Leonberger Verkehr Weniger Platz für Autos in der City?

Von Thomas K. Slotwinski
Autos auf voller Breite der Brennerstraße. Ob das so bleibt, wird nun geprüft. Foto: Simon Granville

Leonberg - Jetzt ist es amtlich: Die beiden zentralen Hauptverkehrsachsen in der Leonberger Innenstadt könnten für den Autoverkehr verkleinert werden. Ein zweistufiger Test soll zeigen, ob eine Reduzierung der Fahrspuren von vier auf zwei in der Eltinger Straße wie auch in der Brennerstraße umsetzbar ist. In diesem Zuge wird auch ermittelt, wie der Neuköllner Platz als größte Kreuzung der Stadt entsprechend umgestaltet werden kann. Darauf hat sich der Gemeinderat mit breiter Mehrheit verständigt.

Die Geschichte Dass sich im Leonberger Zentrum, das bei verstopfter Autobahn massiv unter dem Ausweichverkehr leidet, etwas ändern muss, ist keine Neuigkeit. Bisher gab es unterschiedliche Lösungsansätze: eine Umgehungsstraße, ein Tunnel unter der Altstadt, Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) brachte gar eine Seilbahn als bodenunabhängige Nahverkehrsalternative ins Gespräch.

Die aktuelle Ausgangslage In all den Jahren dieser Diskussion und angesichts der düsteren Klimawandel-Szenarien hat sich das öffentliche Bewusstsein geändert. Das Auto gilt nicht mehr als das Hauptverkehrsmittel der Zukunft: Millionenstädte setzen auf autofreie Zentren. Und auch in Leonberg nehmen die Stimmen zu, die die Qualität einer Stadtmitte mit Verkehrsberuhigung, Freiräumen und Grünflächen verbinden. Fußgänger und Radfahrer sollen keine Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse mehr sein.

Die lokale Diskussion hatte an Dynamik gewonnen, als der OB im Frühsommer sein Konzept einer „Stadt für morgen“ veröffentlichte. In dem sind genau die eben genannten Punkte aufgelistet. Das Ziel: Autos werden nicht gänzlich aus der Stadt verbannt, aber sie spielen nicht mehr die dominante Rolle früherer Jahrzehnte.

Das ist vorgesehen Die vier Spuren, die in der Eltinger Straße von der Höhe Lindenstraße bis zum Neuköllner Platz bisher weitgehend den Autos vorbehalten sind, werden verringert. Auf einer Spur in die jeweilige Richtung sollen künftig Radler und Busse Vorfahrt haben. Unterschiedliche Auffassungen gibt es in der Kommunalpolitik darüber, ob auf diesen sogenannten Umweltspuren auch Taxis fahren dürfen. Elke Staubach (CDU) hält das für sinnvoll, für Christa Weiß (SPD) hingegen ist ein Taxi eben auch ein Auto, das dort nichts zu suchen habe.

Ähnliches ist in der Brennerstraße zwischen Leonberger Straße und Reinhold-Vöster-Straße geplant. Der stark frequentierte Neuköllner Platz wird gesondert betrachtet.

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Die einzelnen Schritte Nun wird es aber nicht so sein, dass noch vor dem Jahreswechsel im Stadtzentrum die Straßen halbiert werden. Denn bevor ein direkter Eingriff die Verkehrsströme erfolgt, so hat Dieter Maurmaier vorgeschlagen, könnten all diese Situationen erst einmal am Computer simuliert worden.

Als ehemaliger Professor für Verkehrswesen weiß der FDP-Fraktionsvorsitzende, wovon er spricht: Computersimulation erbrächten präzise Daten. Womöglich wäre ein Versuch in echt dann gar nicht mehr nötig.

Der Zeitplan Doch den wollen die meisten Politiker schon durchführen lassen, wenn möglich schon im März. Die vielerorts zu hörende Befürchtung, bei einem Verkehrsversuch würden bauliche Fakten geschaffen, hält Stephan Kerner für unbegründet. „Wir arbeiten nur mit Markierungen und Schildern“, versichert der Leiter des städtischen Referats für innovative Mobilität. Erst wenn anhand eines Tests die Umsetzung als sinnvoll erscheine, könne über entsprechende Neugestaltungen gesprochen werden.

Im Gegensatz zu den Freien Wählern und der CDU hält Kerner eine halbjährige Dauer in der warmen Jahreszeit für ausreichend. Im Winter, so versichert er, gebe es weniger Verkehr als im Sommer. All dem vorausgeschaltet ist allerdings die Simulation. Erst wenn deren Ergebnisse nahelegen, dass ein praktischer Versuch sinnvoll ist, soll dieser auch kommen.

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Die Kosten Im laufenden Jahr sind 10 000 Euro für Planungsleistungen veranschlagt. Im Haushalt für das kommenden Jahr ist ein Budget von 155 000 Euro veranschlagt. Ob dies allerdings so kommt, ist noch offen. Die Haushaltsberatungen laufen im Moment. Ob diese Summe in vollem Umfang nötig ist, ist politisch umstritten.

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