Ludwigsburg will den Zuschlag für 2034 Landesgartenschau: Diesmal soll es klappen

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Die Bärenwiese könnte zu einem Herzstück der Landesgartenschau 2034 werden. Foto: factum//Simon Granville

Ludwigsburg - Landesgartenschau, Klappe zwei, Szene eins: Auf den ersten Blick schien alles wie vor zwei Jahren. Eine Fachkommission des Ministeriums Ländlicher Raum besuchte Ludwigsburg, um sich das Konzept erläutern zu lassen, mit dem die Barockstadt die Konkurrenten im Wettstreit um die Ausrichtung einer Landesgartenschau auf die Plätze verweisen möchte. Im Grunde hat sich auch daran kaum etwas geändert: Wie schon in der Bewerbungsrunde 2018 möchte das Planungsteam Ludwigsburg mit einem grünen Ring einfassen. Und doch sei diesmal vieles anders gewesen, sagte Bürgermeister Michael Ilk nachdem die Gäste wieder weiter gezogen waren. Genug, um an einen Erfolg zu glauben.

„Wir haben heute verstärkt den Grünen Ring in den Fokus gestellt und weniger den Tunnel, sagte Ilk. „Wir setzen darauf, dass das Konzept auch ohne Tunnel funktioniert.“ Als sich die Stadt 2018 um eine Landesgartenschau im Zeitraum zwischen 2026 und 2030 beworben hatte, lag das besondere Augenmerk auf der Ludwigsburger Verkehrsproblematik. Der damalige Oberbürgermeister Werner Spec verknüpfte mit den Gartenschauplänen zuerst die Hoffnung, man könne den Verkehr auf der B 27 wenn schon nicht loswerden, so doch wenigstens weitgehend unsichtbar machen. Sprich: ihn per Tunnel unter die Erde legen.

Gartenschau auch ohne Tunnel?

Ludwigsburg hat damals das Rennen um eine Landesgartenschau verloren – allerdings weniger, weil sie den Eindruck erweckt hatte, sie wolle sich mit den Fördermitteln der Landesgartenschau einen Tunnel erkaufen, als wegen politischer Erwägungen des Agrarministerium: Die Stadt Ellwangen hatte den Zuschlag bekommen – als Gegenleistung für das Landesaufnahmezentrum für Flüchtlinge.

Um zu illustrieren, dass es bei der Bewerbung diesmal wirklich vorrangig um Grün gehen soll, hatte sich das Planungsteam um Ulrike Schmidtgen, die Leiterin des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen, etwas Besonderes einfallen lassen: Nachdem bei Ankunft der Fachkommission am frühen Montagmorgen der sogenannte Ehrenhof am Ludwigsburger Rathaus noch – wie üblich – mit Autos und Baugeräten vollgestanden hatte, wurde die Fläche in nicht einmal zwei Stunden von Mitarbeitern der Technischen Dienste und des Blühenden Brock in einen kleinen Park verwandelt.

Grüne Oase in der Stadtmitte

Die Autos wurden entfernt, ein Kunstrasen ausgerollt und Pflanzkübel sowie Sitzgelegenheiten aufgestellt. Für die nötige Atmosphäre sorgte Vogelgezwitscher aus Lautsprechern. „Das soll jetzt eine Woche lang so bleiben“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht. Jeder, der hier seine Mittagspause verbringen wolle, sei willkommen. „Mit der Neugestaltung des Ehrenhofs wollten wir der Kommission zeigen, welche Chance uns eine Landesgartenschau bietet“, sagte Ilk. „Nämlich die, Ludwigsburg noch grüner und umweltfreundlicher zu machen.“ Den Delegierten aus dem Landwirtschaftministerium, die ihr Abschlussgespräch hier führten, habe der Spontanpark jedenfalls gefallen, meinte der Bürgermeister. Nun müssten noch die Ludwigsburger überzeugt werden, damit der Ehrenhof vielleicht bald auf Dauer eine Oase in der Stadtmitte werden kann.

Zu den Stationen, die die Rathausspitze am Montag gemeinsam mit der Kommission aufsuchte, gehörte vor allem der Arsenal- und Schillerplatz sowie der Karlsplatz und der Akademiehof. Während man den Gästen am Schillerplatz zeigen konnte, dass auch hier Pläne für weniger Blech und mehr Grün existieren – Stichwort Zentrale Innenstadtentwicklung – habe man sie an der B 27 auch mit der Realität von 60 000 bis 70 000 Fahrzeugen pro Tag konfrontiert, sagte Knecht.

17 Kommunen sind im Rennen

Wichtig sei für die Kommission auch, dass es eine klare Abgrenzung zum Blüba gebe, sagte der OB. Darum schlage das Planungsteam als zentralen und für die Dauer einer Landesgartenschau eingezäunten Bereich die Bärenwiese vor. Während dort Blumen und Sträucher wachsen sollten, könne der benachbarte Salonwald als Beispiel für den Forst dienen.

„Unser Ziel ist es, den Zuschlag für die Landesgartenschau 2034 zu bekommen“, sagte Ilk. Dann könnte man dieses Ereignis mit dem runden Geburtstag des Blüba verknüpfen. Der Park feiert dann 80-Jahre-Jubiläum. „Allerdings würden wir auch jedes andere Jahr akzeptieren“, ergänzte der Bürgermeister. Zur Debatte steht der Zeitraum von 2031 bis 2036. Landesgartenschauen sollen nur alle zwei Jahre ausgetragen werden – in den Jahren mit gerader Endziffer. Für Ludwigsburg käme demnach auch 2032 oder 2036 in Frage. Dazwischen finden kleinere Gartenschauen statt. Insgesamt haben sich 17 Kommunen um die Schauen in dieser Zeit beworben. Die Kommission will im Oktober entscheiden, wer zum Zug kommt.

Kleine und große Gartenschauen

Das gute Konzept für eine Landesgartenschau ist das eine, das Geld das andere. Die Ludwigsburger gehen davon aus, dass die Ausrichtung 24,5 Millionen Euro kostet. Die Stadt könnte mit Fördermitteln von 16 Millionen Euro rechnen. Dazu kommen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Bleiben noch 8,5 Millionen Euro.

Auch in Bezug auf das Loch in der Stadtkasse habe sich die Stadt der Kommission offen geäußert, sagt OB Knecht. Schließlich werde in Ludwigsburg über einen Nachtragsetat diskutiert, in dem 50 Millionen Euro fehlen. Die Kommission will das ins Kalkül einbeziehen. Allerdings sei auch klar, dass wegen der Pandemie auch alle anderen Landeskommunen Finanzprobleme haben.

Marbach und Benningen haben derweil Interesse angemeldet, eine kleine Gartenschau zwischen 2031 und 2035 auszurichten. Die Kommunen haben beidseits des Neckars die Jury zu überzeugen versucht: Am Viadukt soll ein Wasserspielplatz entstehen, nach Marbach hinauf soll es einen Aufzug geben. Zudem gab’s Gartenschau-Bier für die Jury, bevor es zum Schillerarchiv ging, wo ein Kulturpark samt Abenteuerspielplatz angelegt werden soll.

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