Mittagstisch für alle in Leonberg Es ist nicht immer einfach, Gutes zu tun

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Ohne die fleißigen ehrenamtlichen Helfer wäre der „Mittagstisch für alle“ nicht machbar. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Angeregtes Stimmengewirr, auch mal ein herzhaftes Lachen und plötzlich Stille, denn am Klavier ertönt Nikolai Rimski-Korsakows „Hummelflug“ – es ist Mittwoch in den Räumen der Pauluskirche. Die evangelisch-methodistische Kirche in der Robert-Koch-Straße beherbergt an diesem Tag den „Mittagstisch für alle“. 2020 sind bereits zum elften Mal immer mittwochs zwischen 12 und 14 Uhr Menschen eingeladen, sich an einen Tisch zu setzen, um gemeinsam zu essen, sich zu unterhalten, sich wohlzufühlen – und das bis zum 8. April.

Der damalige Pastor Thomas Schmückle hatte 2009 die Idee zu dem Mittagstisch, nachdem in der zentral gelegenen Gemeinde immer wieder Menschen angeklopft hatten auf der Suche nach Rat und finanzieller Unterstützung.

„Der Dienst am Nächsten ist wichtig“

Die Idee war auch, ihn auf ökumenische Füße zu stellen und da sagte von Anfang an über den Pastoralreferenten Jürgen Oettel auch die katholische Kirche Unterstützung zu. Die Hauptlast für das Gelingen trägt der kleine evangelisch-methodistische Bezirk, denn viele der 30 Helfer kommen auch aus Rutesheim und Heimsheim. „Zur Freude unserer Gemeinde ist auch unserer neuen Pastorin dieser Dienst am Nächsten sehr wichtig“, schildert Erika Honal von der evangelisch-methodistischen Gemeinde. Sie selbst ist seit Anfang an dabei, gemäß ihrem Motto „Man muss sich dort engagieren, wo man seine Gaben hat.“

„Ich bin in einem sehr gastfreundlichen Bezirk angekommen“, freut sich Pastorin Anna Marinova, die 2019 Thomas Schmückle im Amt gefolgt ist. „Diese Art Mittagstisch hat mich auch als Praktikantin in Backnang begeistert“, sagt die gebürtige Bulgarin. Sie sei beeindruckt von der Atmosphäre, der Ruhe, der großen Rücksicht, die den Mittagstisch begleite.

Gemeinsam statt einsam

Freudig tauscht die Pastorin ein paar Worte in ihrer Muttersprache mit Blagoy Filipov aus. Der Pianist ist häufig Gast beim Mittagstisch und spielt dabei auch ein paar Stücke auf dem Klavier. Denn die Idee ist, dass der Mittagstisch nicht nur für Menschen mit kleinem Geldbeutel sein sollte. Sondern auch ein Ort der Begegnung und des Austausches für alle, die einfach vorbeikommen wollen.

Jeder entscheidet selbst, wie viel er für das Essen bezahlt. Es gibt immer noch viel zu viele Menschen, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Aber es gibt auch nicht weniger Menschen, die mit zunehmendem Alter vereinsamen und deshalb bei einem guten Mittagessen gute Gespräche schätzen.

Um den Mittagstisch veranstalten zu können, wurde 2009 ein Verein gegründet, der für die Betreuung, den Betrieb und die Verwaltung zuständig ist. Das Essen wird über die Leonberger Sozialstation vom Guldenhof in Hirschlanden angeliefert. Dazu wird Kaffee mit Waffeln oder gespendeter Kuchen gereicht.

Jeder zahlt, was er kann

„Dieses Jahr mussten wir leider die Preise wieder anpassen“, sagt Jürgen Oettel. Der Preis für die „Normalzahler“ liege jetzt bei 5,80 Euro, der vergünstigte weiterhin bei 1,50 Euro. „Den wollen wir nicht anheben, den haben wir im Zuge von Hartz IV vor Jahren ja von 1,80 auf 1,50 Euro gesenkt.“ Der Guldenhof berechnet 5,60 Euro pro Essen und es kommen noch 30 Euro Lieferkosten dazu. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 1287 Essen ausgegeben, davon 479 zum Preis von 1,50 Euro und 87 Essen kostenlos. „Wir sind hier auf Spenden angewiesen, aber vor allem auf das breite Engagement aller Helfer rund um den Mittagstisch“, sagt Oettel.

Ab 2021 droht dann weiteres Ungemach von der Finanzbehörde über die Umsatzsteuerpflicht. „Wir machen keinen Gewinn und können den Fehlbetrag nur durch Spenden ausgleichen, aber so wie es aussieht, ist das für die Umsatzsteuerpflicht egal. Manchmal ist es nicht einfach, Gutes zu tun“, sagt Jürgen Oettel.

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