Luftrettung in Leonberg Christoph 41: Landes-FDP macht Druck

Von Thomas K. Slotwinski
Tagtäglich im Einsatz: der Rettungshubschrauber Christoph 41, hier in Friolzheim. Foto: SDMG/ /Gress

Das Tauziehen um Christoph 41 geht weiter. In der Fragestunde des Landtags hat der Enzkreis-Abgeordnete Erik Schweickert (FDP) den Verbleib des Rettungshubschraubers an seinem Stammstandort in Leonberg thematisiert. Doch das Innenministerium hält an seinen Plänen zur Neuordnung der Luftrettung im Land und damit einer Verlegung von Christoph 41 fest.

Vielmehr habe sich wieder einmal gezeigt, so kritisiert Schweickert, dass insbesondere Staatssekretär Wilfried Klenk (CDU), der die Fragen des Liberalen beantwortete, „maximal überzeugt vom umstrittenen Gutachten der Universität München ist und jede Kritik mit einem Federstrich beiseite zu wischen versucht“. Dabei sei die Behauptung Klenks, man habe eine „einmalige“ Datenlage „angesichts der Defizite geradezu hanebüchen“.

Kritik am Staatssekretär

Aus einer vorherigen Anfrage des Abgeordneten war bereits hervorgegangen, dass die Zahl der Sekundäreinsätze – der Transport eines Patienten von einer Klinik zur anderen –, die derzeit rund ein Viertel aller Einsätze ausmachen, im Gutachten auf dem Stand des Jahres 2018 eingefroren wurde.

Jetzt wollte Schweickert wissen, wie sich deren Zahl nach Ansicht der Landesregierung in Zukunft entwickeln werde und wie viel Zeit diese im Vergleich zu Primäreinsätzen, also den Noteinsätzen am Unfallort, in Anspruch nehmen. „Insbesondere zu ersterem Punkt konnte Klenk jedoch keine genaue Aussage machen“, berichtet der Abgeordnete. Sekundäreinsätze würden mit im Durchschnitt 2,18 Stunden rund eine Stunde länger dauern als Primäreinsätze.

Verwundert zeigt sich Schweickert auch darüber, dass das Land zwar erst im vergangenen Jahr die Hilfsfristen von 15 auf 12 Minuten verkürzt, nun aber gleichzeitig das Ziel verfolgt, Patienten direkt in Spezialkliniken zu bringen, ohne diesen Aspekt bei der Neuordnung der Luftrettung ernsthaft zu berücksichtigen. „Die Tendenz zur Spezialisierung ist in der Kliniklandschaft kaum zu übersehen. Trotzdem hat man die Entwicklung der Sekundäreinsätze nicht fortgeschrieben und steht ohne ausreichende Datenlage da. So könne das Innenministerium selbst nicht ausschließen, dass Sekundäreinsätze künftig bei allen Rettungshubschraubern im Land die Verfügbarkeit für Primäreinsätze deutlich verringern“, erläutert der Liberale. Somit sei die Behauptung, dass sich die Luftrettungsversorgung bei einer Umsetzung der Pläne im ganzen Land verbessere, nicht mehr zu halten.

Kritiker auch an den Alternativstandorten

Klenk selbst habe zudem erneut eingestanden, dass das Ministerium sich nicht grundsätzlich gegen die Schaffung eines weiteren zusätzlichen Standorts im Raum Tübingen/Reutlingen wehre, dies aber nun mit wirtschaftlichen Aspekten abgelehnt.

Schweickert erwartet fest, dass ein zusätzlicher Standort eine ausreichende Auslastung erreichen werde. Die grün-schwarze Regierung dürfe die Ergebnisse des Gutachtens nicht wie den heiligen Gral vor sich hertragen, sondern müsse endlich die Argumente der Kritiker beachten, zumal letztere selbst an den potenziellen Alternativstandorten rund um Reutlingen zu finden seien.

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