Leonberg Stuckateure aller Länder, lernt voneinander

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Die Spanier sind in Leonberg angekommen. Foto: factum/Granville

Leonberg - Sie wollen der Arbeitslosigkeit in Spanien entkommen – und hier einen Blick hinter die Kulissen deutscher Firmen werfen: Am Donnerstag sind 15 angehende spanische Stuckateure am Leonberger Berufsschulzentrum (BSZ) begrüßt worden. Sie alle machen beim Erasmus-Plus-Projekt mit, bei dem Austauschschüler einen Einblick in Firmen, Betriebe und die jeweilige Kultur bekommen.

„Es ist das erste Projekt in dieser Form in Baden-Württemberg“, unterstreicht der Berufsschullehrer Walter Söhner. Er ist mit einer Spanierin verheiratet und hat im Frühjahr 2014 einen Antrag gestellt und das Projekt somit für Leonberg ins Leben gerufen. Gemäß dem Motto „Stuckateure aller Länder, lernt voneinander“, steht das Stuckateurhandwerk im Fokus. Zur Seite stehen Söhner unter anderem Tilo Wieland (technischer Lehrer) und Ruth Faber (Spanischlehrerin). Als Projektpartner hat sich die spanische Schule „Instituto Esenanza Superior La Rosaleda“ aus Málaga gefunden. Standards in der Region kennenlernen, vom dualen Ausbildungssystem profitieren, das baden-württembergische Schulsystem sehen und einen Blick hinter die Kulissen von mittelständischen Betrieben werfen – das sind nur einige der vielen Vorteile, die das Projekt bietet.

Am Donnerstag sind die angereisten Teilnehmer offiziell begrüßt worden. „Die Austauschschüler selbst sind zwischen 18 und 42 Jahre alt. Begleitet werden sie von drei Lehrern“, erzählt der Projektkoordinator. Und weiter: „Ich kenne das Problem der Jugendarbeitslosigkeit.“

Diese ist gerade in Südspanien mit rund 56 Prozent ein echtes Problem. So bestehe bereits eine Zusammenarbeit mit der Region Andalusien, da der Stuckateurverband Baden-Württemberg (SAF) schon ein Anwerbeverfahren für arbeitslose junge Menschen dort durchgeführt hat, weiß Söhner. 2013 hatten bereits 33 junge Spanier in Leonberg eine Ausbildung zum Stuckateur begonnen, im vergangenen Jahr 20. Doch viele brachen die Ausbildung wieder ab.

Die Gründe dafür: der „Kulturschock“, andere Strukturen in der Ausbildung, dem Berufsbild und der Arbeit an sich. Um dem entgegen zu wirken, sollen die jungen Spanier schon frühzeitig und schonend auf einen Wechsel vorbereitet werden. Mit eingehenden Sprachausbildungen und Integrationskursen soll das Miteinander zudem gefördert werden. Aber auch Fachspezifisches steht auf dem Programm.

So beschäftigt sich die „deutsch-spanische Bildungspartnerschaft“ jetzt mit dem Vergleich von Wärmedämmtechniken in Spanien und Deutschland. Doch auch die deutsche Kultur und Lebensweise sind wichtiger Bestandteil. So stehen ein Besuch des Mercedes-Benz-Museums, der Dinkelacker Bierbrauerei und des Tübinger Fasnetsumzugs auf dem Programm

Für die spanische Partnergruppe ist vieles neu, besonders der Kontakt zu den deutschen Ausbildungsbetrieben, da es in Spanien derartige Ausbildungsstrukturen wie beispielsweise das duale System nicht gibt.

Das Projekt wird mit 161 000 Euro gefördert und erstreckt sich über drei Schuljahre. „Unsere Austauschschüler sind hin und weg“, sagt Söhner lachend. Der Gegenbesuch der deutschen Austauschschüler ist bereits für den März geplant.

Infotag am Samstag:

Von 9 bis 14 Uhr öffnet das BSZ am 31. Januar seine Pforten. Die Schule informiert über ihre Ausbildungsgänge und die Abitur-Möglichkeiten. Zudem sind Ausbildungsbetriebe und die Berufsberatung der Arbeitsagentur Leonberg vor Ort und helfen bei der Wahl des passenden Berufs.

Präsentationen:
Insgesamt 27 berufliche Vollzeitschulen gibt es am BSZ, darunter drei Gymnasien, verschiedene Fachschulen und Berufskollegs sowie eine Sozialpädagogikausbildung. Dazu kommen 13 Ausbildungsberufe. In verschiedenen Vorträgen geben die Lehrer einen Überblick über dieses Angebot.

Was und wo
Auf der Internetseite www.bszleo.de kann der Veranstaltungsflyer heruntergeladen werden, in dem alle Vorträge mit Ort und Uhrzeit aufgelistet sind. Weitere Informationen gibt es auch per E-Mail an infotag@bszleo.de oder unter der Telefonnummer 0 71 52 / 93 20. Anmeldungen sind nicht erforderlich

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