Marcus Mann bei Hannover 96 Perouse bleibt vorerst seine Basis

Von Henning Maak
Den Kontakt zu Hannover 96 hat es schon 2019 gegeben – Marcus Mann ist dort seit dieser Saison Sportdirektor. Foto: Lars Kaletta

Rutesheim - Gut 520 Kilometer oder fünfeinhalb Stunden Autofahrt liegen zwischen Perouse und der Geschäftsstelle des Fußball-Zweitligisten Hannover 96 – zu viel, um mehrmals in der Woche zu pendeln. Vor allem, wenn man einen so anspruchsvollen Job wie Marcus Mann als Sportdirektor hat.

Trotz dieser Reisestrapazen kommt der Rutesheimer so oft wie möglich nach Hause zu seiner Frau und den beiden acht und fünf Jahre alten Kindern. „Manchmal besucht mich die gesamte Familie auch in Hannover“, erzählt der 37-Jährige, der jedoch nicht mit der gesamten Familie in die niedersächsische Landeshauptstadt umsiedeln wollte. „Meine Tochter geht bereits in die Grundschule, alle fühlen sich in Perouse wohl, da wollte ich die Familie nicht rausreißen“, erläutert Marcus Mann, der einen Trip in die Heimat gerne mit Auswärtsspielen von Hannover 96 in Süddeutschland verbindet.

„Man muss auch Opfer bringen“

Der lange Weg zur Familie ist der Preis, den Marcus Mann für seinen beruflichen Erfolg zahlen muss. „Es ist ein toller Job mit vielen Privilegien, aber man muss auch Opfer bringen“, sagt der 37-Jährige. Ein Job, den sich der Rutesheimer mit Fleiß und Beharrlichkeit verdient hat. Bereits in der D-Jugend schaffte der damals Elfjährige den Sprung von der SKV Rutesheim zum Karlsruher SC. „Auch mit dem VfB Stuttgart gab es Kontakt, aber am Ende wurde es der KSC“, verrät Marcus Mann.

Den Durchbruch zum Bundesligaspieler schaffte der Innenverteidiger beim KSC zwar nicht, doch in seiner Vita stehen Stationen bei Darmstadt 98, den Stuttgarter Kickers und dem 1. FC Saarbrücken. Zumeist spielte er in der dritten oder in der Regionalliga. „Mir haben als Innenverteidiger ein paar Zentimeter und die Schnelligkeit gefehlt“, glaubt der 1,81 Meter große Marcus Mann. Seinen letzten – vergeblichen – Versuch zum Sprung ins Profilager unternahm er 2011 mit dem damals hoch ambitionierten und stark aufgestellten Drittligisten SV Wehen Wiesbaden.

Auch wenn am Ende nur zwei Einsätze bei den KSC-Profis standen, blickt Marcus Mann zufrieden auf seine Spielerkarriere zurück: „Ich habe mich bei allen Vereinen wohl gefühlt und mich mit ihnen identifiziert“, sagt der Rutesheimer rückblickend. Und er konnte die Zeit nutzen, neben der Fußballkarriere ein Studium der Sportwissenschaften und ein Fernstudium als Sportfachwirt abzuschließen. Zu diesem Zweck ließ er seine Karriere im Jahr 2016 in der U 23 der TSG 1899 Hoffenheim ausklingen. „Da habe ich auch Einblicke in professionelle Vereinsstrukturen bekommen“, erinnert sich Marcus Mann.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Marcus Mann ist Sportdirekt in Saarbrücken

Und die sollten ihm bald nützlich sein. Denn beim 1. FC Saarbrücken erinnerte man sich im Frühjahr 2016 an den ehemaligen Innenverteidiger, der nicht nur auf dem Feld die Abwehr zu organisieren wusste, sondern auch abseits des Platzes durch Verantwortungsbewusstsein aufgefallen war. Man trug ihm den Posten des Sportdirektors an. „Ich habe das damals sehr zu schätzen gewusst. Allerdings war mir durchaus bewusst, dass der Verein, der schon einige Krisen durchlebt hatte, damals in einer ganz besonders tiefen steckte“, weiß Marcus Mann noch gut. Das Team sei damals im Mittelfeld der Regionalliga herumgedümpelt, die Zuschauer hätten sich mehr mit der U 19-Mannschaft identifiziert.

Mit Sachverstand und einem glücklichen Händchen trug der Rutesheimer seinen Teil dazu bei, dass der 1. FCS wieder in die Spur kam und im vergangenen Jahr gleich zwei Anlässe zum Feiern hatte: Zum einen erreichte das Team als erster Viertligist in der Geschichte das Halbfinale des DFB-Pokals und schaffte nach sechs Jahren in der Regionalliga den Wiederaufstieg in die dritte Liga.

Doch selbst bei dieser Erfolgsgeschichte bleibt Marcus Mann selbstkritisch: „Den Aufstieg hätten wir auch schon ein Jahr früher schaffen können. Aber wir sind als Meister mit elf Zählern Vorsprung in der Relegation an 1860 München gescheitert, weil wir im Hinspiel unter anderem eine frühe Rote Karte bekamen und im Rückspiel einen unnötigen Foulelfmeter verursacht haben.“

Er hat „Bleibendes aufgebaut und Werte geschaffen“

Die gute Arbeit von Marcus Mann blieb auch Martin Kind nicht verborgen, dem starken Mann bei Hannover 96. „Es gab schon 2019 nach dem Abstieg Kontakt zu Hannover, aber damals war es nicht der richtige Zeitpunkt“, erzählt der Rutesheimer. Bei der zweiten Anfrage sagte der 37-Jährige dann zu und amtiert seit 1. Juli als Sportdirektor des Zweitligisten. Der Geschäftsführer Martin Kind schätzt an ihm nicht nur, dass er in Saarbrücken „Bleibendes aufgebaut und Werte geschaffen hat“, sondern auch, dass er das Geschäft aus Fußballerperspektive kenne und wisse, wie eine Mannschaft tickt.

Marcus Mann legt Wert darauf, nah an der Mannschaft zu sein und sich regelmäßig mit dem Trainer Christoph Dabrowski auszutauschen. Auch mit Michael Tarnat, dem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, steht er in engem Kontakt. Einer seiner Schwerpunkte war zuletzt der Aufbau einer neuen Scouting-Abteilung. „Dadurch sollen bei uns auch junge Spieler in die Auswahl kommen, die früher kein Thema für Hannover 96 waren, so wie wir es mit Maximilian Beier gemacht haben, den wir von Hoffenheim ausgeliehen haben“, berichtet Marcus Mann.

Mann wird noch eine ganze Weile pendeln müssen

Mit der derzeitigen Platzierung in der Abstiegsregion ist Marcus Mann natürlich nicht zufrieden, kennt aber die Gründe dafür: „Wir hatten zwölf Ab- und Zugänge, zum Teil noch nach dem fünften Spieltag“, erklärt er. Diese Saison werde in Hannover daher als Übergangsjahr gesehen. Nächstes Jahr soll es einen Schritt nach vorne gehen. „Unser Anspruch ist schon ein gesicherter Platz im Mittelfeld und irgendwann auch die Rückkehr in die Bundesliga“, stellt Marcus Mann klar. Es scheint, als ob der Rutesheimer noch eine ganze Weile die 520 Kilometer zwischen Hannover und Perouse pendeln muss.

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