Leonberg Wer will schon ein „Schweindl“ sein?

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Strafen schon ab 50 Euro: Mit der Sprache der Werbung werden in Wien Sanktionen angedroht. Foto: Stadt Wien

Leonberg - Was haben Weil der Stadt und Wien gemeinsam? In Sachen Sauberkeit und Abfallvermeidung haben sie Vorbildcharakter. Das meint zumindest Ottmar Pfitzenmaier und wünscht sich, dass sich auch Leonberg von den Gepflogenheiten in der ­Austria-Metropole und im Kepler-Städtle ein gerüttelt Maß abschaue.

Denn trotz aller bisherigen Bemühungen: Wilder Müll, überquellende Abfallkörbe, Kippen und anderer Unrat verschandeln immer noch das Stadtbild, klagt der Chef der SPD-Gemeinderatsfraktion. Um das zu ändern, bedürfe es gleich mehrerer Schritte: Mehr Kontrolle, Sanktionen für Müllsünder und viel mehr ­auffällige, am besten kreativ gestaltete, Papierkörbe auf Straßen und Wegen.

Vor allem hält Pfitzenmaier eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für nötig, die in einer Art Aufbruchstimmung bei der Stadtsauberkeit mündet. Hier bringt der SPD-Fraktionschef Wien ins Spiel: Mit originellen Großplakaten wird an das Bewusstsein der Menschen appelliert: Unter dem Slogan „Sei kein Schweindl!“ sind Müllsünder mit Schweinsköpfen zu sehen, die ihre Hunde auf dem Weg ihr Geschäft machen lassen oder leere Dosen auf die Straße werfen. Dazu ein Buttom wie in der Werbung: „Jetzt ab 50 Euro Strafe“.

„World Cleanup Day“ auch in Weil der Stadt

Doch in der österreichischen Hauptstadt wird nicht nur mit hintersinnigen Appellen gearbeitet: Sogenannte Wastewatcher, also Müllsucher, sind mit großem Erfolg in der Stadt unterwegs, um Müllsündern Einhalt zu gebieten. Außerdem gibt es alljährlich eine große Frühjahrsputzaktion, an der sich alle gesellschaft­lichen Kräfte von Kindergärten, Schulen, Vereinen bis hin zu Firmen beteiligen.

Für letztere Aktion muss man freilich nicht bis an die Donau blicken. Am weltweiten „World Cleanup Day“ Ende September war halb Weil der Stadt auf den Beinen, um die Stadt zu säubern. Die Schüler mussten nicht zum Unterricht, am Ende gab es ein schönes Fest.

Aufräumaktionen gibt es freilich auch in Leonberg: Eine feste Einrichtung ist die vom CDU-Stadtrat Wolfgang Röckle initiierte „Kutterschaufel“, bei der mittlerweile mehr als zwei Dutzend Institutionen mitmachen. Ähnliche Initiativen sind zudem im Ezach und im Ramtel im Gange.

Als Ziel schwebt Ottmar Pfitzenmaier eine Großputzede für die Gesamtstadt vor, an der sich Erwachsene wie Kinder, Vereine und andere Organisationen beteiligen. „Dabei geht es nicht darum, dass Kinder den Müll von Erwachsenen beseitigen“, stellt der Kommunalpolitiker klar. „Aber nur bei der aktiven Mitarbeit entsteht die Sensibilisierung dafür, wie schwierig beispielsweise die zigtausendfach weggeworfenen Kippen zu entsorgen sind.“

50 000 Euro sind für Sauberkeit eingeplant

Doch nicht nur durch ehrenamtlichen Einsatz soll Leonberg sauberer werden. Die Stadt sieht der Sozialdemokrat genauso in der Pflicht. „Das ist keine Kritik an der bisherigen Arbeit des städtischen Personals“, versichert er. Aber Möglichkeiten für mehr Effizienz und damit für weniger Müll erkennt Pfitzenmaier schon.

So hält er es für denkbar, dass die Kontrolleure des Ordnungsamtes auch schon mal einen in der Natur abgestellten Müllsack oder einen illegal entsorgten Fernseher einfach mitnehmen. Bisher ­informieren sie den Bauhof, dessen Leute dann ausrücken müssen, um den Müll ­abzutransportieren. „Da sollten Formen der Zusammenarbeit definiert werden“, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Dass die neuen leistungsstarken Kehrmaschinen zumeist im Slalom um geparkte Autos fahren, ist für ihn schon lange ein Ärgernis: „Ein öffentlich gemachter Kehrplan soll ermöglichen, dass die Maschinen mehrmals jährlich alle (!) Straßenränder reinigen können.“

Ohne Finanzmittel sind gerade Sen­sibilisierungsprojekte, etwa großflächige Plakate oder auffällige Abfallkörbe, nicht zu machen. Doch Geld ist vorhanden. Im neuen Haushalt sind 50 000 Euro für ein Stadtsauberkeitskonzept eingeplant. „Dieser Impuls muss nun aber von der Stadtverwaltung kommen“, sagt Pfitzenmaier.

„Ich mag’s schmutzig“ in Weissach

Auch Weissach geht das Thema Sauberkeit auf die humorvolle Art an. Im Zuge der Sanierung der Flachter Ortsdurchfahrt wurden neben neuen Buswartehäuschen auch neue Mülleimer aufgestellt.

Foto: LKZ/Otto

Und damit der Abfall auch darin landet, locken diese mit ­frechen und humorvollen Sprüchen wie ­„Trennung mit Happy End“ oder „Ich mag’s schmutzig“.

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