Leonberger Klinik-Debatte Von einem Aus der Gynäkologie ist keine Rede mehr

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Bei der Eröffnung vor einem Jahr war das Interesse an der neuen Intensivstation sehr groß. Foto: Ute Jenschur

Leonberg - Dass das Thema „Medizinkonzept“ auf die Tagesordnung des Kreistages kommt, war vor zwei Monaten noch nicht absehbar. Doch nachdem unsere Zeitung die Pläne enthüllt hatte, wonach die Gynäkologie in Leonberg womöglich vor dem kurzfristigen Aus gestanden hätte und für die Unfallchirurgie über einen Tagesdienst nachgedacht wurde, gab es etliche kritische Nachfragen aus der Politik.

Eine Schließung der Frauenklinik in Leonberg und eine Neukonzeption der Unfallchirurgie, so der Tenor, würde dem vor vier Jahren beschlossenen Medizinkonzept zuwiderlaufen. Der Landrat reagierte. Man werde das Medizinkonzept in der kommenden Kreistagssitzung erörtern, versprach Roland Bernhard vor vier Wochen. Und tatsächlich: Für die Sitzung an diesem Montag (15 Uhr, Landratsamt Böblingen) steht die Konzeption für die künftige Ausrichtung der Krankenhäuser im Kreis ganz oben auf der Tagesordnung.

„Auf hohem Niveau“

Was Leonberg betrifft, ist in der Sitzungsvorlage weder von Einschränkungen oder Schließungen einzelner Abteilungen zu lesen. „Die wohnortnahe Basisversorgung für die Chirurgie mit Unfallchirurgie und Innere Medizin unter Beibehaltung kardiologischer Expertise sowie die Gynäkologie und Geburtshilfe sollen weiterhin auf hohem medizinischen Niveau für die nördliche Region unseres Landkreises vorgehalten werden“, heißt es jetzt. „Weiterer Bestandteil ist die Intensivmedizin mit zentraler Notaufnahme.“ Eine neue Intensivstation wurde vor einem Jahr eröffnet.

Der neue Chefarzt in der Bauchchirurgie Wolfgang Steurer soll darüber hinaus einen medizinischen Schwerpunkt für die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen aufbauen.

Nachdem Helmut Noë, der Chef der CDU-Kreistagsfraktion, mehrfach eine Definition des Begriffes „Basisversorgung“ angemahnt hatte, ist in der Sitzungsunterlage hierzu eine Passage zu finden. Demnach ist eine „wohnortnahe medizinische Versorgung für die Innere Medizin und Chirurgie gegeben.“ Aber: „Wesentlich ist dabei eine enge fachliche und personelle Vernetzung mit dem Flugfeldklinikum, wobei in der Regel die mindestmengenbehafteten Leistungen sowie die einer speziellen Unterdisziplin innerhalb der Chirurgie und Inneren Medizin zugeordneten Leistungen zukünftig eher an dem Flugfeldklinikum angeboten werden sollen.“

Nur noch kleinere Operationen?

Im Klartext: Steht die neue Großklinik bei Sindelfingen, wird es in Leonberg nur noch kleinere und weniger komplexere Operationen geben. Die wiederum bringen weniger Geld, was die Verluste des Standorts steigern dürfte. Es gibt also nicht nur für die heutige Kreistagssitzung genügend Diskussionsstoff über die Klinikzukunft.

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