Leonberg Staudt: „EU darf sich nicht auseinander twittern lassen“

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Zwei langjährige Parteigenossen: Erwin Staudt (links) und Wolfgang Fürst. Foto: factum/Granville

Leonberg - Die Konservativen haben sich Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit auf die Fahnen geschrieben. Aber das geht nicht durch Ausgrenzung, Schranken und Mauern, sondern durch einen Solidarpakt nach innen und außen – und nicht indem an jeder Ecke ein Polizist steht.“ Klare Worte von Erwin Staudt. Der einstige SPD-Fraktionschef ist am Sonntag Hauptredner beim Neujahrsempfang der SPD Leonberg , zu dem die Vorsitzende Elviera Schüller-Tietze eingeladen hat.

„Wir müssen als Sozialdemokraten für die Bundestagswahlen eine klare Alternative links der Mitte aufbauen, dann können wir auch unsere Erfolgsgeschichte wieder aufbauen“, sagt das langjährige SPD-Mitglied, das zu dem Vortrag „Leonberg, Deutschland, Europa – Gedanken zum neuen Jahr“ eingeladen ist.

„Leonberg war immer meine Basis, wenn ich den Turm der Michaelskirche gesehen habe, war ich daheim“, bekennt der international tätige frühere IBM-Manager und spätere VfB-Präsident. „Das ist wichtig in einer Zeit, in der weltweit 90 Prozent der Menschen auf die Frage, was sie bewegt, antworten – Veränderung“. Und die gehe einher mit der Verknappung der ökonomischen Ressourcen, der Zeit, des Geldes und vor allem mit der sogenannten Industrie 4.0, der stetig fortschreitenden Entwicklung im Datenaustausch.

„Schulterschluss ist notwendig“

In diesem Digitalisierungs-Prozess müsse Deutschland mitreden, denn von ihm hänge der Wohlstand der Zukunft ab, erklärt Staudt in der Steinturnhalle. Hier heiße es, sich gegen das Industrie-Imperium USA durchzusetzen, dessen neuer Präsident alle Hemmnisse abbauen werde, um an die riesigen Rohstoffmengen zu gelangen. „Vor diesem Hintergrund helfen keine nationalen Alleingänge in Europa, sondern die Politiker müssen einen Schulterschluss hinkriegen“, zeigt sich der Gastredner überzeugt.

„Die Europäer dürfen sich nicht von Herrn Trump aus-einander twittern lassen, sonder klar machen, dass sie 500 Millionen sind, die um ihre Zukunft kämpfen“, so Staudt. Notwendig seien deshalb Investitionen in ein flächendeckendes Breitbandnetz, in Satelliten, W-Lan. „Diese hohen Datenmengen richtig zu nutzen und zu organisieren, bringt uns in eine neu Jobwelt, weg von der traditionellen Industrie“, meint der frühere IBM-Manager.

„Grenzkontrollen, Abschottung, Mauern bauen ist das Denken von vorgestern und wirft uns zurück“, sagt der überzeugte Europäer. Den Menschenfluss, den Datenfluss, den Kapitalfluss zu unterbrechen, heiße den Wettbewerb zu gefährden und der Inflation die Tore zu öffnen. „Volkswirtschaften, wie wir sie haben, vertragen keine hohen Zinsen“, meint Staudt. „Angesichts von 58 Prozent des deutschen Warenaustausches mit der EU sind wir mehr Europäer wie alle anderen zusammen“.

Politik muss nachvollziehbar sein

Der „lieben, guten, alten SPD“ gibt Staudt mit auf den Weg, die eigenen Leute nicht kaputt zu reden und eine nachvollziehbare Politik zu machen. Die Genossen sollten sich auf ihre alten Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität besinnen, meint der Politikroutinier.

Nach einen Einblick in die Kommunalpolitik mit der SPD-Fraktionschefin Christa Weiß, werden langjährige Mitglieder geehrt. Seit 50 Jahren dabei sind Wolfgang Fürst und Klaus Dieter Hertig, seit 40 Jahren Gerhard Hohenwarter und seit 25 Jutta Frohnmaier und Ali Mohamed.

Die Ortsvorsitzende Schüller-Tietze nutzt gerne die Gelegenheit, das frisch gebackene SPD-Mitglied Ottmar Pfitzenmaier zu begrüßen. Der einstige Banker sitzt zwar seit mehr als zwölf Jahren für die Sozialdemokraten im Gemeinderat, der Partei gehört er aber erst seit dem 1. Januar an.

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