Leonberger Pferdemarkt Das sind keine Klänge für sensible Gemüter

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Wie Waldgeister: Die Freiwillige Guggenmusik aus Schwäbisch Gmünd beim großen Treffen in Leonberg. Foto: factum/Granville

Leonberg - Einmal in Jahr gibt es auf dem sonst eher beschaulichen Marktplatz vor der schönen Fachwerkkulisse richtig was auf die Ohren. Trompeten, Posaunen und Schlagzeug, das sind die Instrumente der rund 200 Guggenmusiker, die zum Pferdemarkt gekommen sind.

Insgesamt neun Gruppen sind am Sonntag angesagt. Das ist nichts für sensible Gemüter unter den Zuhörern, für die Fans der schrägen, lauten Töne umso mehr.

Organisiert wird das Guggentreffen von den Leo Valentinos. Seit 1996 gibt es die Guggenmusikgruppe der Gesellschaft Engelberg schon, genauso lange machen auch die Stuttgarter VIP Guggen ihre schräge Musik. Beide feiern in diesem Jahr ihr närrisches 22-jähriges Bestehen.

Gelungene Kooperation

Doch beiden Gruppen mangelte es im vergangenen Jahr an Mitspielern. Durch Umzug oder aus beruflichen Gründen waren es bei den Leo Valentinos in der letzten Saison nur noch 13. Zu wenig, um bei allen Fasnetsterminen eine lautstarke Truppe auf die Beine zu stellen. „Wir standen vor der Entscheidung, nur noch bei eigenen Veranstaltungen zu spielen“, erklärt Alina Röckle. Sie ist seit fünf Jahren die Guggenchefin der Leo Valentinos und spielt Trompete. „Da ist im Juni zusammen mit den VIP Guggen die Idee entstanden, für diese Kampagne zu kooperieren, denn ihnen ging es genauso“.

Jetzt stehen sie beim Guggentreff gleich zu Beginn mit rund 30 Leuten auf und vor der Bühne. Allein neun Schlagwerke sind dabei, darunter fünf Pauken. Nur so kann der typische Guggen-Sound entstehen.

Achtmal haben beide gemeinsam geprobt, das Musikrepertoire haben sie gemeinsam zusammengestellt und auch einen gemeinsamen Schlachtruf gibt es.

Eine Fusion der beiden Gruppen ist aber nicht geplant. „Es geht nur darum, gemeinsam bei närrischen Terminen aufzutreten, jeder in seinem eigenen Häs. Dadurch können wir auf mehr Veranstaltungen gehen und sind stimmgewaltiger“, sagt Alina Röckle. Sie spielen zum Auftakt des Guggentreffens auf dem Leonberger Marktplatz, anfangs noch bei Sonnenschein. Kaum sind sie von der Bühne, bahnt sich von der anderen Seite des Marktplatzes aus die Freiwillige Guggenmusik Überdruck aus Schwäbisch Gmünd ihren Weg durch die Menschenmenge. Sie sehen aus wie Waldgeister, haben ein grünes Häs und Hüte und Mützen aus Herbstlaub. Komplett im Kontrast dazu ist die nächste Gruppe, die Querköpf aus Winnenden, in ihren bunten Papageienkostümen mit dem goldenen Schnabel an der Mütze. Sie spielen Lieder zum Mitmachen und Mitsingen und schreiben ihre Musikarrangements selbst.

Sturm und Nässe – und keinen juckt’s

Die Schalmeien der Leonberger Feuerwehr kommen in lila-schwarzen Outfits mit ihren melodischen Blasinstrumenten auf die Bühne, die wie Dudelsäcke klingen. Leider bewahrheitet sich ab dem frühen Nachmittag der Wetterbericht und bringt Wind und Regen mit, während sich die Kocher Fetza aus Aalen für ihren Auftritt bereit machen. Von Sturm und Nässe lassen sich aber weder die Bruggaklopfer aus Neuhausen/Fildern, noch die Gmendr Altstadtfäger und die Langhoorguggis Dachtel beeindrucken. Die Musiker rücken unter dem Bühnendach zusammen, die Zuhörer suchen sich trockene Plätze an den Ständen. Irgendwie geht’s.

Wer selbst Lust bekommen hat, bei den Leo Valentinos mitzumachen: Verstärkung wird gesucht, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. „Spaß an der Musik sollte man haben, aber ein Instrument spielen zu können ist keine Voraussetzung, das können wir den Neuen auch gerne beibringen“, verspricht Alina Röckle. Wie es weitergeht mit ihrer lautstarken Kooperation mit den VIP Guggen, ist noch nicht klar. „Wir schauen einfach, wie es läuft“, sagt Alina Röckle. „Wenn es allen Spaß macht, ist auch für die nächste Kampagne wieder eine Kooperation möglich.“

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