LKZ-Talk zur Weissacher Bürgermeisterwahl Einer denkt schon an die zweite Amtszeit

Von Kathrin Klette
Viele Weissacher wollen beim Talk unserer Zeitung hören, was die Kandidaten zu sagen haben. Foto: Simon Granville

Wie lässt sich die Zusammenarbeit mit Erziehern und Eltern in Weissach verbessern? Sollte die Strohgäubahn reaktiviert werden? Und wer würde den amtierenden Bürgermeister, Daniel Töpfer, für seine Beteiligung an der Greensill-Affäre nachträglich noch belangen wollen? Diesen und anderen Fragen haben sich die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Weissach beim Zeitungs-Talk, launig moderiert von unserem Redaktionsleiter Thomas Slotwinski, gestellt. Gut 250 Besucher verfolgten den Abend in der Strudelbachhalle und die Antworten von Helmut Epple, Pierre Michael, Jens Millow und Ralf Ulrich.

Trotz der großen Besucherzahl bleibt Applaus an dem Abend ein rares Gut. Große Anerkennung ist dennoch zu spüren, als es um die Causa Greensill geht und mehrere Kandidaten klarstellen, dass sie einen Schlussstrich hinter die Sache ziehen und keinen Feldzug gegen die jetzige Verwaltungsspitze führen möchten.

Was ist mit den 16 Millionen Euro?

Die Gemeinde Weissach hatte bei dem Bremer Bankinstitut insgesamt 16 Millionen Euro angelegt – zwei Millionen davon, als bereits bekannt war, dass die Bank keine sichere Anlage mehr bietet. Mittlerweile ist das Institut insolvent, ob Weissach von den Millionen je einen Cent wiedersieht, steht in den Sternen. Der Wunsch, einen Verantwortlichen für die Misere auszumachen, ist allzu verständlich. Doch welcher der jetzigen Kandidaten würde im Fall einer Wahl die jetzige Verwaltungsspitze nachträglich belangen wollen? „Ich denke, meine Antwort ist schon bekannt“, ist als erstes von dem bekannten Weissacher Helmut Epple zu hören – begleitet von Lachern aus dem Publikum. Er wolle es Daniel Töpfer gleichtun, der gegen seine Vorgängerin Ursula Kreutel wegen Verfehlungen im Amt gerichtlich vorgegangen ist.

„Wir müssen nach vorne schauen“

Alle anderen Kandidaten nehmen davon Abstand: „Wir müssen aus der Vergangenheit lernen und nach vorne schauen“, formuliert es der Grünen-Gemeinderat Pierre Michael. Der Fall Kreutel habe in der Gemeinde großen immateriellen Schaden angerichtet, so etwas dürfe sich nicht wiederholen. „Und was sollte das Ziel sein? Dass uns nachher jemand zwei Millionen Euro überweist, halte ich für sehr unwahrscheinlich.“

Der Hauptamtsleiter von Löchgau, Jens Millow, schließt sich an: „Ich möchte nicht der Racheengel sein, nur weil Herr Töpfer seine Vorgänger so behandelt hat.“ Nichtsdestotrotz sei es wichtig, betont der Weissacher Gartenbaumeister Ralf Ulrich, dass die Vorgänge nachbereitet und aufgeklärt werden. „Sonst muss man sich nicht wundern, wenn die Menschen politikverdrossen werden.“

Eltern beklagen Betreuungssituation

Auch beim Thema Kinderbetreuung kommt die jetzige Verwaltungsspitze nicht gut weg. In einem offenen Brief beklagen die Elternbeiräte die schlechte Betreuungssituation und die schlechte Zusammenarbeit mit dem Rathaus. Klar: Die potenziellen Nachfolger Töpfers wollen es natürlich alle besser machen. Aber wie?

„Als ehemaliger Elternbeirat habe ich dieses Ohnmachtsgefühl selbst erlebt“, berichtet Pierre Michael. Wichtig sei es in Zukunft, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Jens Millow stellt klar: „Das ist nichts, was man mit einem Fingerschnippen erledigen kann.“ Leider sei es sehr schwer, die Erzieherinnen direkt zu entlasten, weil sich kaum ein Teil ihrer Arbeit auslagern lasse. Bei den Leitungen sei das schon eher möglich und auch wichtig, hier Aufgaben ans Rathaus abzugeben. „In Löchgau funktioniert das ganz gut.“

Helmut Epple schlägt vor, große Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen, Stichwort: Betriebskitas. Ein Vorschlag, mit dem Ralf Ulrich sich ebenfalls anfreunden kann, gerne auch in Form von betriebsübergreifender Zusammenarbeit. „Denn wenn die Infrastruktur nicht funktioniert, gehen die Leute woanders hin, nach Stuttgart – oder eben nach Löchgau“, ergänzt er scherzhaft.

Die meisten Beiträge bleiben sachlich

Verkehrslärm, Kinderbetreuung, das Bangen um 16 Millionen Euro: Es sind einige emotionale Themen, mit denen die Bewerber konfrontiert werden. Dennoch bleiben die Antworten meist sachlich – diverse Ausreißer aufseiten des selbsternannten Weissacher Ordnungshüters Epple ausgenommen. Der bringt wie gewohnt eine Menge Orts- und Sachkenntnis mit, erntet mit manchen kruden Beiträgen aber auch einige Lacher.

Ralf Ulrich, Kreisvorsitzender der umstrittenen Partei dieBasis, präsentiert sich eher zurückhaltend. Er setzt vor allem auf seine beruflichen Kenntnisse, will vor allem den Mittelstand ansprechen. Seine Antworten sind kurz und präzise. Die fehlende Erfahrung in der Lokalpolitik und der Verwaltungsarbeit macht sich jedoch bemerkbar.

Millow und Michael können beide auf ihre Art punkten

Die beiden vom Gemeinderat als Favoriten gehandelten Kandidaten, Jens Millow und Pierre Michael, können beide auf ihre Art punkten. Während Michael vor allem auf seinen großen Erfahrungsschatz aus seiner Gemeinderatstätigkeit in Weissach zurückgreifen kann, hat Jens Millow, der einzige Kandidat mit Erfahrung in der Kommunalverwaltung und zugleich der einzige Nicht-Weissacher, für fast jedes Thema das passende Beispiel aus seiner Gemeinde Löchgau parat. Als einziger erntet Millow gegen Ende vom Publikum ein paarmal lauten Beifall.

Überaus selbstbewusst zeigt er sich letztlich auch in der Abschlussrunde mit den Leser- und Publikumsfragen. Die Frage, ob er im Falle einer Wahl nach Weissach ziehen würde, verneint er, er wolle seine Kinder nicht aus dem gewohnten Umfeld reißen. Mit einem Schmunzeln ergänzt er: „Mittelfristig, für die zweite Amtsperiode, ist das aber tatsächlich eine Option.“

Bald wird gewählt

Wahlsonntag Die Wahl zum Weissacher Bürgermeister findet am Sonntag, 3. Juli, statt. Erhält kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen, gibt es am Sonntag, 24. Juli, einen zweiten Wahlgang.

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