Modellprojekt in Rutesheim Wenn das Nasenbohren zum Experiment wird

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Im Kindergarten in der Rutesheimer Richard-Wagner-Straße machen viele Kinder beim Nasenbohr-Test mit. Mit Spannung warten sie auf den „Strich“ auf dem Teststreifen. Foto: Pixabay

Rutesheim - Es ist jedes Mal ein spannendes Experiment für die Mädchen und Jungs, darauf zu warten, bis sich der Strich auf dem Teststreifen färbt. Gespannt verfolgen alle, ob sich vielleicht noch ein zweiter abzeichnet. Doch letzteres ist zum Glück bisher nicht der Fall gewesen – also negativ, was ja positiv ist.

Der Kindergarten in der Rutesheimer Richard-Wagner-Straße nimmt seit vergangener Woche an dem seit knapp zwei Wochen laufenden Modellprojekt zur Schnelltestung in Kita-Einrichtungen und in der Kindertagespflege im Landkreis Böblingen teil. Ursprünglich sollten 26 Einrichtungen mitmachen – eine je Kommune. Aber aktuell machen bereits 129 von insgesamt kreisweit 334 Kita-Einrichtungen mit, vermeldet das Landratsamt.

„Es ist uns wichtig, dass auch die Kinder getestet werden, weil es auch Fälle gab mit Corona in der Familie, aber die Kinder nicht getestet wurden, weil es hieß, diese würden sich nicht anstecken“, sagt die Erzieherin Susanne Burger. Deshalb sei der Kindergarten an der Richard-Wagner-Straße zügig in das Modellprojekt eingestiegen. Die Einrichtung können in der Regel in zwei Gruppen 50 Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen.

Viele Kinder nehmen am Modellprojekt teil

Gegenwärtig werden 35 Kinder in der Einrichtung betreut. Bei mehr als Dreiviertel der Kinder haben sich die Eltern bereit erklärt, diese an dem freiwilligen Modellprojekt teilnehmen zu lassen. „Es gab anfangs noch viel Aufklärungsbedarf“, sagt Susanne Burger im Rückblick. Mehrere Eltern wollten ihren Kinder nicht den bei Erwachsenen üblichen Abstrich tief in der Nase zumuten, schildert die Erzieherin. Doch als sie erfuhren, dass die schonendere Methode angewandt wird, hätten sie zugestimmt. Enttäuscht seien einige Eltern auch gewesen, dass es keinen vom Gesundheitsamt angekündigten „Lutschtest“ gegeben habe. Dieser ist eher den Krippenkindern vorbehalten.

Unterschiedlich seien die Reaktionen der Kinder auf die Tests gewesen. „Die sind offen für Neues und mittlerweile mit dem Thema Corona vertraut und wissen, dass man etwas dagegen machen muss“, haben Susanne Burger und ihre Kolleginnen festgestellt. Diskutieren über Corona gehöre dazu. „Wenn die Kinder, die aufmerksame Zuhörer sind, das Thema aus den Gesprächen von zu Hause mitbringen, dann lassen wir es auch in den Alltag einfließen“, sagt die Erzieherin.

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Viele würden den Test, bei dem jetzt in der „Nase bohren“ erlaubt ist, als interessantes Experiment empfinden und mit Spannung auf den „Strich“ auf dem Teststreifen warten. Getestet wird im Beisein und mit einer geschulten Erzieherin. „Bei Kindern, die erst gezögert haben, hat das Zuschauen das Eis gebrochen. Auch ihnen den Vorgang vorzuzeigen, hat geholfen.“ Doch nicht alle Kinder nehmen an dem Modellprojekt teil. Wie wird mit den anderen verfahren? „Der Test ist freiwillig, einige Eltern haben es einfach ignoriert, andere keine Rückmeldung gegeben, wir haben auch keinen Druck gemacht, weil das Ganze freiwillig ist“, sagt Burger.

Doch das wird sich auch im Kindergarten an der Richard-Wagner-Straße ändern, wenn von Montag, 26. April, an die Testpflicht für alle Kindergärten gilt. „Wir freuen uns und haben uns mit den Kindern schon gut vorbereitet. Die können es kaum erwarten, wann endlich die Popeltests beginnen“, sagt die Erzieherin Jeannette Herzog von der Kita in der Goethestraße. Froh sei man, dass bis auf eine Familie alle Eltern einverstanden sind. Die Erzieherinnen werden online geschult. „Wir hoffen, die Ansteckungen minimieren zu können“, sagt die Erzieherin.

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