Linke in Leonberg „Wir müssen mehr in die Höhe bauen“

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Perspektivwechsel: Gitte Hutter beim Sommergespräch auf dem Engelberg. Foto: Simon Granville

Leonberg - Um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, spricht sich die Linken-Stadträtin für mehr Hochbauten aus. Um dies symbolisch zu unterstreichen, geht sie für das Interview weit nach oben.

Frau Hutter, ein schöner Platz hier in der Oberen Burghalde...

Der Blick von oben ermöglicht einen Perspektivwechsel. Unten sieht man nur die Details. Hier kann man das große Ganze betrachten und sich ganzheitliche Gedanken machen.

Wie meinen Sie das?

Es genügt ja nicht, nur neue Wohngebiete zu bauen. Wir müssen ja auch die Folgen beachten: Brauchen wir zusätzliche Schulen, Kitas oder neue Einkaufsmöglichkeiten?

Aber Ihr großes Anliegen ist doch, dass überhaupt neuer bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird.

Das ist richtig. Aber dafür müssen wir erst einmal definieren, was unter bezahlbaren Wohnraum zu verstehen ist.

Was verstehen Sie darunter?

Bestimmt nicht die 2500 Euro pro Monat, die ein Penthouse kostet. Man muss sich die tatsächlichen Einkommen der Mehrheit anschauen. Um sich bei uns Wohnraum zu leisten, reichen nicht einmal die 13 Euro Mindestlohn, die meine Partei, die Linke, fordert. In der Realität ist es doch eher so, dass viele mit neun Euro Stundenlohn nach Hause gehen, also über 3600 Euro brutto im Monat verfügen. Das reicht doch hinten und vorne nicht.

Die Stadt hat keinen Einfluss auf Löhne...

.. aber sie kann dazu beitragen, dass es mehr Wohnraum gibt, der wirklich bezahlbar ist. Damit das gelingt, müssen wir stärker in die Höhe bauen. Das muss schon im künftigen Quartier in der Berliner Straße umgesetzt werden. Dort müssen die Häuser mindestens so hoch werden wie in der Lobensteiner Straße. Auch um nicht zu viel Fläche zu versiegeln, müssen wir in die Höhe bauen.

 Sie setzen also voll auf Nachverdichtung und Höhe?

Nicht nur. Wir werden auch in den Außenbereichen, in den Teilorten, neue Wohnflächen ausweisen müssen, um den Bedarf einigermaßen zu decken. Das gilt übrigens nicht nur fürs Wohnen. Wir brauchen auch zusätzliche Gewerbeflächen. Das ist eine der wenigen Einnahmequellen, die die Stadt noch hat.

Das wird Ihre Partei aber nicht so gerne hören, die sich ja gerne einen ökologischen Anstrich gibt.

Man muss natürlich die Ausweisung neuer Flächen mit Augenmaß angehen, aber man kann sich nicht davor verschließen. Wir brauchen einfach mehr Platz: Die Menschen werden älter. Und den Jüngeren können wir, salopp gesagt, ja schlecht verbieten, dass sie sich vermehren. Deshalb brauchen wir eine Strategie, wie Wachstum organisiert werden kann. Wir müssen uns darüber im Klaren werden, was wichtig ist.

Dafür hatte die Stadt im vergangenen Jahr eigens einen Workshop mit Experten organisiert.

Genau. Das Ziel war, Prioritäten für einen bestimmten Zeitraum zu setzen, diese dann aber auch umzusetzen. Das scheinen einige im Gemeinderat wieder vergessen zuhaben.

Wie kann eine schnelle Umsetzung gelingen?

Auf keinen Fall so wie es beim Postareal zu beobachten war. Wir können es uns nicht erlauben, monatelang oder noch länger herumzudiskutieren, ob nun hier oder da zwei Bäumchen hinkommen. Unsere Bürokratie ist doch ohnehin langwierig genug.

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