Lockerungen in der Gastronomie Die neuen Regeln sind noch kniffliger

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Geschäftsführer Dominik Sacher tüftelt an seinem neuen Corona-Regel-Konzept, das nicht einfacher geworden ist. Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Das sind doch mal gute Aussichten: Die gewittrige Lage scheint überstanden zu sein. Für die nächsten Tage jedenfalls ist sommerliches und auch stabileres Wetter angekündigt. Die Inzidenzstufe von 35 hat der Landkreis Böblingen bereits am Dienstag an fünf Tagen unterschritten. Damit gelten die in der Coronaverordnung vorgesehenen Lockerungen. Eine Neuerung ist der Wegfall der Testpflicht für die Außenbereiche von Gastronomie, Veranstaltungen und Einrichtungen wie etwa Freibädern. In Innenbereichen gilt die Testpflicht weiterhin. Bei Feiern im Gastgewerbe sind bis 50 Personen innen und außen mit Test-, Impf- oder Genesenennachweis erlaubt. Doch was bedeuten diese Lockerungen im Detail für die Gastronomie, was müssen die Wirte beachten?

Dominik Sacher, Geschäftsführer des gleichnamigen Brauhauses in der Leonberger Bahnhofstraße sowie des veganen „King of Greens“ im Leo-Center, ist grundsätzlich froh, dass es wieder weitergeht. Begeistert über die unterschiedlichen Regelungen im Innen- und Außenbereich ist er aber keineswegs. „Die Problematik wird kommen, und ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich wegen der Fairness gegenüber allen vorerst weiterhin bei der Testpflicht bleibe, doch irgendwann wird das für mich wohl wettbewerbsschädigend sein und ich muss mitziehen“, sagt der Gastronom.

Absurde Situation im Leo-Center

In der Bahnhofstraße betreibt er neben seinem Traditionslokal auch den angrenzenden Biergarten. „Wer draußen sitzt, darf nicht rein, aber der Gang zu den Toiletten ist erlaubt, das wird nicht leicht zu kontrollieren sein, wir werden Listen führen müssen, was irgendwann albern wird." Absurd sei die Situation in seinem veganen Restaurant im Leo-Center. „In den Läden braucht man keinen Test mehr, bei uns aber schon.“ Was Dominik Sacher in den nächsten Tagen auch beschäftigen wird, ist die Suche nach neuen Mitarbeitern. Rund 60 standen im März 2020 auf der Lohnliste. Während der Corona-bedingten Schließung seien rund 15 Prozent abgesprungen. Diese Mitarbeiter oder Aushilfen kämen auch nicht wieder.

Die Bäckerei Trölsch, die in den Landkreisen Ludwigsburg (die Inzidenz lag dort zuletzt bei 35,2) und Böblingen Filialen betreibt, wartet noch bis zum 14. Juni, bis sie die Innen- und Außengastronomie wieder öffnet. Und das auch nicht an jedem Standort. Nur im Stadtcafé Leonberg, im Café Gerlingen sowie in Ludwigsburgs Myliusstraße und in der Wilhelm-Galerie dürfen die Gäste ab Mitte des Monats wieder an den Tischen den Service genießen. „Wir brauchen eine gewisse Vorlaufzeit“, heißt es aus der Zentrale. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien zuletzt in Kurzarbeit gewesen.

Gäste dürfen bis 24 Uhr bleiben

Im Grenzbereich der beiden Landkreise Böblingen und Ludwigsburg haben Viola Faraci-Murkett und Angelo Faraci ihr italienisches Restaurant „C’era una volta“. Ende Oktober 2019 ist das Gastronomen-Paar von Renningen am Naturtheater nach Gerlingen in die Waldsiedlung umgezogen. Dann kam Corona. „Für uns sind wegen des Umzugs in größere Räumlichkeiten die Hilfen nicht so hoch ausgefallen“, sagt die Geschäftsführerin, die glücklich ist, dass sie seit dem 1. Juni wieder ihre Gäste begrüßen darf. Bislang nur bis 21 Uhr, ab sofort wieder bis 24 Uhr in der Nacht.

„Wenn jemand zuletzt um halb neun kam, habe ich ihn zum nächsten Kollegen nach Leonberg in den Landkreis Böblingen geschickt, der schon länger geöffnet haben durfte“, sagt Faraci-Murkett. Das sind vier Minuten mit dem Auto oder 16 Minuten zu Fuß. Das neue „C’era una volta“ hat 60 Innenplätze. „Davon darf ich wegen des Abstands nur 30 nutzen.“ Um mehr Platz zu schaffen, wurde eine Terrasse mit Glas überdacht. In den Räumen sind Luftreiniger aufgestellt.

Mitarbeiter-Stamm ist noch da

„Wer einen freien Platz ohne Überdachung gebucht hat, für den habe ich auch innen einen reserviert, falls es draußen zu kalt wird“, sagt Faraci-Murkett. Froh ist sie, dass sie ihren Mitarbeiter-Stamm halten konnte. „Da wird noch einiges auf die Gastronomie zukommen, ich weiß von einigen Kollegen, die mangels Personal ihre Öffnungszeiten reduzieren müssen. Diesen Beruf muss man lieben, um auch die Arbeitszeiten akzeptieren zu können.“

Auf die Suche nach einem neuen Koch muss sich Dirk Wilfling, Geschäftsführer des Rutesheimer Gasthauses zum Saibeck, machen. „Kein Corona-bedingter Verlust, sondern er geht in Rente.“ Ansonsten habe er mit seinem Personal Glück gehabt, sagt Wilfling, alle sind noch an Bord. „Da geht es anderen Kollegen nicht so gut, einigen sind 450-Euro-Kräfte abgesprungen, die müssen sich jetzt nach Mitarbeitern umschauen“, weiß Wilfling.

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