Lokaler Einzelhandel Das Leo-Center darf zum großen Teil öffnen

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Vorbereitungen für einen geregelten Neuanfang: Joachim Heller und Andrea Schieber von Ziegler Wohn- und Tischkultur stellen Schilder mit Sicherheitshinweisen auf. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Der entscheidende Satz steht im dritten Absatz der „Gemeinsamen Richtlinie des Wirtschaftsministeriums und des Sozialministeriums zur Öffnung von Einrichtungen des Einzelhandels“: Demnach wird in „Gebäuden mit mehreren rechtlich voneinander unabhängigen Geschäften (Shopping-Center etc.) jedes Geschäft gesondert betrachtet.“

Im Klartext bedeutet das: Neben den meisten Läden außerhalb kann auch die Vielzahl der Geschäfte im Leo-Center am Montag wieder öffnen. Bis zuletzt war das unklar gewesen, weil die Rechtsverordnung der Landesregierung auf sich warten ließ. Erst am späten Freitagabend gingen die Bestimmungen bei den Kommunen ein. Direkt danach informierte Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) den Centermanager Klaus-Peter Regler.

Keine Ausnahmeregel

Der ist erleichtert: „Ich freue mich, dass wir am Montag weitgehend wieder hochfahren können.“ Am Samstagmorgen unterrichtete er die die Mieter im Leo-Center über die positive Entwicklung..

Nicht öffnen dürfen das Warenhaus Karstadt und der Gemischtwarenhandel TK Maxx. Beide haben eine größere Verkaufsfläche als die erlaubten 800 Quadratmeter. Eine Ausnahmeregel wie in Rheinland-Pflalz – dort können die Händler ihre Fläche freiwillig verkleinern – gibt es in Baden-Württemberg nicht.

Information am späten Freitagabend

Regler ist dennoch froh, dass das Leo-Center überhaupt öffnen kann. Denn bis Freitagabend war offen, ob das Gesamthaus nicht als eine in sich geschlossene Ladenfläche gesehen wird. Der OB hatte diese Interpretation abgelehnt. In seinen Augen handelt es sich um viele voneinander unabhängige Läden wie in einer Fußgängerzone. Dieser Auffassung hat sich das Land jetzt im Grundsatz angeschlossen.

Infotafeln und Hygiene-Vorschriften

Auch die anderen Händler bereiten sich intensiv auf den großen Tag vor: Nicht nur Im Geschäft von Joachim Heller sind zwischen Frühlingsdeko, Gläsern, Decken, Kissen und Grills in allen Variationen Schilder mit grüner und roter Schrift zu sehen: „Bitte nur am Haupteingang eintreten“, „Bitte in alle Richtungen zwei Meter Abstand halten“, oder „Hier geht’s zum Ausgang“. Die Tafeln sind ein Teil der Auflagen, die der Chef des Fachgeschäftes für Wohn- und Tischkultur in der Leonberger Altstadt erfüllen muss, um am Montag wieder öffnen zu dürfen.

Wichtig ist für den Heller, der die vergangenen fünf Wochen mit Telefon- und Lieferservice überbrückt hat, dass er endlich wieder öffnen kann: „Die Leute müssen schauen können. Das ist gerade bei unserem Sortiment das A und O.“

Joachim Heller, der Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Faszination Altstadt“ ist, erhofft sich einen Schub für den Marktplatz: „Wenn jetzt die Menschen kommen, dann sehen sie, was wir zu bieten haben – in einem schönen Ambiente.“

Ärger-Zahl 800 Quadratmeter

Bei weitem nicht so wohlgelaunt ist Dieter Waldmann. Denn sein Fachhandel für Kleinkinderbedarf in der Maybachstraße ist 200 Quadratmeter größer als erlaubt. „Die BabyOne-Filiale in Leonberg muss zubleiben, die etwas kleinere in Heilbronn darf öffnen“, ärgert er sich über „mangelnde Flexibilität“ bei den badenwürttembergischen Behörden – im Gegensatz zur liberaleren Praxis in anderen Bundesländern: „Das ist weder logisch, noch nachvollziehbar.“ Dabei hatte sich Waldmanns Team schon lange intensiv auf den Tag X vorbereitet: „Spuckschutz, Masken, Wegeführungen: alles ist da. Wir könnten sofort loslegen“, sagt der Geschäftsführer.

Besser dran ist sein Nachbar, das Intersport-Fachgeschäft Räpple. Dort werden Laufschuhe, Bänder und Bälle auf insgesamt 800 Quadratmetern angeboten. Am Montag kann es also losgehen. „Zum Glück“, sagt Julian Nowotny. „Fünf Wochen Umsatzausfall sind happig. So eine kurze Zeit, um die Hygiene-Auflagen zu erfüllen, das ist schon grenzwertig“, meint der Marketingleiter von Räpple.

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