Leonberger Stadtentwicklung Ein wichtiger Schritt für das große Bosch-Gelände

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Wie ein trutziges Handelsdenkmal Foto: factum/Granville

Leonberg - Es sind schon mehr als zwei Jahre, die das einstige Möbelhaus Hofmeister wie ein trutziges Handelsdenkmal leer an der Ecke Poststraße/Römerstraße steht. Dort will der Technologiekonzern Bosch seinen Leonberger Standort gehörig erweitern. Doch seitdem diese heiße Nachricht vor acht Monaten publik wurde, hat sich zumindest äußerlich nichts getan.

Das ändert sich: Heute Abend wird der Gemeinderat den Bebauungsplan für das Gebiet „Mühlpfad Stiefel Gewerbegebiet nördliche Poststraße“, wie es im Amtsdeutsch heißt, auf den Weg bringen. Damit ist gesichert, dass die Planungen weitergehen und mit dem Bau spätestens im kommenden Jahr begonnen werden kann.

Lange Vorgeschichte

Dass jetzt überhaupt der Bebauungsplan steht, hat eine lange Vorgeschichte. Das Gelände, auf dem über Jahrzehnte Möbel verkauft wurden, war bisher im städtischen Flächennutzungsplan als Handelsfläche vorgesehen. Nun ist es in ein Gewerbegebiet umgewandelt worden.

Und es ist längst nicht so, dass sich die Firma Bosch nur mit dem Planungsamt im Leonberger Rathaus über ihr Bauvorhaben abstimmen muss. Im Vorfeld werden die Stellungnahmen von allen möglichen Behörden und „sonstigen Trägern öffentlicher Belange“, so nennt sich das, eingeholt.

Dazu zählen unter anderem der Regionalverband, das Regierungspräsidium und das Landratsamt, aber auch Nachbarkommunen wie Ditzingen, Gerlingen, Renningen, Rutesheim und sogar Stuttgart.

Gibt es geschützte Fledermäuse?

Von allen hat der Leonberger Baubürgermeister Klaus Brenner grünes Licht signalisiert bekommen. Lediglich die Naturschutzbehörde weist daraufhin, dass vom Abriss des Möbelhauses „streng geschützte Fledermäuse“, Vogelarten wie Schwalbe, Mauersegler, Sperling und Rotschwanz oder auch Siebenschläfer betroffen sein können, die sich womöglich im leer stehenden Gebäude eingenistet haben. Daher müsse eine „artenschutzrechtliche Begehung eines Fachgutachters“ durchgeführt werden, bevor die Bagger anrollen.

Fast 28 000 Quadratmeter will Bosch neu gestalten. Die Leonberger Niederlassung ist für den internationalen Technologiekonzern von zentraler Bedeutung, ist doch hier die weltweite Zentrale für die Entwicklung des autonomen Fahrens – der Zukunftstechnologie schlechthin.

Angebot aus der Nachbarschaft

Für den boomenden Entwicklungsstandort reicht das Möbelhaus-Gelände nicht aus. Deshalb ist Bosch gerne auf das Verkaufsangebot von Peter Hörning eingegangen. Mit der Firma Bothner hatte der Leonberger Unternehmer vor mehr als einem halben Jahrhundert in direkter Nachbarschaft den Grundstein für hochwertiges Lackieren von Felgen gelegt. Vor zehn Jahren hatte sich dann der Edellackierer Fuchs aus Meinerzhagen im Sauerland bei Bothner eingemietet und die Lackieranlage übernommen.

Doch die Firma Fuchs hat Ende des vergangenen Jahres die Produktion in Leonberg eingestellt und in die westfälische Zentrale verlagert. „Da bin ich auf Bosch zugegangen und habe gesagt, dass bei ihnen nebenan ein Platz frei wird“, erinnert sich Peter Hörning. Bosch griff zu: Immerhin bringt das Bothner-Areal 8000 Quadratmeter.

Das Parkhaus bleibt stehen

Das Verwaltungsgebäude, an dem noch der stilisierte Fuchs des letzten Mieters prangt, und die Produktionshalle werden abgerissen, genau wie das Möbelhaus. Stehen bleibt hingegen das Kundenparkhaus, das Bosch schon jetzt für seine Mitarbeiter nutzt. Ob dies ein Dauerzustand wird, ist offen. „Theoretisch könnte es Bosch abbrechen und dort ein Bürogebäude errichten“, sagt Baubürgermeister Klaus Brenner. „Dann aber müssten die Stellplätze anderweitig auf dem Firmengelände ausgewiesen werden, unterirdisch oder oben.“

Weg kommt auf jeden Fall der Steg, über den einst die Kunden direkt ins Möbelhaus gingen. Die weiteren Pläne sind in Arbeit. Bosch verspricht einen „offenen Standort, der nicht von einem Zaun umgeben ist.“

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