Maskenabstauben der Lewenbercher Wenn die Fasnet losgeht, ist die Kirche stets gut gefüllt

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Die Löwenmasken der Lewenbercher sind schnell vom Staub befreit. Jetzt kann die Fasnet losgehen. Foto: factum/Bach

Leonberg - W

enn der katholische Pastoralreferent Jürgen Oettel in Reimform predigt, dann hat ganz sicher die Fasnet begonnen. Erstes Highlight in Leonberg ist der ökumenische Narrengottesdienst in der Eltinger Michaelskirche, verbunden mit dem Maskenabstauben der Lewenbercher.

Zum Auftakt sorgen hunderte von Schellen und Ratschen erst einmal für frischen Wind in der Michaelskirche. Trotz des regnerischen Wetters sind aus nah und fern viele befreundete Hästräger der Einladung der Gesellschaft Engelberg gefolgt; darunter die Leonberger Waldhexen, die noch ganz neuen Eltinger Mollenbachhexen, die Cannstatter Quellenweiber, die Weilemer Hörnleshasa oder auch die Betzinger Krautskräga aus Reutlingen.

Es ist eng in der Kirche

Und so wird es doch wieder eng in der Kirche. Bis auf den letzten Platz sind alle Bänke besetzt, eilig werden noch ein paar Stühle gebracht. Es ist schon ein etwas anderer Gottesdienst mit all dem Getümmel, dem Lärm, den Masken, Hästrägern und den vielen Kindern in der Kirche.

Damit für die Narren beider großer christlicher Kirchen gesorgt ist, ist der Narrengottesdienst ökumenisch. Der evangelische Pfarrer Dennis Müller und der katholische Pastoralreferent Jürgen Oettel teilen sich die Aufgabe an diesem Sonntag.

Kein Parkplatz in der Nähe

Obwohl es Jürgen Oettel fast nicht rechtzeitig geschafft hätte, denn er fand keinen Parkplatz, und musste ein gutes Stück weit weg sein Auto abstellen. „Es werden von Jahr zu Jahr mehr, das freut mich sehr“, intoniert er im schlichten Knittelvers, angesichts der vollen Kirche.

Und auch wenn die Predigt in Reimform abgefasst ist, kommt die christliche Botschaft nicht zu kurz. „Den anderen gute Tipps geben, das machen wir so oft im Leben, auch ich verteil so manchen Ratschlag, der für andere ist wie ein Kahlschlag“.

Zeit für den anderen

Erst einmal selbstkritisch vor der eigenen Haustüre zu kehren: Das ist die innere Botschaft der närrischen Predigt. Selbstkritisch zu sein, dem anderen lieber erst einmal in Ruhe zuzuhören, Verständnis zu schenken, sich Zeit für den anderen zu nehmen und nicht nur nach dem schnöden Mammon zu streben, sondern sich zu fragen: Was bleibt von mir, welche Früchte trägt mein Leben?

Dass dabei das Feiern nicht zu kurz kommen darf, ist Oettel auch klar: „Vergiss das Feiern und Lachen nicht, mach Pause von deinen Sorgen und verschieb das Ernste auf Morgen. Wir können die Welt ein bisschen besser machen, mit Fröhlichkeit und etwas Lachen.“

An Fröhlichkeit fehlt es dem Gottesdienst freilich nicht: Pfarrer Müller

Toller Auftritt der „Voices of Eltingen“

lässt es sich nicht nehmen, den kleinen Chor der „Voices of Eltingen“ am Klavier zu begleiten. Die sieben jungen Leute finden sich immer wieder zusammen, um zu singen.

Für den Narrengottesdienst bringen sie ihre Version des bewegenden Liedes „We are the world“. Zahlreiche amerikanische Pop- und Rockstars hatten sich 1985 unter dem Projekttitel „USA for Africa“ für das Benefizwerk zusammengefunden. Komponiert hatten es Michael Jackson und Lionel Richie. Klare Sache: In der Michaelskirche können es fast alle mitsingen. Mit ohrenbetäubendem Applaus wird das junge Ensemble belohnt.

Der Einsatz aller für den Narrengottesdienst hat sich gelohnt, die Fürbitten werden erhört: Der Himmel hat an diesem regnerischen Tag ein Einsehen und schließt direkt im Anschluss an den Gottesdienst für die gut anderthalb Stunden des Maskenabstaubens die himmlischen Schleusentore.

Der Täufling schlägt sich wacker

Denn nach so viel christlicher Erbauung stehen schnell wieder die irdischen Bedürfnisse auf dem Programm: Maskenabstauben und Saisonauftakt für die Lewenbercher des 1. Karnevalvereins Leonberg.

Die Masken der zehn Hästräger sind schnell abgestaubt, und schon kann die Leitlöwin und Zunftmeisterin Nici Stuible den Täufling Andreas Hepperle auf Herz und Nieren prüfen. Vor zwei Jahren ist er hierher gezogen, und bereits ein Jahr lang ist er als Anwärter mitgelaufen. Bei der Prüfung schlägt sich der angehende Lewenbercher wacker und wird von Nici direkt ins Rudel aufgenommen.

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