Leonberger Pferdemarkt Alternative zur Seilbahn: Leo-Shuttle nach New York

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Ganz schön eng: In der Leonberger Innenstadt herrscht während des Umzuges großes Gedränge. Fast 40 000 Menschen verfolgen den Höhepunkt des Pferdemarktes. Foto: factum/Granville

Leonberg - Eine perfekte Stadtlinie: Vom Leobad geht’s über den Engelberg, Höfingen und Gebersheim nach Warmbronn. Um das Tempo zu steigern, werden die Fahrgäste in der Luft transportiert. Und da Leonberg ohnehin rein weltstrategisch an Bedeutung gewinnen wird, gibt’s noch eine Verlängerung nach New York.

Bernhard Grau präsentiert seine Antwort auf die oberbürgermeisterlichen Seilbahn-Pläne standesgemäß vor großem Publikum auf dem Pferdemarktumzug. Damit die Amis auch wissen, woher genau das deutsche Fluggefährt kommt, tauft er die angehende Flotte auf „Leo-Shuttle Zepp“. Für die Jungfernfahrt von Leonberg in den Big Apple ist das Luftschiff „Kaufi I“ vorgesehen.

Die Kreation Bernhard Graus, der so alle drei Jahre beim Pferdemarkt eine seiner Ideen präsentiert, steht sinnbildlich für das große Thema des Umzugs: den Verkehr, genauer gesagt Martin Kaufmanns Vision einer Seilbahn.

Am drastischsten interpretieren die Freien Wähler die luftigen Pläne: Sie setzen ihren Vorsitzenden Wolfgang Schaal in der Rolle des OB in ein stilles Örtchen, das per Seil durch die Lüfte gezogen wird, um den „Sch... Verkehr“ zu umgehen.

Die Händler der Aktionsgemeinschaft „Wir sind Eltingen“ haben sogar ganz konkrete Vorstellungen über den Streckenverlauf. Nach New York reicht’s nicht, aber immerhin von der Talstation an der Michaelskirche hoch zum Engelbergturm.

Überall wird gebaggert und gebohrt

Die CDU beschäftigt sich eher allgemein mit der „Dauerbaustelle Leonberg“. Die Fraktionschefs in Kreis und Stadt, Elke Staubach und Hemut Noë, sind in Arbeitsklamotten und mit Mundschutz unterwegs. Der Stadtverbandsvorsitzende Oliver Zander, immer die digitale Wüste vor Augen, drückt dem OB sogar ein echtes Breitbandkabel in die Hand.

Frech wie immer: die Feuerwehrleute aus Warmbronn. Vom Brückenschlag bis zum Radwegenetz schreddern sie alle Leonberger Visionen. Die Schnipsel der hehren Pläne bleiben längs des Zugwegs liegen. Ein Bild mit Symbolcharakter?

Auf jeden Fall hat der Umzug stark karnevalistische Züge: Die lokalen Akteure thematisieren die brennenden Themen ihrer Heimatstadt – ganz im Stile der politischen Fastnacht. So geht die SPD mit großen Besen gegen den Dreck vor, die Grünen werben kaum überraschend für „mehr grün.“

Also alles ganz zukunftsgerichtet und politisch korrekt? Zumindest was das Thema Luftverschmutzung und Feinstaub angeht, gibt es allerlei Erinnerungen an jene Zeiten, in denen das heute so böse Wort Diesel noch gänzlich unbelastet war. Der Obst-, Garten-, und Weinbauverein und die Bulldog- und Schlepperfreunde Württemberg sind mit alten Gefährten unterwegs – vom Lanz 1705 bis zum Fendt F12. „Die nehmen wir mit zur nächsten Dieseldemo in Stuttgart“, witzelt der Alt-Landrat Bernhard Maier, ein erklärter Gegner der Fahrverbote. „Lebt ihr noch alle?“, fragt Harald Lutz angesichts der qualmenden Oldtimer die Ehrengäste auf der Tribüne. Dass die versammelten Repräsentanten aus der Nachbarschaft und den Partnerstädten die Abgas-Attacke gut überstanden haben, ist für den Karnevalisten, der den Zug mit Angelika Elser launig moderiert, nach Katharina Hummel, jener mittelalterlichen Frau, die wieder gehen konnte, „das zweite Wunder von Leonberg.“

Und wie gefällt’s Berlin?

Wundersam insgesamt ist die Pferdemarktvisite für Martin Hikel. Der Bürgermeister des Partnerbezirks Neukölln, der der jetzigen Familienministerin Franziska Giffey im Amt folgte, bekennt freimütig, dass er vorher von der Existenz Leonbergs nichts wusste.

Einer, der Leonberg sehr gut kennt, feiert jenseits der Honoratioren an der Ziegler-Theke. Bernhard Schuler ist mit einer Schärpe ausgestattet, die ihm die Reiter verliehen haben und fühlt sich sichtlich wohl.

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