Leonberg Wenn Pflegeheime zu Corona-Hotspots werden

Von Ulrike Otto
Nachdem die Fälle in Leonberg und Weil der Stadt bekannt geworden waren, hatte das Landratsamt alle 49 Pflegeheime im Kreis durchtesten lassen. Foto: pixabay

Leonberg - Zwölf Menschen in Weil der Stadt, neun in Leonberg – so viele sind in den beiden Städten bislang an oder in Verbindung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 gestorben. Und alle waren Bewohner von Pflegeheimen – dem Samariterstift Seestraße in Leonberg und dem Bürgerheim Weil der Stadt. Die Infektionen in den beiden Einrichtungen für Senioren, die aufgrund von Vorerkrankungen eine höheres Risiko haben, am Coronavirus zu sterben, haben die beiden Städte zu Corona-Hotspots im Kreis Böblingen gemacht.

In Böblingen und Sindelfingen, beides Städte mit mehr Einwohnern, sind es mit zwei beziehungsweise sechs Todesfällen in Verbindung mit dem Coronavirus deutlich weniger.

Dazu kommt, dass es aktuell wieder einen Fall in einem Pflegeheim in Leonberg gibt. „Ich kann bestätigen, dass es eine Neuinfektion in einem Heim gibt“, erklärt Benjamin Lutsch, Pressesprecher im Landratsamt Böblingen, auf Anfrage. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um das Seniorenzentrum am Parksee. Mitarbeiter und Bewohner sind daraufhin erneut getestet worden, Ergebnisse stehen aber noch aus.

Erster Fall bereits Mitte März

Das Seniorenzentrum am Parksee gehört ebenso zur Samariterstiftung wie das Samariterstift in der Seestraße Leonberg. Dort war bereits Mitte März ein Bewohner positiv getestet worden. „Sein Hausarzt hatte einen Abstrich gemacht“, berichtet Sylvia Reck, die Hausleiterin. Wo sich der Betroffene angesteckt hat, wird wohl ein Rätsel bleiben. „Er ist sehr fit und viel in der Stadt unterwegs“, sagt Reck. Mittlerweile ist der Mann wieder gesund. Damals dauerte es noch etwas, bis das Testergebnis vorlag. Erst nach zehn Tagen sind alle Bewohner und Mitarbeiter im Samariterstift auf Sars-CoV-2 getestet worden. Da hatten sich bereits 36 weitere Personen angesteckt – 15 Bewohner und 20 Pflegekräfte. „Einige Bewohner hatten schon Symptome gezeigt. Aber es gab auch etliche, wo es überhaupt keine Anzeichen gab“, berichtet die Hausleiterin.

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Nachdem die Fälle in Leonberg und Weil der Stadt bekannt geworden waren, hatte das Landratsamt alle 49 Pflegeheime im Kreis durchtesten lassen. In 28 wurde gar keine Infektionen festgestellt, 19 Heime hatte bis zu zehn Fälle. Nur Leonberg und Weil der Stadt hatten sich zu Hotspots entwickelt. „Wenn wir schon früher gewusst hätten, wer positiv ist, hätten wir auch schon früher mit der Isolierung beginnen können“, sagt Sylvia Reck. „Aber die Situation damals war schon schwierig.“ Testkapazitäten wurden zu dem Zeitpunkt erst auf- und ausgebaut. Das Gesundheitsamt war mit einer ganz neuen Situation konfrontiert. „Es hat gedauert, bis wird jemanden an die Strippe bekommen haben. Aber danach lief es gut“, sagt die Hausleiterin des Samariterstifts.

Für alle Bewohner wurde daraufhin eine Quarantäne verhängt. Die Infizierten wurden in einem Haus untergebracht. Bewohner in anderen Häusern steckten aber nicht mehr an. Trotzdem habe man neun Bewohner gehen lassen müssen. „Jetzt wir schon eine ganze Zeit Corona-frei“, berichtet Sylvia Reck.

Lockerungen für Besuche

Weshalb das Samariterstift auch schon die neuen Lockerungen für Besuche umsetzen konnte. „Bei uns gibt es jetzt Besuchszimmer“, erzählt sie. Auch Besuche zum gemeinsamen Spaziergang sind möglich – aber nur auf dem Gelände des Samariterstifts. „Die Bewohner sind wirklich dankbar, dass sie wieder Kontakt haben können.“ In dem „offenen Haus“ Samariterstift, wie Reck es nennt, in dem es sonst viele Veranstaltungen und Angebote gibt, treffen die Einschränkungen die Bewohner besonders hart.

„Auch wenn uns das Virus noch eine Weile begleiten wird, hoffe ich, dass wir bald wieder normal öffnen können“, sagt Sylvia Reck.

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