Leonberger Blickwinkel Die Wand ist eingedrückt

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Nicht nur die Leonberger Blumenhändlerin Juliane Schuler hofft auf bessere Zeiten. Foto: Simon Granville

Leonberg - Stück für Stück kehrt in die Städte eine Art von Leben zurück. Wobei es wohl mehr mit dem herannahenden Wahltermin als mit einem besonderen Erkenntnisgewinn zu tun hat, dass sich selbst der stets mahnende Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann für schrittweise Lockerungen stark macht.

Für die Gärtnereien und Blumenläden kommt die Öffnung vielleicht gerade noch rechtzeitig. Der Vorfrühling treibt die Menschen allgemein in die Natur und konkret in die eigenen Gärten. Entsprechend groß dürfte die Resonanz sein. Die Friseure könnten ebenso mit einem blauen Auge davonkommen: Nicht nur Frauen fiebern ihrem ersten Termin seit Monaten entgegen. Auch viele Männer entledigen sich gerne der angegrauten Variante ihrer Siebziger-Jahre-Haarpracht.

Schamlose Ökofolklore

Alles also wieder auf Kurs Richtung Normalität? Durchaus nicht. In der Gas­tronomie und Hotellerie wird die Lage zusehends prekärer. Und auch viele Einzelhändler, Dienstleister und Selbstständige haben mit ihrem Rücken die Wand schon eingedrückt. Die Hilfen fließen stotternd, etliche Kunden sind längst den Verlockungen des Internethandels erlegen, der schamlos mit Ökofolklore und Nachhaltigkeitsprosa wirbt, dessen Geschäftsmodell aber auf Transportfahrten im Lkw und fragwürdigen Arbeitsbedingungen in riesigen Verteilzentren basiert.

Ohne Handel kein Leben

Die Konsequenz, und das wird immer mehr Kommunalpolitikern bewusst, sind aussterbende Innenstädte. Die Gleichung ist einfach wie zutreffend: Ohne Handel, ohne Gastronomie, ohne Dienstleistung kein Leben. Das Leo-Center und dessen Betreibergesellschaft ECE weist am Montag mit einer Lichtaktion auf die Misere hin. Protestbriefe von Unternehmern, Verbänden und Bürgermeistern erreichen die Berliner Ministerien in Masse.

Doch all das können nur flankierende Maßnahmen sein, um die Ortszentren zu erhalten und mit neuen Impulsen zu beleben. Ganz entscheidend ist das Engagement vor Ort. Das ist leichter gesagt als getan. Die Gewerbetreibenden haben alle Mühe, das eigene Elend in Grenzen zu halten. Entscheidend ist deshalb, dass die Kommunalpolitik aktiv wird.

Nicht zum Nulltarif

In Zeiten, in denen es um die Zukunftsfähigkeit der Städte geht, darf eine neue Schwerpunktsetzung der Ausgaben im Kommunalhaushalt kein Tabuthema sein. Konkrete Hilfe für Gewerbetreibende, intelligente Imagekampagnen, das Herausarbeiten von Alleinstellungsmerkmalen und Strategien für die Zukunft sind zum Nulltarif nicht zu haben. Und wenn erst einmal ein beträchtlicher Teil der Unternehmen aufgegeben hat, ist es zu spät.

Städte wie Leonberg, Ditzingen oder Weil der Stadt haben gute Chancen, sich als sichere Einkaufs- und Erlebnisstätten zu profilieren: Individuelle Beratung statt Massenabfertigung, stressfreies Bummeln statt Gedränge in vollen Fußgängerzonen.

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