Leonberg Wie regt ein Raum den Menschen an?

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Der Aufbau der Installation im Stadtpark ist ein besonderer Auftrag für die Zimmerei Ziegler aus Eltingen Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Ein großer Kran steht unübersehbar im Stadtpark. Die Zimmerei Ziegler aus Eltingen ist vor Ort, drei Handwerker messen, schrauben, richten die Teile aus, darunter der Chef Jürgen Ziegler, der die Schaltanlage für den Kran in der Hand hält. Hier entsteht ein ungewöhnliches Haus in Leichtbauweise. Den Kindern aus dem Kinderhaus Stadtpark, die während des Aufbaus vorbeikommen, ist gleich klar: Es fehlt noch ein Fenster, ein Dach, der Boden.

Am Ende wird es ein Fenster und einen Boden haben, aber nur an zwei Seiten Wände und nach wie vor kein Dach. Denn schließlich handelt es sich um die Installation „I’m after me“ des österreichischen Künstlers Bernd Oppl. Sie wird in Leonberg innerhalb des Festivals der Kultur-Region Stuttgart gezeigt, das in diesem Jahr am Freitag startet und unter dem Motto „Unter Beobachtung. Die Kunst des Rückzugs“ steht.

Wegen Corona läuft viele digital

Der Künstler wollte beim Aufbau dabei sein, aber Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Am Abend davor ist Wien zum Risikogebiet erklärt worden. So lief der Aufbau – irgendwie passend zum Thema des Projektes – digital. Milena Ziegler, derzeit Praktikantin bei der Stadt Leonberg, hat immer wieder Videos vom Aufbau gemacht, sodass Bernd Oppl in Wien mitverfolgen konnte, ob alles so ist, wie er es sich gedacht hatte. Im Telefongespräch sagt der Künstler dazu: „Ja, das lief etwas anders. Aber es schaut alles gut aus.“

Allerdings hatte es auch vor Wochen bereits Gespräche mit dem Künstler gegeben, und die Zimmerei und der Künstler hatten Kontakt per E-Mail und Telefon, wie Jürgen Ziegler berichtet. Er hat sich gefreut, dass sein Betrieb den Zuschlag für den Aufbau bekam. Das sei jetzt mal eine andere Arbeit als sonst, und dann noch in der Heimat. Die einzelnen Elemente haben die Handwerker in der Werkstatt vorgefertigt, sodass es vor Ort schneller gehen konnte. Der Kran hat dann die 250 bis 500 Kilo schweren Teile an den entsprechenden Platz gehoben.

Alles steht an seinem Platz

Inzwischen steht das Kunstwerk fertig an seinem Platz – ebenso unübersehbar. Nicht nur die Installation an sich ist inspiriert durch ein Bild des amerikanischen Künstlers Edward Hopper, auch der Titel „I’m after me“ geht auf ihn zurück und kann auf deutsch etwa mit „Ich suche mich selbst“ oder „Ich bin’s, der mir nachstellt“ übersetzt werden. Bernd Oppl sagt, dass es ihm bei seiner Arbeit auch darum ginge, wer hinter wem her ist. Betrachten, betrachtet werden und Selbstbetrachtung – diese Aspekte beschäftigen ihn. Doch das ganz große Thema Oppls sind Räume.

„Ich habe ein starkes Interesse für Räume, mit denen wir uns umgeben, die Räume, die wir uns schaffen. Und den Menschen darin.“ Er will wissen: Wie regt der Raum den Menschen an, welches Verhalten initiiert er? Das ist ihm auch bei der Installation im Leonberger Stadtpark wichtig. Der Künstler will erfahren, was der Raum mit den Menschen macht. Katja Rohloff vom Amt für Kultur und Sport betont in diesem Zusammenhang: „Die Installation darf sich weiterentwickeln.“

Im Stadtpark steht aber nicht nur dieses „halbfertige Haus“, sondern auch eine Kamera. Sie wird im Zeitrafferverfahren in bestimmten Intervallen Bilder aufnehmen. Dabei entsteht ein Film, der auch online gestellt werden wird. Besucher, die länger in Oppls „Haus“ bleiben, tauchen im Film blitzhaft auf. „Aber man muss keine Angst haben, keiner ist zu erkennen“, sagt Katja Rohloff.

Der Raum und die Kamera sind für Oppl „eine Versuchsanordnung“. Es sei ein Spiel. Hinter den zwei schützenden Wänden könne man sich zum einen verstecken. Andererseits: „Man weiß, dass man beobachtet wird. Und dadurch verhält man sich anders“, sagt der Künstler – das will er den Menschen bewusst machen, gerade im Hinblick auf virtuelle Räume. Er spricht aber auch über die Bedeutung einer Kamera für Menschen, die sich selbst gern darstellen. Die Ambivalenz, die da zusammenkommt, findet der geborene Tiroler spannend.

Die Installation wird auch über das Ende des Festivals am 18. Oktober hinaus im Leonberger Stadtpark aufgebaut bleiben.

Am Sonntag, 27. September, um 11.15 Uhr findet die erste Begehung mit dem Künstler statt. Eine Anmeldung unter Telefon 0 71 52 /9 90 14 01 ist erforderlich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

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