Margot Ritz aus Heimsheim wird 75 Seniorenarbeit: Mehr als Kaffee trinken

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Margot Ritz setzt sich für ältere Menschen in Heimsheim ein. Foto: Jürgen Bach

Heimsheim - Von ihrem Wohnzimmerfenster aus hat Margot Ritz die Stadt mit dem markanten Schleglerkasten gut im Blick. Seit mehr als 45 Jahren lebt die gebürtige Niederbayerin mit ihrem Mann in Heimsheim. Die Stadt ist ihr längst zur Heimat geworden. Drei Kinder hat das Ehepaar Ritz hier großgezogen, fünf Enkelkinder sind inzwischen dazugekommen.

Die „Familie ist für uns ein wichtiges Thema, die geht immer vor“, sagt sie mit Nachdruck. Vor der Familienpause arbeitete sie als Sekretärin, nachdem die Kinder flügge waren, war sie bei der Sozialstation in Leonberg tätig. Dort habe sie vieles von den Problemen älterer Menschen mitbekommen, was für sie schließlich der Anstoß war, sich für die Senioren in ihrem Wohnort zu engagieren.

In Heimsheim gibt es seit Langem aktive Senioren. Bereits 1968 wurde ein Altenkreis gegründet, der sich über die Jahre hinweg zu den heutigen Heimsheimer Senioren entwickelte. Schon lange gibt es das Mittwochscafé der Senioren, erst im Alten Rathaus, dann im Feuerwehrhaus und seit 2006 in der Zehntscheune. Im gleichen Jahr gingen die Senioren mit dem Arbeitskreis Heimsheimer Onliner an den Start.

2010 wird sie Ansprechpartnerin für Senioren

2010 war Margot Ritz schließlich gefordert, als sie Ansprechpartnerin für die Heimsheimer Senioren wurde. „Damals wurde jemand Neues gesucht. Ich war 64 und schon in Rente. Ich wollte etwas tun und nicht nur Zeitung lesen und meinen Mann pflegen“, erzählt sie und lacht. Dann habe sich das mit den Heimsheimer Senioren angeboten. Seither hat sie im Laufe der Jahre mit ihren Mitstreitern vom Organisationsteam zahlreiche Veranstaltungen organisiert. Zu den Mittwochscafés in der Zehntscheune und dem monatlichen Seniorennachmittag mit bis zu 50 Besucherinnen und Besuchern kommen Ausflüge, Vorträge und Gesundheitstage hinzu. Allerdings, und das sagt sie mit großem Bedauern, müssen diese Veranstaltungen wegen Corona derzeit ausfallen und werden wohl erst im kommenden Jahr wieder starten.

Das gilt auch für den großen Seniorennachmittag in der Stadthalle, zu dem stets gut 200 Gäste gekommen seien. Dieser hat zuletzt 2017 stattgefunden, weil 2018/19 die Halle renoviert wurde. „Herr Troll hat gesagt, nächstes Jahr powern wir richtig rein“, zitiert sie den Bürgermeister. Die Organisation dieses Seniorennachmittags hatte im Jahr 2014 der 2013 neu gegründete Stadtseniorenrat (SSR) übernommen, der heute 50 Mitglieder hat.

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Margot Ritz hat die Gründung des SSR zusammen mit Kurt Titz-Packmor vorangetrieben, denn sie habe irgendwann festgestellt, dass „Seniorenarbeit mehr ist als Kaffee trinken und Ausflüge machen“. Seither ist sie neben dem Engagement bei den Heimsheimer Senioren auch die Vorsitzende des SSR.

Der mit Unterstützung der Stadt gegründete Verein hat sich zur Aufgabe gesetzt, über die Lebenssituation der Senioren in Heimsheim und über Hilfsmöglichkeiten zu informieren. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist einwandfrei“, sagt Margot Ritz mit Blick auf viele Aktivitäten, die gerade laufen, seien es die neu eingerichteten „Schwätzbänkle“ am Marktplatz, die Kostenübernahme für den Einkaufsfahrdienst oder bei der Aktion „Barrierefreies Heimsheim“. Zurzeit arbeiten die aktiven Ehrenamtlichen an einem „Seniorenblättle“, das noch in diesem Herbst erscheinen soll, denn es gebe viele ältere Menschen, die nicht über Möglichkeiten zur Hilfe im Alter informiert sind.

Ein Fünftel ist im Seniorenalter

Margot Ritz hat noch viele Themen im Kopf, die in Heimsheim für die älter werdende Bevölkerung relevant sind, eine Seniorenwohnanlage etwa, in der es auch größere Wohnungen für Ehepaare gibt. Oder einen festen Ansprechpartner bei der Stadt, vergleichbar mit dem Sozialen Netzwerk im Nachbarort Mönsheim. Ein Fünftel der Heimsheimer Bevölkerung ist im Seniorenalter, schätzt Margot Ritz.

Sie selbst denkt inzwischen darüber nach, in ihrem Engagement etwas kürzer zu treten. „Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Leute engagieren. Sie könnten auch nur in bestimmten Projekten mitmachen“, schlägt sie vor. „Wir werden alle älter. Was wir heute in der Seniorenarbeit machen, kommt auch den Jüngeren zugute.“ Ein solches Engagement sei eine Bereicherung im Leben, sagt Margot Ritz aus ihrer eigenen Erfahrung.

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