LKZ-Sommergespräche „VVS blockiert individuelle Lösungen“

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Größtes Projekt nach dem Leobad: Christa Weiß, Ottmar Pfitzenmaier und Thomas K. Slotwinski am Ezach-Kindergarten.. Foto: factum/

Leonberg - Während die bisherigen Gesprächspartner es für die Sommerinterviews zu den großen Umbaugebieten in die Innenstadt gezogen hat, bevorzugen die Sozialdemokraten den Bereich rund um das Ökumenische Zentrum im Leonberger Wohnviertel Ezach. Denn hier, so sagen der Fraktionschef Ottmar Pfitzenmaier und seine Stellvertreterin Christa Weiß, wird die Stadt mehr als 10 Millionen Euro investieren für die Betreuung von Kindern und Schülern investieren.

Frau Weiß, Herr Pfitzenmaier, angesichts des bundesweiten Abwärtstrends Ihrer Partei können Sie mit dem Ausgang der Kommunalwahl recht zufrieden sein: Die SPD stellt weiterhin fünf Stadträte.

Pfitzenmaier: Fünf Sitze sind angesichts der schwierigen politischen Großwetter­lage in der Tat nicht schlecht. Wir haben den SPD-Trend zumindest ein Stück weit im positiven Sinne gebrochen.

Woran liegt das?

Weiß: Die Persönlichkeitswahl schlägt durch. Man kennt die Kandidaten und wählt Personen und weniger Parteien.

Was sagen Sie zum Ringen um den SPD-Bundesvorsitz?

Pfitzenmaier: Wer sich alles aufgerufen fühlt zu kandidieren, da friert es mich. Die Partei muss dringend aus der großen Koalition raus, um zu sich selbst zu finden.

Weiß: Positiv ist immerhin, dass die Mitglieder wählen können.

Kommen wir zur Kommunalpolitik. Warum treffen wir uns im Ezach?

Pfitzenmaier: Nach dem Abschluss der Leobad-Sanierung findet hier das größte Projekt statt. Die Stadt investiert mehr als 10 Millionen Euro für neue Kindertagesstätten mit insgesamt zehn Gruppen und eine Mensa für die Sophie-Scholl-Schule. Auch ist ein Mehrfamilienhaus für bezahlbaren Wohnraum geplant.

Zehn Millionen sind ein großer Brocken.

Weiß: Wir weisen neue Baugebiete aus, schaffen mehr Wohnraum und damit einen Bedarf an Kinderbetreuung. Die Zuschüsse hierfür sind allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Pfitzenmaier: Um nicht zu sagen: Wir werden von Land und Bund weitgehend alleingelassen. Nicht ohne Grund beträgt das städtische Defizit bei den Ausgaben für Bildung und Betreuung 19 Millionen Euro.

Gibt es keine Möglichkeiten, die Kosten vor Ort zu senken?

Weiß: Tatsächlich wollte die Stadtverwaltung auf den Mensabau verzichten. Aber den Eltern ist die Mensa sehr wichtig. Für   ein Mittagessen müssen die hiesigen ­Kinder bis zur Mörike-Schule gehen.

Pfitzenmaier: Zumal der Bedarf noch größer werden wird. Die Kinder der künftigen zehn Kita-Gruppen werden danach alle zur Sophie-Scholl-Schule gehen.

Kann man nicht bei den Bauten sparen?

Pfitzenmaier: In der Tat drängen wir darauf, die Kitas möglichst kostenoptimiert zu bauen. Früher wurde uns gesagt, eine Kita-Gruppe kostet eine halbe Million Euro. Dann waren es 650 000 Euro, jetzt sind wir bei einer Million Euro pro Gruppe. Die Philosophie, erst zu planen und dann zu schauen was es kostet, ist nicht mehr zeitgemäß. Ich wundere mich, dass das von vielen im Gemeinderat akzeptiert wird.

Wird in Leonberg zu großzügig gebaut?

Pfitzenmaier: Wir müssen über unsere Standards nachdenken. Bei uns sind schon die Interims-Kindergärten besser als die regulären Einrichtungen in anderen Städten.

Weiß: Zudem werden die Auflagen des Landes immer höher: Jedes Kind hat Anspruch auf mehr Platz und die Lärmschutzvorschriften sind oft überzogen. Bestes Beispiel sind die Vorgaben für die Kita Nord auf dem Engelberg, wo schon der nahe liegende Tennisplatz als starke Lärmquelle bezeichnet wird.

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