LKZ-Sommergespräche „Beim Wohnraum ist Leonberg Wüste“

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Linken-Stadträtin Gitte Hutter beim LKZ-Sommergespräch mit Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski auf der Pandion-Baustelle. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Mit großem Nachdruck engagiert sich die Stadträtin Gitte Hutter (Linke) für bezahlbaren Wohnraum. Doch der, so sagt sie, sei nicht in allen Neubaugebieten gewährleistet.

Frau Hutter, Sie haben sich als Ort für das Sommergespräch das alte TSG-Gelände ausgesucht. Hier baut die Firma Pandion ein neues Wohnquartier.

Genau. Die einstigen Sportflächen sind planiert, und deshalb hat die Fläche einen wüstenähnlichen Charakter. Ein passendes Bild für die Situation auf dem Wohnungsmarkt: Beim bezahlbaren Wohnraum ist Leonberg tatsächlich Wüste. Das Thema wird im Gemeinderat nicht mit dem nötigen Nachdruck verfolgt, sondern eher zu Tode diskutiert. Das mag daran liegen, dass die meisten Stadträte ein Eigenheim haben, was ich jedem einzelnen auch sehr gönne. Aber sie können sich vielleicht gar nicht in die Lage von vielen Familien hineinversetzen, die verzweifelt einen Platz zum Wohnen suchen.

Was müsste im Rat geschehen?

Man muss viel mehr Druck aufbauen, um leer stehende Wohnungen wieder dem Mietmarkt zuzuführen. In Köln gibt es eine Wohnraumschutzsatzung, mit der Wohnungen vor gewerblicher Nutzung oder Zweckentfremdung, zum Beispiel als Ferienwohnungen, geschützt werden. So etwas würde ich mir hier auch wünschen.

Leonberg ist aber nicht Köln.

Aber die Probleme sind ähnlich. Es geht ja nicht nur um leer stehende Wohnungen, sondern ganze Flächen. Nehmen Sie das Gelände gegenüber des Leo-Centers, auf dem im Moment die Container des Interims-Kindergartens aufgebaut sind. Da tut sich seit Jahren nichts. Oder die Villa an der Ecke Bismarckstraße/Poststraße, die fast von einem Urwald umgeben ist. Das sind doch keine Zustände! Die Frage ist, ob unser Gemeinderat bereit ist, in solchen Fällen Bußgelder zu verhängen.

Sie können doch niemanden zwingen, sein Grundstück zu verkaufen.

Wie heißt es im Grundgesetz? Eigentum verpflichtet. Wenn jemand sein Haus verkommen lässt, dann muss man es ihm wegnehmen, natürlich gegen Bezahlung des aktuellen Geldwertes.

Das klingt sehr sozialistisch.

Ich weiß, dass es knallhart ist. Aber man muss etwas machen. Wir haben die Flächen ja nur einmal.

Nur mit Enteignungen lösen Sie die Wohnungsnot aber nicht.

Natürlich nicht. Wir müssen unsere Bauweise ändern und uns vom Einfamilienhaus mit Garten verabschieden. Da wir nicht mehr ausreichend Fläche haben, müssen wir in die Höhe bauen.

Regelrechte Wohntürme?

Nein, wir sollten uns hüten, die Hochhäuser am Leo-Center zu kopieren. Aber gegenüber der alten Hauptpost in der Eltinger Straße gibt es ein mehrgeschossiges Haus, an dem sich niemand stört. Das kann als Vorbild dienen.

Hilft eine kommunale Baugesellschaft?

Grundsätzlich bin ich dafür. Ob wir eine eigene brauchen, müsste man prüfen. Wir haben ja schon einige vor der Haustür, mit denen man kooperieren könnte.

Nicht nur angesichts der Wohnungsnot, sondern auch wegen der Infrastruktur wird kritisch diskutiert, ob Leonberg überhaupt weiter wachsen soll.

Die Bevölkerung wächst, die Menschen werden älter. Da können wir doch nicht einfach die Tore schließen und sagen: Die anderen Städte sollen es richten.

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