Modulkindergarten in Friolzheim Volkshochschule oder Elterninitiative?

Von
Die Module für den neuen Kindergarten stehen schon seit einem Monat. Foto: Andreas Gorr

Friolzheim - Was da für eine Dynamik reingekommen ist, hat auch mich überrascht“, erklärte Bürgermeister Michael Seiß in der Gemeinderatssitzung am Montagabend. Es ging um die Hort- und Kernzeitbetreuung, also die Nachmittagsbetreuung der Grundschulkinder, die die Enzkreisgemeinde in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Pforzheim-Enzkreis anbietet.

Für den großen Bedarf gibt es aber nicht genügend Plätze. Ende Mai richtete die Gemeinderatsfraktionen von CDU/Bürgerliste (BL) daher einen Antrag an die Gemeinde, ein Konzept zur Hort- und Kernzeitbetreuung zu erstellen. Schon vorher hatte sich unabhängig davon auch die Verwaltung des Themas angenommen. Am Montag fasste der Gemeinderat nun mehrheitlich den Beschluss, bereits zum Schuljahresbeginn 2017/2018 eine zweite Kernzeitgruppe einzurichten. Untergebracht werden soll sie in einem freien Raum der Kita Modulbau an der Eichenstraße.

Kehrtwende der VHS

Für Verwirrung und teilweise sogar Verärgerung hatte vor allem die Volkshochschule Pforzheim-Enzkreis als Betreuungsträger gesorgt. Bis vor wenigen Tagen war die Sachlage so, dass die VHS kein zusätzliches Angebot für die bislang nicht zum Zug gekommenen Eltern schaffen wollte.

Dann kam plötzlich die Kehrtwende. Man könne sich ein solches doch vorstellen. Mitte Juli werde der Aufsichtsrat entscheiden und dann sei die Gemeinde Friolzheim am Zug. „Solche unterschiedlichen Aussagen sind ärgerlich“, grummelte Antragssteller Ferry Kohlmann.

Denn unabhängig davon hatten bereits Anfang Juni Gespräche mit Vertretern einer Elterninitiative stattgefunden, nachdem der Gemeinderat am 29. Mai in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen hatte, der Elterninitiative einen freien Raum im Modulbau vorübergehend und unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, um dort eine Betreuung zu organisieren.

Dieser Beschluss wurde jetzt bei vier Enthaltungen der WFF-Räte mit großer Mehrheit öffentlich bestätigt. Hinzu kam als alternativer „Vorratsbeschluss“ die Handlungsvollmacht für die Gemeindeverwaltung, bei einer positiven VHS-Entscheidung die zweite Kernzeitgruppe mit der VHS und deren Fachpersonal einzurichten.

„Die Kuh ist noch nicht vom Eis“

„Kernzeit oder Elterninitiative, wir sind auf einem guten Weg“, freute sich CDU/BL-Rat Rainer Benzinger. „Wir sind ein kleines Stückchen vorwärtsgekommen“, fasste auch FWV-Rätin Ellinor Schmidt zusammen, „aber die Kuh ist noch lange nicht vom Eis.“

„Wir brauchen ein durchgehendes Betreuungskonzept bis zur 5. Klasse – mit Fachpersonal“, so ihr Wunsch. Fraktionskollege Michael Welsch regte darüber hinaus an, das Thema im normalerweise kaum tagenden Schulausschuss zu vertiefen. Bürgermeister Michael Seiß versprach ein „rundes Bild nach der Sommerpause“.

So oder so bleibt genug Beratungsbedarf auch für die alljährliche Klausurtagung Mitte Oktober. Bis dahin sollen alle Fakten rund um die Betreuung zusammengetragen sein, um das im Antrag von CDU / Bürgerliste geforderte Konzept zur Hort- und Kernzeitbetreuung auch langfristig in trockene Tücher zu bekommen.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen