Leonberg Wird aus der Schuhfabrik eine Kulturfabrik?

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Renovieren oder Abreißen? An der alten Schuhfabrik in der Leonberger Innenstadt scheiden sich die Geister. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Einmal mehr geht es um die Zukunft der alten Schuhfabrik: Soll sie langfristig ein Domizil für Künstler bleiben? Soll es in dem einstigen Fabrikgebäude eine Mischung aus Kultur und Wohnen geben? Oder soll das 122 Jahre alte Gebäude für ein modernes Wohnhaus weichen?

Das wollen die Künstler

Fragt man die Kulturschaffenden, so beantworten sie die erste Frage mit einem klaren Ja. Dabei wollen sie es nicht mit dem Ist-Zustand belassen, sondern das Gebäude, passend zur Herkunft, zu einer Kulturfabrik ausbauen. Dafür haben sie ein Gremium gegründet, die „Initiative Künstlerhaus Kulturfabrik Leonberg“. Darin vertreten sind die im Haus arbeitenden Künstler, die Galerie, die VHS-Kunstschule und das Fachgeschäft „Bild und Rahmen“. Sprecher sind Chris Heinemann, Karin Albrecht und Tobias Kegler.

Eines der zentralen Anliegen der Initiative ist die Öffnung des Gebäudes für mehr Kulturinteressierte. Neben bereits aktiven Künstlern denken die Impulsgeber an neue Zielgruppen: etwa Bewohner aus der Nachbarschaft. Ebenso könnten Gruppen wie die derzeit auf Raumsuche befindliche KZ-Gedenkstätteninitiative sowie die Kinder und Jugendlichen der benachbarten Schulen in der alten Schuhfabrik ein neues Betätigungsfeld finden.

Bereits im Oktober hatte eine Abordnung der Künstler eine Resolution an Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) übergeben, in der der Erhalt und Ausbau der Schuhfabrik gefordert wird.

Das sagt die Politik

In der Kommunalpolitik wird das Anliegen der Kulturschaffenden unterschiedlich bewertet. Die Grünen unterstützen den Erhalt und Ausbau der Schuhfabrik. Die CDU hat ins Gespräch gebracht, die Ateliers der Künstler in die benachbarte Altstadt zu verlegen. Eine Variante, der auch die Freien Wähler zuneigen. Gleichwohl hatten sie sich dafür ausgesprochen, verschiedene Varianten überprüfen zu lassen – von der minimalen Sanierung, über den Umbau, womöglich ergänzt mit Wohnungen, bis hin zum Totalabriss. Ein Antrag, den Sanierungsbedarf zu ermitteln, ist zwischenzeitlich fünf Jahre alt. 2019 beauftragte die Stadt das Leonberger Architekturbüro Manz und Herdeg mit einer Machbarkeitsstudie für vier Sanierungsvarianten.

Das wäre möglich

Jetzt liegen Ergebnisse vor, die an diesem Donnerstag im Planungsausschuss zur Debatte stehen. Die kleinste Lösung ist eine Sanierung der Heizung, die offenbar dringend erforderlich ist. In Variante zwei werden zuzüglich Sicherheitsaspekte wie Brandschutz und Fluchtwege berücksichtigt. Die dritte Möglichkeit sieht darüber hinaus eine energetische Sanierung des Gesamtgebäudes vor. In der aufwendigsten Stufe könnte zudem das Dachgeschoss ausgebaut werden.

Die Radikallösung, Abriss und Neubau, ist damit noch nicht vom Tisch. Dafür will das städtische Gebäudemanagement in der nächsten Zeit die Kosten und den städtebaulichen Nutzen ermitteln.

Lesen Sie hier: Ateliers oder Wohnungen?

Bis klar ist, wie es endgültig weitergeht, schlägt die Stadt die Minimalvariante vor: Die Erneuerung der Wärmeerzeugungsanlage würde 104 000 Euro kosten. Die Stadt sieht folgende Vorteile: Das Gebäude erhielte eine zuverlässige Heizung. Der Austausch könne im laufenden Betrieb erfolgen. Im Optimalfall könnten Teile der neuen Wärmeerzeugung nach einer Gebäudesanierung und auch bei Abriss und Neubau weiter verwendet werden.

Von einer großflächigen Heizungssanierung für 263 000 Euro rät das Gebäudemanagement noch ab: Erst müsse klar sein, wie es mit der alten Schuhfabrik überhaupt weitergeht. Um das zu ermitteln, soll sich der Gemeinderat das Gebäude nach den Sommerferien anschauen. Im September oder Oktober will die Stadt eine Empfehlung abgeben, ob eine Sanierung Sinn macht oder doch ein Neubau die bessere Lösung ist.

Das könnte Debatten erzeugen

Ob die Ratsfraktionen diese Vorgehensweise so einfach durchwinken, scheint zweifelhaft. Dass es so lange gedauert hat, bis überhaupt konkrete Vorschläge vorliegen, hat in der Kommunalpolitik für Unmut gesorgt. Nicht alle wollen deshalb so ohne Weiteres mehr als 100 000 Euro freigeben, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Eine konkrete Absage an die Künstlerwünsche hat es von politischer Seite bisher aber auch nicht gegeben.

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