Leonberger Gastroszene Sacher sagt seinem Brauhaus Adieu

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Noch steht Dominik Sacher an der Theke. Doch zum Jahresende zieht er sich aus seinem Brauhaus am Bahnhof zurück. Foto: Simon Granville

Leonberg - Die gute Nachricht zuerst: Am Leonberger Bahnhof wird nicht nur weiterhin Bier gebraut, sondern es kann auch künftig dort getrunken werden. Doch der Name, der seit fast 18 Jahren mit dem schmackhaften Gerstensaft made in Leonberg verbunden ist, der wird sich ändern. Denn Dominik Sacher, Chef des Brauhauses neben Schienen und Bahnsteigen, zieht sich aus dem Geschäft mit Bier, Flammkuchen und Schnitzeln zurück und kümmert sich künftig ausschließlich um sein veganes Restaurant King of Greens im Leo-Center.

Der berufliche Umstieg hat vor allem persönliche Gründe: „Ich habe meine Lebens- und Ernährungsweise verändert“, sagt der 46-Jährige, der sein Handwerk einst in der Rothaus-Brauerei erlernt hatte. Schon vor vielen Jahren hatte sich der erfolgreiche Gastronom dem vegetarischen Essen zugewandt. „Vor vier Jahren habe ich dann gemerkt, dass das nicht mehr reicht“, erzählt er. „Seither lebe ich komplett vegan.“

Vegane Küche statt Schnitzel

Es war ein Erkenntnisprozess, der Sacher vom Fleischesser zum Veganer gemacht hat. „Viele Menschen konsumieren völlig gedankenlos“, sagt der scheidende Brauhaus-Chef. „Nicht nur beim Essen, sondern bei allen anderen Dingen auch.“ Er hingegen will weder die Fleischindustrie, noch die Milchindustrie unterstützen. Denn die sei „keinen Deut besser“ als die riesigen Fleischfabriken, die längst in der öffentlichen Kritik stehen.

„Mir geht es auch darum, Tierleid zu verhindern“, meint der Gastronom. „Und deshalb kann ich es vor mir selbst nicht mehr vertreten, in meinem Lokal Fleisch zu verkaufen.“ Und davon geht an guten Abenden jede Menge über die Tische. 50 Rostbraten oder 100 Schnitzel, so sagt Sacher, sind an einem Wochenende keine Seltenheit.

Kein Corona-Rückzug sondern Tierwohl im Blick

Genau wie sich die Haltung des Braumeisters geändert hat, ist seine Brauhaus-Karte vielfältiger geworden: Schon lange gibt es ein veganes Menü. Parallel dazu erarbeitete Sacher das Konzept für ein veganes Restaurant: „Dass das vollkommen fleischlos wird, stand anfangs noch nicht fest“, erinnert er sich. „Ich hatte an Burger aus Fleisch gedacht. Doch dann wurde mir klar, dass ich in dem neuen Laden konsequent sein muss.“ Im King of Greens, das er im Januar 2020, unmittelbar vor Corona, eröffnete, gibt es ein breites veganes Speiseangebot.

Konsequent ist auch sein Rückzug aus dem urigen Lokal am Bahnhof, der mit der coronabedingten Krise nichts zu tun hat, wie er versichert: „Ich hatte betriebswirtschaftlich eine Traumkurve.“ Deshalb war dem erfolgreichen Geschäftsmann auch klar, dass ein veganes Brauhaus in einer vergleichsweise kleinen Stadt kaum funktioniert. „Also habe ich einen Käufer gesucht. Denn hätte ich es verpachtet, wäre ich ja indirekt am Fleischverkauf weiter beteiligt gewesen.“

Erfahrene Gastronomen übernehmen

Jetzt hat Dominik Sacher, der in seinem neuen Kurs von seiner Partnerin unterstützt wird, im kommenden Jahr mit Koteletts oder Käseflammkuchen nichts mehr zu tun. Ein Käufer ist gefunden, der das Brauhaus mit dem Biergarten auf der Güterrampe weiterbetreiben wird. „Es sind erfahrene Gastronomen, die mehrere Objekte betreiben und wissen, wie das Geschäft funktioniert.“

Eine gänzlich andere Nutzung wäre für ihn nur im alleräußersten Notfall in Frage gekommen. Eben auch, weil sein Personal nun eine Perspektive hat: Die Festangestellten im rund 40-köpfigen Team werden vom künftigen Betreiber übernommen.

Wiedereröffnung im Frühjahr

Dem Braumeister, der ziemlich genau 14 Jahre am Bahnhof war, ist zudem wichtig, dass dort weiterhin Bier gebraut wird. „Wie das Brauhaus aber aussehen wird, das ist dann Sache der Neuen“, sagt der Noch-Chef.

Zum Abschied – am 29. Dezember – gibt es ein besonderes Bier, „süffig und hopfig“. Danach ist am Bahnhof Umbaupause. Im Frühjahr dürfte aus den Zapfhähnen wieder frisches Bier fließen. Wer unterdessen Spezialitäten aus der Sacher’schen Küche haben möchte, der sollte kein ausgemachter Freund üppiger Schlachtplatten sein.

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