Leonberger Blickwinkel Nur ein bisschen reicht nicht aus

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Wer zieht ins Leonberger Rathaus als OB-Stellvertreter Foto: Simon Granville

Leonberg - An diesem Wochenende feiern wir das Fest der Auferstehung. Die damit verbundene Hoffnung auf Besinnung, Vergebung und Neuanfang erreicht nicht nur Menschen, die sich dem christlichen Glauben verbunden fühlen. Den Wunsch, dass einer da ist, der beisteht, Trost spendet und Mut macht, den dürfte fast jeder von uns inne haben.

Mut, um die Herausforderungen der Wirklichkeit zu bewältigen, den brauchen in diesen stürmischen Monaten auch und vor allem unsere Politiker. Und nicht nur jene in Berlin, die mittlerweile fürwahr des Beistands von oben bedürfen.

Lob ist mehr wert als Geld

Auch auf der kommunalen Ebene geht der Alltag weiter. Corona verdeckt zwar die Probleme vor Ort für eine Weile, vorhanden sind sie gleichwohl. Über die Entwicklung der Leonberger Innenstadt wird seit vielen Jahren viel gesprochen, Ergebnisse hingegen sind nur in Ansätzen erkennbar. Das Spektrum reicht vom fehlenden Wohnraum, von der klaffenden städtebaulichen Wunde inmitten des Zentrums, bis zu der zukunftsweisenden Positionierung als Stadt zum Leben, Wohlfühlen und Arbeiten. Alles hängt miteinander zusammen, das macht es ja so schwierig.

Um die Aufgaben voranzubringen, braucht es vor allem im Rathaus engagierte Kräfte mit Kreativität und Mut, die sich dafür zumindest des irdischen Beistands gewiss sein sollten. Gerade in Krisenzeiten ist ein Lob, ein Wort der Aufmunterung oft mehr Wert als Geld.

Position seit vier Monaten vakant

Solcherlei ist in der Regel Sache der Führungskräfte, vor allem der Bürgermeister. Von denen hat die Stadt normalerweise drei. Seit der knappen Abwahl des Finanzdezernenten Ulrich Vonderheid im November und dem nach wie vor mysteriösen Nichtantreten des seiner statt gewählten Maic Schillack aus Niedersachsen ist die Position des OB-Stellvertreters seit mehr als vier Monaten vakant.

Dieser auf Dauer kaum tragbare Zustand soll im Mai ein Ende haben. Mehrere Interessenten, Frauen und Männer, haben sich um die Position des Ersten Bürgermeisters mit den Dezernaten, Finanzen, Soziales und Ordnung beworben. Nach einem internen Vorauswahlverfahren stellen sich drei von ihnen dem Gemeinderat nach den Osterferien zur Wahl. Die Namen will die Stadtverwaltung in der kommenden Woche bekannt geben.

Zweiter Versuch muss funktionieren

Nach dem gründlich missratenen ersten Anlauf der Stellenvergabe muss der zweite Versuch funktionieren. Dafür braucht es eine Persönlichkeit mit Führungserfahrung, Fachwissen, sozialer Kompetenz, Empathie und nicht zuletzt dem unbedingten Willen, die zweitwichtigste Position in einem Mittelzentrum mit 50 000 Einwohnern zu 125 Prozent auszufüllen. Angesichts des Schillack-Schocks muss bei der Neubesetzung jetzt die Gewissheit vorherrschen, dass die künftige Führungskraft ihre ganze Energie in die Herkulesaufgabe einer innovativen Stadtentwicklung im Zeichen immer knapper werdenden Finanzen steckt.

All das im engen Zusammenspiel mit den Bürgermeisterkollegen und dem Gemeinderat. Daran hatte es zuletzt arg gehapert. Das Verhältnis zwischen Oberbürgermeister Martin Georg Cohn und seinem früheren Stellvertreter Vonderheid, zwei extrem machtbewusste Männer, muss als zerrüttet bezeichnet werden.

Frau täte gut

Vor diesem Hintergrund täte eine Frau dem Binnenleben an der Rathausspitze gut. Dass sie andere, womöglich unorthodoxe Sichtweisen und eine neue Dynamik einbringt, sollten ihre Bürgermeister-Kollegen als Bereicherung empfinden. Frische Impulse können die Stadt nur nach vorne bringen. Und allein darum geht es.

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