Leonberger Blickwinkel Eine dunkle Adventszeit droht

Von Thomas K. Slotwinski
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Leonberg - Da sind sie wieder, die Hiobsbotschaften, die wir allesamt aus dem vergangenen Winter kennen: Alarmierende Nachrichten aus dem Klinikverbund, eilends organisierte Impfkapazitäten, Kontrollen in Geschäften, noch schärfere Kontrollen in Lokalen und bei Veranstaltungen. Und auch alle Weihnachtsmärkte im Altkreis sind abgesagt. Von herannahender Feststimmung ist wenige Tage vor dem ersten Advent so gut wie nichts zu spüren.

Der Aufwand ist für Weihnachtsmärkte zu groß

Es sind oft die vermeintlichen Nebensächlichkeiten, die uns deutlich machen, wie ernst die Lage wieder ist. Zum Beispiel die dem Virus zum Opfer gefallenen Weihnachtsmärkte. Die sind in unserer Gegend sehr lokale Ereignisse, maßgeblich vom Engagement der Vereine und anderer ehrenamtlicher Akteure geprägt.

Oft bereiten sie sich wochenlang auf das eine Wochenende im Advent vor, basteln kleine Geschenke, backen Plätzchen, kaufen Glühwein und stellen Deko her. Auch für die Kommunen ist der Aufwand beträchtlich. Selbst in Nicht-Corona-Zeiten müssen Standplätze vergeben, Sicherheits- und Hygiene-Vorschriften beachtet, Straßen gesperrt und andere organisatorische Aufgaben bewältigt werden.

Jetzt wären umfangreiche Kontrollen und Absperrungen ganzer Marktbereiche hinzugekommen. Ein Aufwand, der bei ideellen Veranstaltungen nicht zu bewältigen ist. So bleiben die Plätze von Weil der Stadt bis Korntal leer, Leonberg will versuchen, wenigstens einige wenige Einzelstände zu ermöglichen.

Bangen bei Schaustellern, Handel, Gastronomie

Ob nun alle Welt auf die professionell betriebenen Weihnachtsmärkte in Stuttgart, Ludwigsburg oder Esslingen drängt, wird sich zeigen. Vielen Menschen sind die zu erwartenenden großen Ansammlungen nicht geheuer. Ob die angekündigten strengen Sicherheitskonzepte wirklich greifen, bleibt abzuwarten. Dass die Schausteller, die nahezu alle vor dem wirtschaftlichen Aus stehen, trotzdem froh über diese Umsatzmöglichkeiten sind, ist mehr als verständlich.

Und es sind ja nicht nur Standbetreiber, die um ihre Existenz bangen. Der Handel fürchtet erneut um das Weihnachtsgeschäft, die Gastronomie muss grenzähnliche Kontrollen durchführen. Das schreckt Gäste ab, die für die Restaurants so wichtigen Weihnachtsfeiern werden reihenweise storniert.

Wiegten wir uns in trügerischer Sicherheit?

Natürlich kann man sagen, dass die Politik in den vergangenen Monaten eine trügerische Sicherheit suggeriert hat und jetzt unter dem Druck der explosionsartig steigenden Inzidenzen abermals zu Zwangsmitteln greift, die eigentlich passé waren.

Das ist richtig. Fakt ist aber auch, dass das eine Drittel der medizinisch unbegründeten Nicht-Geimpften zur dramatischen Lage erheblich beiträgt. Wer sich selbst egal ist, sollte wenigstens ans seine Mitmenschen denken. Doch diese Art von Solidarität scheint einigen Zeitgenossen gänzlich fremd zu sein. Ein wenig optimistisch stimmt lediglich, dass die Wartelisten in Arztpraxen und Impfzentren lang sind. Besser spät als nie.

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