LKZ im Gespräch: Weil der Stadt Bei sozialem Wohnbau sind sich alle einig

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Im historischen Ambiente des Klösterles diskutieren die Kandidaten über die Zukunft ihrer Stadt. Foto: factum/Andreas Weise

LKZ im Gespräch - Schon schön hier, aber irgendwie nichts los: Diesen Gedanken hegen viele, die über den Weiler Marktplatz oder durch die Altstadt flanieren. Doch wie kann endlich Leben in die Innenstadt einkehren? Dieser und anderen Fragen haben sich die Teilnehmer des ersten LKZ-Talks zur Kommunalwahl am 26. Mai gestellt. Im Weiler Klösterle haben Klaus-Peter Fritschi von den Freien Wählern, Martin Buhl von der CDU, Josef Weber von der SPD, Alfred Kappler von den Grünen und Hans Dieter Scheerer von der FDP zu Themen diskutiert, die die Weiler bewegen – vom knappen Wohnraum bis hin zum leeren Geldbeutel der Stadt. Stefan Gruber von der AfD hatte seine Teilnahme krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt.

Dass sich im Weiler Zentrum etwas ändern muss, darin sind sich alle einig. „Es ist fast naiv, zu glauben, dass sich in der Weiler Innenstadt irgendwelche Filialketten niederlassen“, konstatiert Hans Dieter Scheerer. Auch was das gastronomische Angebot angeht, sieht es mau aus. Bei diesem Problem beißt sich die Katze in den Schwanz: „Ich sehne mich sehr nach einer Reaktivierung der Gastronomie“, sagt Klaus-Peter Fritschi. Vor allem an gehobenen Angeboten fehle es. „Aber die brauchen auch Kunden. Das heißt, wir brauchen eine Gesamtkonzeption, dass Menschen in die Stadt kommen.“ Im Tourismus sieht er eine große Chance. Scheerer unterstützt die Idee eines umfassenden „Masterplans“, der auch die Pforzheimer Straße und die Stuttgarter Straße mit einschließen sollte.

Autofreier Marktplatz?

Einen Lösungsansatz im Hinblick auf die Altstadt sehen einige in einem autofreien Marktplatz. Klaus-Peter Fritschi erinnert: „Von Anfang an war das die Aussage aller Experten: Der Marktplatz darf kein Parkplatz sein.“ Martin Buhl weist aber auch auf die unterschiedlichen Interessenlagen hin. Nicht alle möchten demnach komplett auf die Parkplätze verzichten. Auch Josef Weber plädiert für einen eher autofreien Marktplatz, einzelne Parkplätze sollten aber erhalten bleiben. Mehr Publikumsmagnete wie den Strandsommer könnte sich Alfred Kappler vorstellen. „Beim Strandsommer wurde deutlich, dass damit ein Wunsch vieler in Erfüllung gegangen ist.“ Hier habe man auch schön gesehen: „Der Marktplatz ist voll, wenn man die Rahmenbedingungen schafft.“

Wann also geht es endlich los mit einer Marktplatzsanierung? „Wir sind da sehr ungeduldig, wir hätten sie gerne schon dieses Jahr bis 2020 begonnen“, erklärt Martin Buhl für die CDU. Aufgrund der Umstrukturierungen im Bauamt wolle man der Verwaltung noch etwas mehr Zeit geben. Ziel sei aber, „bis 2020/2021 mit der Umgestaltung zu beginnen“.

Klar positionieren sich die Vertreter der Listen, wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht. „Seit 30 Jahren gibt es keinen sozialen Wohnungsbau mehr in Weil der Stadt“, beklagt Josef Weber. Er spricht sich deutlich für eine Quote für sozialen, also geförderten, Wohnungsbau aus, wenn neue Baugebiete ausgewiesen werden. Auf die Frage, ob sie das befürworten würden, antworten alle Kandidaten mit „Ja“.

Wohnungsnot kontra Flächenverbrauch

So groß die Einigkeit in diesem Punkt auch ist – geht es um neue Baugebiete im Allgemeinen, gehen die Meinungen der Politiker doch zum Teil stark auseinander. „Wir haben Vollbeschäftigung“, erinnert Alfred Kappler. „Wer neue Arbeitsplätze hinzu bringt, bringt auch neue Menschen.“ Als Beispiele nennt er Porsche und Bosch in Renningen. Im Kreis Böblingen sei bereits ein Viertel der Gebietsfläche komplett zugebaut. „Trotzdem versuchen wir weiter, alles hierherzubringen.“ Der ständige Wettbewerb mit anderen Gemeinden wie Renningen und Rutesheim „ist meiner Ansicht nach tödlich, denn wir verlieren an Lebensqualität“.

Deutliches Kontra gibt es von FDP-Kandidat Scheerer: „Gott sei Dank leben wir in einer freien demokratischen Grundordnung, und jeder Unternehmer hat das Recht, sich da anzusiedeln, wo er es für richtig hält.“ Da sei es dann die Aufgabe der Kommune, für den Wohnraum, aber auch für die Infrastruktur zu sorgen. Buhl fasst das Dilemma zusammen: „Wir sind hier in einer Zwickmühle.“ Auf der einen Seite habe man die Wohnungsnot, auf der anderen Seite das Problem des Flächenverbrauchs. Doch auch wenn das Wachstum moderat und nicht unendlich sein soll, „in erster Linie kommt der Mensch“ und dessen Bedürfnisse auf dem Wohnungsmarkt.

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