Leonberger Partnerstadt Rovinj ist immer eine Reise wert

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Tolle Atmosphäre: Ein Konzert an einem lauen Sommerabend. Foto:  

Leonberg - Vier Tage lang weilte eine Leonberger Delegation – bestehend aus Oberbürgermeister Martin Georg Cohn, Mitarbeitern der Stadtverwaltung, Stadträten, einer Dolmetscherin, Schülern sowie Lehrerinnen des Johannes-Kepler-Gymnasiums und Mitgliedern des Musikvereins Lyra und des hiesigen Fotoclubs – zu den „Leonberger Tagen in Rovinj“ an der Adria.

Am Donnerstagmorgen um sechs Uhr ging es für die rund 60 Delegierten über München, Villach, Salzburg und Ljubljana in Richtung istrische Küste. Gegen 19 Uhr wurden die Teilnehmer von den Kroaten empfangen – die 16 Schüler von ihren Gastfamilien, die anderen von Angestellten der Stadt sowie Bekannten. Am Abend überreichte Martin Georg Cohn dem Rovinjer Bürgermeister Marko Paliaga verschiedene Präsente – etwa einen Leonberger Hund von der Hörl-Ausstellung im Juni dieses Jahres. „Wir freuen uns auf die kommenden Tage bei unseren kroatischen Freunden“, so das Stadtoberhaupt.

Jahrelange Verbundenheit

Diese Freundschaft besteht nun schon seit 29 Jahren. Bereits während der 80er Jahre gab es erste Kontakte auf der Sport- und Vereinsebene: Durch einen jugoslawischen Trainer nahm die Jugendmannschaft des TSV Eltingen am internationalen Jugendfußballturnier in Rovinj teil, im Gegenzug kam die Rovinjer Jugendmannschaft zum Pfingstturnier nach Leonberg. 1990 wurde dann der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. In Rovinj leben mehr als 14 000 Menschen, knapp zwölf Prozent der Einwohner gehören der italienischen Minderheit an.

Charmant: Rovinj. Foto: pixabay
Am Tag nach der Ankunft stand zunächst ein Besuch des italienisch-kroatischen Gymnasiums auf dem Programm. Die Schule bietet Unterricht sowohl auf Kroatisch als auch auf Italienisch an. In einem Vortrags-Format präsentierten erst die Leonberger Italienisch-Schüler – passend zu „Fridays for Future“ – ihre Sicht zum Thema „Klimawandel“. Danach erläuterten die kroatischen Schüler ihren Standpunkt, bevor sich eine weitere kroatische Gruppe des italienischen Schulteils mit den Folgen für den Mittelmeerraum beschäftigte, etwa die Flora und Fauna sowie die Tierwelt. „Wir sind sehr dankbar, dass wir die italienische Sprache, welche wir am Johannes-Kepler-Gymnasium lernen, hier in Rovinj auch leben können“, so Lehrerin Cosimina Kehl.

Doch ist es nicht nur die Gegenwart, welche diese Partnerschaft besonders macht. David Modrusan etwa kam im Alter von 15 Jahren mit dem Fußball das erste Mal nach Leonberg, heute arbeitet er als Lehrer am kroatischen Teil der Schule und betreut die deutschen Austauschschüler mit. „Unser Ziel ist es, Schüler offen anderen Kulturen gegenüber zu erziehen“, so Modrusan.

Malerische Altstadt

An den Schulbesuch schloss sich eine Führung durch die malerische Altstadt in Rovinj an. Das romanisch-gotische Stadtbild ist geprägt von Einflüssen aus Renaissance, Barock und von neoklassizistischen Bauten. Die Römer gaben im zweiten Jahrhundert dem damals unbedeutenden Inselort den Namen Ruginium. Ab dem Jahr 1283 zu Venedig gehörend, erlebte Rovinj eine längere Blütezeit. Während des Wiener Kongresses, nach der Niederlage Napoleon Bonapartes, wurde 1815 mit dem Zuschlag der Region Illyrien an die Habsburger auch Rovigno unter österreichische Herrschaft gestellt. Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg fiel die Stadt mit Istrien an Italien. Als Folge des Zweiten Weltkriegs befand sich Rovinj von da an unter jugoslawischer Herrschaft – es gehörte zur Teilrepublik Kroatien, die seit 1991 unabhängig ist.

Am Freitagabend dann spielte der Musikverein Lyra – zunächst mit ausgewählten Musikern und befreundeten kroatischen Musikern – ein Konzert, bevor, unter der Leitung von Dirigent Herward Heidinger, das Große Lyra-Blasorchester seine typischen blas- und marschmusischen Klänge vor vollen Rängen in den traumhaften Sommerabend spielte. Am Ende platzte die Bühne in einem Innenhof in der Altstadt aus allen Nähten, als alle deutschen und kroatischen Musiker gemeinsam auf die Bühne kamen und musizierten, auch Treppen und Balkone wurden genutzt – ein furioses Finale.

Musik, Essen und Freundschaft

Während die Musiker, welche den Tag im benachbarten Pula verbrachten, und die Schüler des JKG den Abend mit Familien und Freunden ausklingen ließen, schloss sich für die anderen eine Bootsfahrt mit anschließendem Essen mit Bürgermeister Marko Paliaga in einer Taverne direkt am Meer an.

Die Weinprobe kam gut an. Foto: privat
Am Samstag stand für Martin Georg Cohn, die städtischen Beschäftigten und für die Stadträte eine Führung durch Pula auf dem Programm – unter anderem wurde das Amphitheater besichtigt. Es ist das sechstgrößte der Antike und eines der am besten erhaltenen. Noch heute finden in dem Areal regelmäßig Konzerte statt. Nach der Altstadt-Führung folgten eine Verköstigung von Olivenöl sowie eine Weinprobe – für beide Produkte ist Istrien weltweit bekannt.

„Wir sind während der vergangenen Tage freundschaftlich noch enger zusammengerückt – eine Freundschaft, die auch für Europa lebt“, resümierte Cohn beim gemeinsamen Abendessen am Samstag, an dem, wie die Tage zuvor, auch Vertreter des Rovinjer Gemeinderats teilnahmen.

Am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr ging es dann wieder mit dem Bus zurück nach Leonberg.

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