Luftbilderserie – BW von oben 60 Jahre bis zur Weiler Südumfahrung

Von Sophia Herzog
Wer 1968 (links) an Weil der Stadt vorbeifahren wollte, musste durch die Innenstadt. Foto:  

Weil der Stadt - Wir haben ein Märchen wahr gemacht.“ Aus dem Schwärmen kam Weil der Stadts ehemaliger Bürgermeister Hans-Josef Straub kaum mehr heraus, als er im September 1998 zum Spatenstich am südlichen Stadtrand ansetzte. Von „strahlenden Gesichtern im strahlenden Sonnenschein“ berichtete unsere Zeitung damals. Der Grund zur Freude: Baubeginn für die Weiler Südumfahrung.

Wer heute aus Renningen in Richtung Calw fahren will, der nutzt die B 295 – und landet auf eben dieser Bundesstraße dann auch irgendwann im benachbarten Landkreis. Das war nicht immer so. Denn wo besagte Straße heute wie selbstverständlich am Süden der Stadt vorbeiführt, war vor einigen Jahrzehnten: Feld. Durch Weil der Stadt selbst führte der Verkehr entlang der Paul-Reusch-Straße und der Grabenstraße.

60 Jahre warten auf die Südumfahrung

Weil man die Innenstadt von diesem Durchgangsverkehr befreien wollte, diskutierte man jahrzehntelang über eine mögliche Südumfahrung. Aber auch Anfang der 90er-Jahre lag dieser Traum noch in scheinbar weiter Ferne. Denn der damals gültige Verkehrsbedarfsplan des Bundes sah den Bau einer entsprechende Umgehungsstraße erst für frühestens 2012 vor.

Damit man schon vorher mit dem Bau beginnen konnte, bediente man sich im Weiler Rathaus also eines Kniffs an der Formulierung: Die Südumgehung wurde als „innerörtliche Entlastungsstraße unter eigener finanzieller Beteiligung“geplant und umgesetzt, dafür wurde später sogar das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz angepasst. Den Tipp dazu gab der damalige Landrat Reiner Heeb höchstpersönlich. 1993 gab der Gemeinderat den Plänen mit wenigen Gegenstimmen grünes Licht. 1997 lagen die Baupläne vor. „Nach 60 Jahren wird es endlich wahr“, sagte Bürgermeister Straub damals. Im September 1998 schließlich: der heiß ersehnte Spatenstich.

Brücke für Hesse-Bahn muss gebaut werden

Trotz aller Freude war die Umgehung in der Keplerstadt in den Jahrzehnten zuvor einige Male kontrovers diskutiert worden. Kritiker sorgten sich um eine Verschandelung der Würmaue und der mittelalterlichen Stadtsilhouette. Die Straße sei zu nah am Ort, auch Umweltbedenken wurden immer wieder genannt.

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Und auch nachdem die Südumgehung fertiggestellt war, sorgte das Bauvorhaben noch für einige Nachwehen. Denn die B 295 kreuzt auf dem knapp zwei Kilometer langen Teilstück südlich von Weil der Stadt nicht nur die Würm, sondern auch die stillgelegte Bahntrasse der ehemaligen Schwarzwaldbahn. Für den Bau der Südumgehung wurde diese unterbrochen. Mit dem Landkreis Calw vereinbarte die Stadt, dass sie sich um eine neue Bahnbrücke kümmert, würde die Bahnstrecke jemals wieder in Betrieb genommen. Und so kam es auch. 2016 versuchte die Stadt, sich vor Gericht gegen das Wiederaufleben der inzwischen neugetauften „Hermann-Hesse-Bahn“ zu wehren – und wurde abgewiesen. Die Brücke musste her und befindet sich derzeit im Bau.

Zwei Jahre sollte der Bau der Südumgehung eigentlich dauern, wirklich fertig wird die Strecke nach dem Spatenstich 1998 aber erst im Jahr 2002. Für Juli ist die große Eröffnung geplant, kurz vor der Zielgeraden dann: Streik der IG Bau, die Freigabe für den Verkehr muss um einige Wochen verschoben werden.

Immer noch viel Verkehr in der Innenstadt

Hat sich die jahrzehntelange Sehnsucht nach einer Südumgehung also gelohnt? „Gut angelegtes Geld“ sei das gewesen, sagte der damalige Verkehrsminister Hermann Schaufler nach Bauabschluss. Aus der Weiler Verkehrsführung ist die Südumfahrung auch heute nicht mehr wegzudenken. Sie sei ein sehr wichtiger Schritt für die Verkehrsentlastung von Weil der Stadt gewesen, besonders für die Querverbindung von Leonberg nach Calw, betont auch der Erste Beigeordnete der Keplerstadt, Jürgen Katz. Trotzdem: „Leider kämpfen wir aber in der Grabenstraße und am Heilig-Kreuz-Knoten immer noch mit über 20 000 Fahrzeugen am Tag, da die Achse Sindelfingen in Richtung Enzkreis nach wie vor durch die Innenstadt und vor allem auch Merklingen geht.“ Luft nach oben in Sachen Verkehrsberuhigung gibt es in der Keplerstadt also noch allemal.

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