Ludwigsburg Funktioniert Bürgerbeteiligung über Social Media?

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Die Stadt Ludwigsburg hat eine „Mobiltätssprechstunde“ über Instagram veranstaltet. Foto: imago images/photothek

Kreis Ludwigsburg - Vom digitalen Bürgerbüro sind viele Städte und Gemeinden noch weit entfernt – auch im Kreis Ludwigsburg. Es wird zwar viel über das sogenannte E-Government geredet. Mehr als ein Formular auf der Homepage herunterladen können Antragsteller aber häufig nicht. Der Gang aufs Amt bleibt ihnen in den wenigsten Fällen erspart. Das erhärtet das Bild von der behäbigen, oft verstaubten Verwaltung.

Dabei zeigt zum Beispiel die Stadt Ludwigsburg, dass es auch anders geht – und das Internet, besonders die sozialen Medien, längst kein Neuland mehr sind. Klar sind Neuigkeiten aus der Stadt – vor allem wenn es um politische Entscheidungen geht – bei weitem nicht so sexy wie ein Bikini-Model, das sich am Strand auf Bali räkelt und dafür auf Instagram Hunderttausende Likes erhält.

Aber auch Themen, die allein eine Stadt betreffen, haben online ihr Publikum. Mehr als 25 000 Nutzer sind Fans der Facebook-Seite der Stadt Ludwigsburg, den städtischen Instagram-Kanal haben immerhin 5000 Menschen abonniert. Daneben ist die Stadt auf den Videoplattformen Youtube und Vimeo vertreten. Der Aufwand, der im Ludwigsburger Rathaus betrieben wird, um diese Kanäle zu bespielen, ist beachtlich. Drei Mitarbeiter verbringen mehrere Stunden pro Woche damit.

Für die Verwaltung sind die Onlinekanäle mittlerweile unverzichtbar: Viele junge Menschen erreichen sie nur auf diesem Weg. Die Stadt wirbt dort auch für Veranstaltungen und preist ihre touristischen Angebote an. Die Tourismus & Events Ludwigsburg hat eigene Social-Media-Auftritte, im Bereich Kultur und Bildung gibt es ebenfalls eigenständige Social-Media-Auftritte – etwa für das Ludwigsburg Museum, das Forum am Schlosspark, die MHP-Arena und die Stadtbibliothek.

Stadt wertet „Mobilitätssprechstunde“ als Erfolg

Dass soziale Medien aber kein reines Sprachrohr sind, sondern man darüber wichtige Impulse aus der Bevölkerung bekommen kann, hat auch die Stadt Ludwigsburg erkannt. Über Facebook erreichen die Stadt regelmäßig kleinere Anfragen, die Themen sind bunt gemischt – von Grillplätzen über Terminhinweise bis hin zu Tipps zu Formularen ist so ziemlich alles dabei. Zuletzt hat die Stadt versucht, auch richtig mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Themen zu finden, bei denen das gelingt, daran beißen sich bisweilen auch große Unternehmen, die eine Schar von Social-Media- und Marketing-Experten beschäftigen, die Zähne aus. Die Stadt Ludwigsburg scheint zumindest eines gefunden zu haben.

Jüngst hat sie ihre erste „Mobilitätssprechstunde“ veranstaltet. Matthias Knobloch, Fachbereichsleiter für Nachhaltige Mobilität, berichtete auf Instagram über die Pläne, wie es mit dem Radverkehr in Ludwigsburg weitergehen soll – und stellte auch Fragen an die User. Er wollte wissen, was sie besser machen würden und wo sie Handlungsbedarf sehen.

Bei der Innenstadtentwicklung sollen die Bürger mitreden

Das Thema Radfahren wird derzeit von der Stadt besonders offensiv auf den Social-Media-Kanälen beworben. Zum einen wohl, weil momentan das „Stadtradeln“ stattfindet – eine Aktion, mit der möglichst viele Menschen überall im Land zum Umsteigen aufs Fahrrad motiviert werden sollen. Aber auch, weil „Verkehrsthemen die Menschen besonders bewegen“, wie es aus dem Rathaus heißt. „Die erste Mobilitätssprechstunde war eine gelungene Premiere, mit der Resonanz sind wir sehr zufrieden“, sagt Pressesprecher Peter Spear. Es sind bereits weitere Sprechstunden mit dem Fachbereich Nachhaltige Mobilität geplant, „aber auch zu anderen Themen sind solche Aktionen denkbar“, sagt Spear. Möglichst viele Ludwigsburger will die Stadt auch bei der zentralen Innenstadtentwicklung (ZIEL) mit ins Boot holen. Dafür hat sich zuletzt auch der Gemeinderat ausgesprochen. Mitbestimmen über den neuen Arsenal- und Schillerplatz können die Bürger online, zum Beispiel über das Social-Media-Tool „MeinLB“.

Andere Städte sind noch nicht so weit. Viele betreiben die Kanäle „nebenher“ und nutzen die sozialen Medien vor allem, um junge Menschen, die sie so am ehesten erreichen, mit Informationen zu versorgen. „Wir nutzen sie aber auch, um entstehenden Spekulationen zeitnah entgegenzuwirken“, sagt Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen.

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