Leonberger Rathaus Neues Geschenk für die Kunstsammlung

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Die Stadt hat von Gabriele Frik-Heintschel (links) ein Kunstwerk ihres verstorbenen Mannes Hermann Heintschel erhalten. Foto: factum/Bach

Leonberg - Feste soll man feiern wie sie kommen – nicht nur wurde das Leonberger Rathaus gerade zwei Jahre alt, auch der Künstler, der die städtische Kunstsammlung mit einem neuen Objekt bereichert, hat genau an diesem Tag Geburtstag. Er wäre 88 Jahre alt geworden, der im Sudetenland geborene Maler und Grafiker Hermann Heintschel.

Das Holzrelief aus der Rammbock-Serie aus dem Jahr 1969 passt mit seiner klaren Linienführung und seinen geometrischen Elementen perfekt in die lichtdurchströmten hellen und hohen Räume des Amtssitzes. Auch die farbliche Harmonie erstaunt, als wäre das über einen Quadratmeter große Kunstwerk eigens für diese Wand mit seinen Silber-, Beige- und Weißtönen angefertigt worden.

Zum Abschied der früheren Kulturamtsleiterin

„Das Werk ist ein Geschenk an die Stadt zum Abschied der ehemaligen Kulturamtsleiterin Christina Ossowski“, erklärt die Witwe des Künstlers, Gabriele Frik-Heintschel. „Wir kennen uns schon seit vielen Jahren, haben uns kurz nach der Wende in Leipzig kennengelernt, wo Hermann damals im Museum der Bildenden Künste ausstellte“. Christina Ossowski kam 1991 nach Leonberg und ging vor einem Jahr in den Ruhestand. Den Platz der Hängung hat sie noch persönlich mit ausgesucht.

Während des vergangenen Jahres wurde das Holzrelief restauriert und die Schenkung organisiert. „Das Werk erhält einen prominenten Platz innerhalb der Sammlungspräsentation im vierten Stock“, freut sich die Nachfolgerin und neue Kulturamtsleiterin Alexa Heyder. „Im Bestand der städtischen Sammlung befinden sich bisher Siebdrucke und Farbradierungen von Hermann Heintschel“, fügt sie an. Sie findet: „Das Holzrelief ist somit eine sehr gute Ergänzung und fügt der Sammlung einen neuen Aspekt im Werk des Künstlers hinzu.“

Erst Werkzeugmacher, später gefragter Künstler

Gabriele Frik-Heintschel ist zufrieden: „Ich muss etwas Gutes tun“, begründete die Innenarchitektin die erneute, wertvolle Gabe an die Stadt. Die gebürtige Nürtingerin war von Anfang an von der räumlich inspirierten Kunst ihres Mannes fasziniert. Der 1931 in Nordböhmen geborene Heintschel absolvierte in jungen Jahren zunächst eine Lehre als Werkzeugmacher. Später arbeitete er als freiberuflicher Konstrukteur.

Mitte der 60er Jahre lernte er an der internationalen Sommerakademie der bildenden Künste in Salzburg, unter anderem bei Emilio Vedova, dem wichtigsten Vertreter des italienischen Informel. Nachdem Heintschel Anfang der 70er Jahre in die USA gezogen war, arbeitete er von 1985 an in Cannstatt, wo seine collagierten Zeichnungsfolgen, großformatigen Zeichnungen und Leinwandbilder entstanden. 1998 verstarb der Künstler völlig unerwartet in Stuttgart. Auch nach seinem Tod wurden und werden seine Werke in ganz Deutschland und in den Niederlanden ausgestellt.

Das Rathaus eignet sich mit seiner kühnen Architektur sehr gut zur Stellwand für die Werke eines Meisters, dessen enge Verknüpfung zur Technik und Mechanik zu seinem Markenzeichen geworden ist.

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