreises. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches und schwergewichtiges Werk, in dem auf 916 Seiten der komplette Archivbestand verzeichnet ist.

Mit der Fertigstellung des Archivs und des dazugehörenden Verzeichnisses, das wie ein Wegweiser zu den Inhalten im Archiv führt, hat die Gemeinde gemeinsam mit dem Kreisarchiv ein jahrelanges Projekt beendet. Vor allem die Archivarin Heike Sartorius und der Historiker Volker Ziegler sichteten, bewerteten und ordneten das umfangreiche Schriftgut der Gemeinde.

Büroklammer rosten stark

Mit dabei waren Walter Knapp, der tiefe familiäre Wurzeln in Mönsheim hat, sich für die lokale Geschichte interessiert und seit 42 Jahren Gemeinderat ist, sowie Claudia May von der Gemeindeverwaltung. „Am Anfang war meine Hauptaufgabe, mit einer kleinen Zange sämtliches Eisen wie Büroklammern, die unheimlich rosten, und Klammern aus dem Papier herauszunehmen“, erzählt Walter Knapp. Manchmal seien dabei an einem Tag zwei Handvoll Material angefallen.

Der heute 76-Jährige war gleich mit von der Partie, als es 2012 losging mit dem Archivieren. „Unterm Giebel im alten Rathaus lagerten Tonnen von Papier, hier ist immer alles aufgehoben worden“, erzählt der frühere Berufsschullehrer. Auch in der Kelter lagern bis jetzt noch Gegenstände aus der Geschichte des kleinen Ortes, sagt Walter Knapp und erzählt von Modellen von 1972 für ein Hallenbad. „Doch dann kam die Energiekrise und das Projekt war hinfällig.“

Das älteste Stück stammt aus dem 16. Jahrhundert

Bis 2018 bearbeiteten die Fachleute des Kreisarchivs mit ihren lokalen Helfern den Bestand an historischem Material. „Wir haben nur das Handwerkliche gemacht, also das Enteisen und Verpacken der Archivalien in säurefreie Mappen und Boxen und diese zu signieren.“ Die Systematik sei von den Archivaren festgelegt worden.

Laut Archivarin Heike Sartorius ist der Bestand mit 3859 Archivalien-Einheiten auf 123 laufenden Regalmetern einer der umfangreichsten unter den Ortsarchiven im Enzkreis und reich an historischen Quellen zur Ortsgeschichte. Der Schwerpunkt liege dabei auf amtlichem Schriftgut von 1586 bis 1990. Mit zu den ältesten Archivalien zähle das Fragment des Fleckenbrauchbuchs, das nur anhand der Einträge etwa auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert werden könne. Es ermögliche einen Einblick in die damaligen Ortsverhältnisse.

Walter Knapp hat bei seiner Archiv-Arbeit viel dazugelernt, wie er sagt. Er hat Unterlagen gesehen von der in den 1970er-Jahren geführten Diskussion, den Stuttgarter Flughafen von Echterdingen in die Nähe von Mönsheim zu verlegen. „Doch die Leute hier wollten das nicht. Da gab es Protestversammlungen, bei denen die Schulturnhalle immer voll war.“

Aus der Zeit um 1900 stammen Dokumente, in denen über die Trassenführung für eine Bahnlinie von Zuffenhausen nach Pforzheim diskutiert wurde. „Die wäre direkt am heutigen Freibad verlaufen“, sagt er mit Blick auf die umfangreichen Pläne. Im Archiv gibt es auch Unterlagen des aufgelösten Gesangvereins Liederkranz sowie dessen Fahnen.

Platz für Zuwachs ist eingeplant

Für Thomas Fritsch ist mit dem Mönsheimer Archiv ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Bei seinem Amtsantritt als Bürgermeister 1998 war die Gemeindeverwaltung noch im heutigen alten Rathaus, wo es zu wenig Platz gab. „Aber im neuen Rathaus haben wir von Anfang an entsprechende Räume eingeplant“, erklärt er. Dort steht jetzt sauber, trocken und säurefrei das historische Gedächtnis der Grenzbachgemeinde. Und es gibt noch Raum für Zuwachs, wenn etwa künftig Unterlagen aus der jetzigen Registratur in das Archiv übernommen werden.

Im Altkreis Leonberg haben neben Mönsheim auch Wimsheim (seit 1998, ergänzt 2014) und Heimsheim (seit 2004) ein Gemeindearchiv. In Friolzheim wird derzeit eines aufgebaut.

Die Findbücher der Stadt- und Gemeindearchive sind auch online unter enzkreis.de einsehbar.

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