LKZ im Gespräch in Renningen Im Tête-à-tête zur richtigen Stadtpolitik

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Sechs Listen kämpfen derzeit in Renningen um Sitze im Gemeinderat der Stadt. Foto: factum/

Renningen - Mehr Mut zu Wohlfühlorten in der Stadt wünscht sich der Mann. Wenn er durch die Bahnhofsstraße laufe, sehe er ein großes Schild mit der Aufschrift „Wohlfühloase“. „Herr Steudle, wenn ich Sie direkt ansprechen darf: In dem Hof stehen lauter Grabsteine!“ Nein, eine Beschreibung der Stadt Renningen sei das natürlich nicht, ergänzt der Leser Johannes Schmid unter schallendem Lachen des Auditoriums.

Noch nicht. Wie sich aber Renningen in den kommenden fünf Jahren entwickeln soll, ist die Frage, mit der sich das Podium von „LKZ im Gespräch“ am Dienstagabend im Bürgerhaus beschäftigte und die sich nicht nur an den Steinmetz und CDU-Spitzenkandidat Wolfgang Steudle, sondern auch an Marcus Schautt (Freie Wähler), Anna Walther (SPD), Susanne Blaurock (Grüne), Resi Berger-Bäuerle (Frauen für Renningen) und Oliver Schmiedeberg (FDP) richtet.

Denn von Grabesruhe kann in Renningen keine Rede sein, der am stärksten wachsenden Stadt in Süddeutschland. Virulenter ist da die Frage, wie weit das Wachstum noch gehen soll. Als selbst erklärter Bremser exponiert sich der Freie Wähler Marcus Schautt. „Wir möchten die nächsten fünf Jahre verschnaufen“, sagt er. „Beim Wachstum von Wohnraum und Gewerbe stehen wir auf der Bremse.“

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„Warum haben Sie Schnallenäcker III so schnell beschlossen?“

Als Gegenpart in dieser Frage positioniert sich die SPD-Frau Anna Walther, die sich für ein neues Gewerbegebiet im Renninger Süden, entlang der B 295, aussprach. Voraussetzung freilich sei, dass die Stadtverwaltung mehr Personal bekommt. „Aber dann brauchen wir dieses Projekt“, sagt Walther und richtet ihren Blick, mit einer Gegenfrage bewaffnet, an Markus Schautt. „Warum“, will Walther wissen, „warum haben Sie dann Schnallenäcker III so schnell beschlossen?“

Erst vor drei Wochen hatte der Gemeinderat, unter Zustimmung der Freien Wähler, entschieden, die Planung dieses acht Hektar großen Gebietes für 1000 zusätzliche Renninger weiter voranzutreiben. „Wir hatten da in der Tat Bauchschmerzen, das stimmt“, gibt Schautt zu, „uns wäre es lieber gewesen, wenn Schnallenäcker III langsamer und kleiner gekommen wäre." 

Schautt gegen Walther, aber auch Blaurock gegen Steudle oder Berger-Bäuerle gegen Schmiedeberg. Es ist die direkte Konfrontation zweier Kontrahenten unter dem Motto „Eins Gegen Eins“, zu der die beiden Moderatorinnen Elisa Wedekind und Kathrin Klette die Diskutanten auffordern, und an der die Zuschauer ihre sichtliche Freude haben. „Bitte versuchen Sie doch mal, den anderen von Ihrer Ansicht zu überzeugen“, leitet Klette den Veranstaltungsteil ein und gibt jeweils vier Minuten Zeit. Zum Beispiel das umstrittene Lehrschwimmbecken. Also los Herr Schmiedeberg, fordert die Moderatorin auf, warum sollte Wolfgang Steudle dem Bau dieses Beckens zustimmen?

Das Lehrschwimmbecken ist umstritten

„Wir sind der Meinung, dass jedes Kind schwimmen lernen muss“, sagt der FDP-Mann Oliver Schmiedeberg. Auch für ältere Menschen sei das als Therapieangebot sinnvoll. Und eine Stadt mit bald 20 000 Einwohnern müsse in der Lage sein, nicht nur im Sommer ein Freibad, sondern auch im Winter eine entsprechende Schwimmhalle vorzuhalten. Erklärter Gegner dieses Ansinnens ist Wolfgang Steudle (CDU). „Das würde mir auch gefallen“, sagt er zwar, verweist aber auf die laufenden Kosten von einer halben Million Euro – pro Jahr. „Das Geld investiere ich lieber in eine neue Sporthalle, in die Realschule oder in eine neue Mensa.“

Noch so ein Renninger Problem ist das historische Gebäude in der Mühlgasse, das seit 2002 im Besitz der Stadt ist. Soll die Stadt Millionen in dessen Renovierung stecken? Nein, sagt dieses Mal Susanne Blaurock (Grüne). Schon in den vergangenen 17 Jahren sei das an der Finanzierung gescheitert. „Das historische Gebäude zu erhalten, finde ich gut – wir sollten es aber in private Hände geben, die es liebevoll restaurieren.“ Wolfgang Steudle (CDU) wirbt für das städtische Engagement, etwa in Form einer Kleinkunstbühne: „Kultur sollte uns was wert sein.“

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