Mehrweg statt Einweg Renninger Gastronomen sagen Verpackungsmüll den Kampf an

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Steffen Lutz, Anja und Claus Ruthardt und Frank Kienle (von links) haben dem Müll durch Einwegverpackungen den Kampf angesagt. Foto: Simon Granville

Renningen - Wer nur einmal für einen Vier-Personen-Haushalt eine Essenslieferung bestellt hat, kennt die Müllberge, die daraus entstehen können: Behälter fürs Hauptgericht, vielleicht noch Salatschüsseln oder andere zusätzliche Behälter, da kommt einiges zusammen. Immer mehr Gastronomen wollen dem Müll daher den Kampf ansagen und bieten für die Lieferung Mehrwegbehälter an. In Renningen haben sich mittlerweile drei Gastronomen – vom Südbahnhof Gleis 1 und 2, Gasthaus Lutz am Sportpark sowie Gasthaus Taube in Malmsheim – zu einer Kooperation mit dem Unternehmen Recircle mit Sitz in Stuttgart entschlossen und hoffen auf weitere Teilnehmer.

Seit Beginn der Coronapandemie und den damit zusammenhängenden Lockdowns bleiben viele Gaststätten leer, dafür boomen Abhol- und Lieferservices. Das bedeutet jedoch auch Unmengen von Müll, wenn jedes Gericht nicht mehr auf Tellern serviert, sondern in Styropor oder Plastik verpackt wird. „Unser Ziel ist es daher, den Verpackungsmüll aus der Liefergastronomie weitgehend zu verbannen“, erklärt Thorben Bechtoldt, der Gründer von Recircle.

Pro Behälter zehn Euro Pfand

Das System funktioniert so: Pro Mehrwegbehälter zahlt der Besteller zehn Euro Pfand. Danach kann man die Behälter entweder bei der nächsten Bestellung gegen neue umtauschen oder sie bei einem beliebigen teilnehmenden Restaurant abgeben. Das Geld gibt es auch dann zurück, wenn die Box kaputt sein sollte. Die Behälter sind zudem mikrowellentauglich.

In Renningen geht die Kooperation mit dem Unternehmen Recircle auf eine Initiative von Gastronomen zurück, die sich während der Pandemie gegründet hat und eng mit dem Gewerbeverein zusammenarbeitet. Den Mitgliedern ist der viele Müll aus dem Liefergeschäft schon lange ein Dorn im Auge, weshalb die Idee entstand, ein neues Verpackungssystem auszuprobieren. Zwar bieten die Restaurants weiterhin auch die klassischen Einwegbehälter an, doch wer es möchte, bekommt dort nun die Mehrwegboxen. Das hat sich bereits herumgesprochen: „Wir haben nur dadurch ganz neue Kunden bekommen, weil sie das Konzept so gut finden“, berichtet Frank Kienle vom Restaurant Südbahnhof Gleis 1.

300 Boxen sind schon im Umlauf

Die beiden anderen Teilnehmer waren anfangs skeptisch. „Wir hatten Bedenken, ob die Kunden bereit sind, das hohe Pfand zu bezahlen“, verrät Steffen Lutz vom Restaurant Lutz. Denn bei einer vierköpfigen Familie mit je zwei Boxen pro Besteller sind das zusammen 80 Euro. Claus und Anja Ruthardt vom Gasthaus Taube teilten die Bedenken. „Aber wir dachten uns: Aus Malms­heim muss auch jemand mitmachen“, erzählt Anja Ruthardt. „Wir hatten schon Anfragen für die Boxen, da hatten wir sie noch gar nicht da.“

In Renningen läuft das System nun seit rund zwei Wochen im Probebetrieb. Schon 300 Boxen sind inzwischen im Umlauf, mehr sind schon bestellt. Dass das Pfand so hoch ist, hat einen einfachen Grund, erklärt Thorben Bechtoldt. „Wir haben auch niedrigere Pfandhöhen ausprobiert, da war aber die Erfahrung, dass viele Boxen nicht wieder zurückkamen.“ Die meisten seien aber bereit, das zu zahlen. „Nur Schüler tun sich damit etwas schwer“, sagt Bechtoldt. Weil diese oft nicht so viel Bargeld zur Hand haben. Aus diesem Grund ist eine App bereits in Arbeit, mit der das Pfand auch online hinterlegt werden kann.

Stadt spendiert Papier-Tragetaschen

Bei der Stadtverwaltung war man von dem Vorstoß der Gastronomen sofort begeistert und bot direkt Unterstützung an, erzählt der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler). Deshalb hat die Stadtverwaltung extra recycelte Papier-Tragetaschen gesponsort, mit denen das Essen bei Abholung nach Hause transportiert werden kann. „Wir hoffen nun, dass noch mehr Gastronomen miteinsteigen“, sagt Faißt.

Alle teilnehmenden Restaurants finden sich unter www.ghv-renningen.de/leistungsverzeichnis.

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