Leonberger Stadtentwicklung Eine allerletzte Chance für das Postareal

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Die Neugestaltung des Postareals soll das Stadtbild von Leonberg zwischen Leo-Center und Altstadt grundlegend verändern. Foto: Simon Granville

Leonberg - Es ist 20.58 Uhr am Dienstagabend. Eigentlich wollen die Leonberger Stadträte spätestens zu diesem Zeitpunkt in die Zielgerade einbiegen, um wenigstens noch einen Großteil des deutschen EM-Spiels mitzubekommen. Stattdessen diskutieren sie seit mehr als einer Stunde zum x-ten mal über das Postareal.

Es geht um viele Details. Sogar das Beerdigen des kompletten Projektes steht im Raum. Der Oberbürgermeister ist sichtlich genervt. Martin Georg Cohn (SPD) drängt auf Abstimmung. Sollte sich die Zwei-Mann-Gruppe „Salz“ mit ihrer Forderung durchsetzen, das Großprojekt, an dem seit fünf Jahren gearbeitet wird, endgültig sterben zu lassen? Eine deutliche Mehrheit im Rat sagt „nein“. Der Investor Strabag Real Estate soll noch einige Nachbesserungen überprüfen. Im Juli, in der letzten Sitzung vor der Sommerpause, will der Gemeinderat dann endgültig entscheiden: weitermachen oder völliger Neustart.

Lähmend viele Detailfragen

Es sind viele viele Aspekte, die das kühne Vorhaben, aus der zerstückelten Innenstadt eine Einheit zumachen, seit Jahren lähmen. Wobei die Grundidee recht einfach ist: Ein neues Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Hauptpost längs der Eltinger Straße soll zum Brückenschlag zwischen dem Leo-Center am Neuköllner Platz und der Altstadt werden. Eine echte Brücke für Fußgänger und Radler zum Marktplatz ist das Sahnehäubchen.

Schon vor 15 Jahren gab es kühne Pläne, wie nach dem Abriss der wuchtigen Verwaltung der einstigen Leonberger Bausparkasse die zentrale Brachfläche neu gestaltet werden kann. Herausgekommen ist ein Quartier des Wohnungsbauers Layher, das Planungsexperten freundlich als zweckorientiert bezeichnen.

Umso größer sind die Erwartungen an das künftige Erscheinungsbild des benachbarten Postareals. Das hat die Stadt gekauft, nachdem die Post ihren Frachtbereich ins Gewerbegebiet Leo West und die Schalter ins Leo-Center verlegt hat.

Ärger nach Planungsende

Es klingt spannend, was der Sieger eines Gestaltungswettbewerbs, das Stuttgarter Architektenbüro h4a, entwickelt hat: Ein zentraler autofreier Platz, umringt von vier Gebäuden, ist als eine Art Zwischenzentrum gedacht. Geplant sind ein Boardinghouse, in dem Gäste langfristig wohnen können, Gastronomie, Geschäfte und zwei Lebensmittel- und Drogerie-Märkte als Frequenzbringer. Der Bedarf hierfür, das haben Untersuchungen ergeben, ist vorhanden. Die Pläne wurden von einem Expertengremium, dem Ratsmitglieder angehörten, gutgeheißen.

Als die Planung stand, kam Ärger um die Bäume vor dem alten Postgebäude auf. Die sollen laut dem vom Gemeinderat abgesegneten Entwurf gefällt werden. Nach langen Hin und Her gab es einen Kompromiss: Drei Kastanien bleiben erhalten, die anderen werden umgepflanzt.

Gebäude verkleinern?

Aktueller Streitpunkt ist die Lkw-Zufahrt für den Lebensmittelmarkt: Die ist an der Eltinger Straße vorgesehen, die Lieferwagen sollen rückwärts reinfahren. Nicht nur für die Grünen ein „No-Go“, wie deren Fraktionsvorsitzender Bernd Murschel meint. „Wir schaffen an der neuralgischsten Stelle einen Knaller.“ Sein Alternativvorschlag: das Gebäude verkleinern.

Sein FDP-Kollege Dieter Maurmaier, ein anerkannter Planungsexperte, hat eine andere Idee: Die Belieferung des Supermarktes solle über die Tiefgarage erfolgen. Das würde die Beeinträchtigungen für die Anwohner und für die optische Anmutung in Grenzen halten.

Das sagt der Investor

Beides geht nicht, sagt der Investor. Einer Andienung durch die Tiefgarage sei ein zentraler Verteilerstab der Telekom im Weg, der die ganze Stadt mit Daten versorge und nicht verlegt werden könne.

Und in einem verkleinerten Gebäude, so meint der Strabag-Projektleiter Axel Möhrle, sei zu wenig Platz für Lebensmittelmarkt und Drogerie: „Die brauchen wir aber als Magneten. Sonst funktioniert der ganze Handel dort nicht.“

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