Leonberger Blickwinkel Den Altkreis erwartet eine Verjüngung

Von Kathrin Klette
Am Sonntag ist Bürgermeisterwahl in Mönsheim. Foto: Jürgen Bach/Jürgen Bach

Ein 25-jähriger Dienststellenleiter im Bezirksamt Feuerbach, ein 32-jähriger Sozialpädagoge beim Jugendamt und ein 38-jähriger Zollbeamter mit Erfahrung im Justizvollzugsdienst: Es ist eine bunte Mischung, die sich bei der Bürgermeisterwahl in Mönsheim auf dem Wahlzettel zusammengefunden hat. Am Sonntag wird dort der Nachfolger von Thomas Fritsch gewählt. Nicht nur hier zeigt die Bewerberliste: Die Zeiten, in der fast nur Menschen mit klassischer Verwaltungslaufbahn einen Bürgermeisterposten anstreben, sind vorbei.

Klar gibt es sie noch, die „üblichen Verdächtigen“: In Weissach möchte zum Beispiel der Hauptamtsleiter von Löchgau, Jens Millow, die Nachfolge von Daniel Töpfer antreten. Bei der Wahl in Heimsheim 2021 musste sich der weiter amtierende Bürgermeister Jürgen Troll gegen Nastassia Di Mauro, Hauptamtsleiterin von Marxzell, durchsetzen. Und Susanne Widmaier, die Bürgermeisterin von Rutesheim, war vorher Baubürgermeisterin und Erste Beigeordnete in Weil der Stadt.

Ist das eine besser als das andere?

Auf der anderen Seite sind da Bewerber wie Pierre Michael, Grünengemeinderat in Weissach und hauptberuflich Gymnasiallehrer, der als Chef ins Weissacher Rathaus einziehen möchte. Oder vor sechs Jahren Dennis Metzulat, der als Leiter der Verkaufsqualifizierung bei der Allianz gegen den Bürgermeister von Renningen, Wolfgang Faißt, angetreten ist und direkt mehr als 46 Prozent der Stimmen erhielt.

Doch ist das eine nun besser als das andere? Jahrelange Erfahrung in einer kommunalen Verwaltung kann eine wichtige Basis für künftige Bürgermeister sein, sie bringt Kenntnisse, die Quereinsteigern oder Neulingen fehlen und die erst über Jahre angeeignet werden müssen. Entscheidend bleibt letztlich aber das Individuum und wie es seine individuellen Stärken einzusetzen weiß. Zumal der Blick von außen auch neue Perspektiven eröffnen kann. Dass das funktionieren kann, zeigt Christian Walter, einst Lehrer in Stuttgart und Mitglied im dortigen Gemeinderat, der es 2020 zum Bürgermeister von Weil der Stadt gebracht hat.

Der Altkreis wird sich verjüngen

Wer auch immer sich in Mönsheim durchsetzen wird: Die Riege der Bürgermeister im Altkreis wird sich dadurch wieder ein ganzes Stück verjüngen. Schließlich ist dieser über weite Strecken ein Gebiet von „alten Hasen“. Wolfgang Faißt ist seit dem Jahr 2000 Bürgermeister von Renningen, Michael Makurath bereits seit 1999 Rathauschef von Ditzingen. Und selbst in Leonberg und Rutesheim, wo die Verwaltungschefs ihre erste Amtszeit bestreiten, brachten die Gewählten schon fünf Jahrzehnte Lebenserfahrung mit.

Auch hier könnte man sich fragen: Braucht es nicht diese Lebenserfahrung für den Beruf eines Bürgermeisters? Vielleicht. Aber genauso braucht es Innovation, neue Wege und frische Ideen. Und man darf dabei auch nicht vergessen: Selbst ein Michael Makurath oder Wolfgang Faißt waren bei ihrer Erstwahl noch um einige Jahre jünger.

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