Leonberg Wohnen über der Kita wird zur Regel

Von
Die Stadt braucht dringend eine weitere Kindertagesstätte, deshalb hat der Gemeinderat grünes Licht für eine auf dem Gelände „Schweizermühle“ gegeben. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Kinderhäuser, auf denen auch ­Wohnungen entstehen, werden in Leonberg und dem Umland immer mehr zur Regel. Zu kostbar sind die wenigen Bauplätze, um sie nicht so intensiv, wie nur möglich zu nutzen. Das mag nicht allen gefallen, wie die Opposition der Nachbarn der künftigen Kita Nord am ­Engelberg gezeigt hat, doch Sinn macht es auf jeden Fall. Einem solchen Vorhaben hat der Gemeinderat auch mit der Kita West den Weg frei gemacht.

An der westlichen Kernstadt, in dem Areal „Schweizermühle“, ist geplant, eine Kindertageseinrichtung mit sechs Gruppen zu erstellen. Der Neubau wird in der Summe Plätze für 105 Kinder bieten, 85 Plätze für Drei- bis Sechsjährige und in zwei Gruppen 20 Plätze für Krippen­kinder. Weiterhin ist geplant, den Neubau mit vier Wohnungen von knapp 80 Quadratmetern Wohnfläche abzudecken.

Angesichts des weiter zunehmenden Bedarfs an Betreuungsplätzen für Kleinkinder wurde die Verwaltung bereits im Sommer 2017 vom Gemeinderat beauftragt, für die Einzugsgebiete der westlichen Kernstadt eine verkehrstechnisch gut zu erreichende sechsgruppige Kita zu projektieren. Idealerweise soll diese vor allem den wachsenden Bedarf an Ganztagsplätzen der Wohngebiete am westlichen Rand der Kernstadt – vom südlichen Ezach bis hin zur Gartenstadt – abdecken. Und weil auch Wohnraum wichtig ist, sieht der Plan für die Kita West ein ­Gebäude mit zwei Vollgeschossen für die Kita und ein zurückgesetztes Staffel­geschoss mit vier Wohnungen vor.

Kostenvorgaben sind eine Illusion

Auf Basis aktueller Kosten der planenden Architekten und Fachingenieure werden die Kosten für das Gebäude auf rund 7,15 Millionen Euro geschätzt. Für den Wohnungsbau wird dabei ein mittlerer Standard angenommen.

Diese Kosten beinhalten auch einen pauschalen Ansatz für das Herrichten und Erschließen des Grundstückes, da der Fußweg aus der Gartenstadt verlegt werden muss und damit eine Umverlegung der Ver- und Entsorgungsleitungen unter dem neuen Fußweg einher geht. Die bestehenden Leitungen können nicht überbaut werden.

Bei den geschätzten Baukosten sollte sich das Gebäudemanagement an den vom Gemeinderat für die Kita Nord festgelegten Werten orientieren. Für diese hatte der Stadtrat beschlossen, dass die Kosten für eine Kita-Gruppe etwa bei 600 000 Euro liegen soll und bei einem Quadratmeter Wohnfläche bei 2500 Euro.

Doch das ist weit weg von der Realität. Rund 930 000 Euro müssen für Kindergartengruppe, inklusive Nebenkosten, Ausstattung und Außenanlagen, sowie Parkplätze und Fußweg locker gemacht werden. Bei den Wohnungen ist man inzwischen bei 4700 Euro Baukosten pro Quadratmeter angekommen. Um die vier geplanten zu errichten, werden wohl rund 1,5 Millionen Euro benötigt.

Auf die Baukosten wirkt sich auch aus, dass das Grundstück „Schweizermühle“ vormals als Hausmülldeponie genutzt wurde. Ein Bodengutachten mit Altlastenuntersuchung und Sondierungsbohrungen hat ergeben, dass für das Gebäude eine Sondergründung erforderlich ist. Tragfähiger Baugrund für die anfallenden Lasten ist erst in 14 bis 18 Metern Tiefe gegeben. Zur sicheren Gründung ist daher eine Bohrpfahlgründung notwendig.

Altlasten stellen keine Gefahr dar

Die Altlasten der Deponie stellen laut der Expertise keine Gefährdung für Menschen dar. Für die Bohrpfahlgründung sind Verdrängungspfähle vorgesehen, sodass keine Entsorgung der belasteten Bodenschichten notwendig wird, hat das Gebäudemanagement die Stadträte wissen lassen. Zudem sei ein Bodenaustausch aktuell nicht vorgesehen.

Ohne die Wohnungen würde die Kita allein rund 5,67 Millionen Euro kosten. Die Wohnungen über der Kita nicht zu bauen, wäre ein Leichtes. Das würde sich nur im gemeinsamen Treppenhaus auswirken. Darauf verzichten will der Stadtrat, der das Vorhaben einstimmig bewilligt hat, nicht. Allerdings auf einen möglichen weiteren Spielplatz, zumal ein solcher bereits in der Nähe besteht. Fertig gestellt werden soll die Kita West im zweiten Quartal 2022.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen