Leonberg/Renningen Orpheus-Oper mit einem Happy End

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Die Furien in Schwarz-Rot lassen sich vom Gesang des Orpheus milde stimmen. Foto: factum/Bach

Leonberg/Renningen - Alle dürfen den ersten Ton mitsingen“, sagt Chorleiter Till Weibel mit einem klitzekleinen Quäntchen Ironie, „und da ist keine Fermate, also machen wir auch keine!“ Dabei klingt es schon ganz gut, wenn die gut 30 Sängerinnen und Sänger voller Inbrunst das „Wer bist Verwegner du, der dieses Ortes Ruh frevelnden Schritts entweiht?“ singen. „Orpheus und Eurydike“, die Oper in drei Akten von Christoph Willibald Gluck, hat sich der Chorverband Johannes Kepler für die Chortage 2014 vorgenommen.

Ein ehrgeiziges Projekt, doch Verbandschorleiterin Wiebke Huhs hat das Präsidium vor einem Jahr davon überzeugt, dass diese Oper auch mit einem Amateurensemble professionell auf die Bühne gebracht werden kann. Der Mythos von Orpheus und Eurydike beruht auf der Geschichte des Sängers Orpheus, der den Verlust von Eurydike nicht verwindet, die am Hochzeitstag an einem Schlangenbiss stirbt. Mit seinem Gesang kann er die Furien im Hades rühren und er könnte Eurydike zurückgewinnen, wenn er sich bei ihrer gemeinsamen Rückkehr aus der Unterwelt nicht zu ihr umdreht. Wie jeder weiß, tut Orpheus das am Ende doch und verliert Eurydike aufs Neue. Doch in Glucks Oper erbarmt sich Amor noch einmal: nach einer der schönsten Arien der Musikgeschichte wird Orpheus Eurydike ein zweites Mal zurückgeschenkt. Gesungen wird der Part des Orpheus vom Wiener Countertenor Armin Gramer. Wiebke Huhs, die auch die Gesamtleitung für das Opernprojekt hat, singt die Eurydike und Sandra Schütt den Amor.

Derartig große Gemeinschaftsprojekte veranstaltet der Chorverband Kepler anlässlich der alle drei bis vier Jahre stattfindenden Chortage für alle im Verband organisierten 32 Mitgliedsvereine mit ihren insgesamt 66 Chören. Bei „Orpheus und Eurydike“ wirken insgesamt rund 150 Aktive mit. Darunter der rund 60-köpfige Chor mit Sängern aus den unterschiedlichen Mitgliedsvereinen im Alter zwischen 20 und etwa 70 Jahren, aber auch aus einem Kirchenchor sowie Projektsängern, die in keinem der Verbandschöre aktiv sind. Geprobt wird in zwei Gruppen. Neben Chorleiter Weibel dirigiert auch Samuel Schick eine Gruppe. Beide Chorleiter werden sich auch bei der Aufführung das Dirigat teilen.

Das Sinfonieorchester Leonberg unter der Leitung von Alexander G. Adiarte sorgt für die Instrumentalbegleitung, die Ballettschule Evi Ritter mit rund 30 jungen Tänzerinnen für den Augenschmaus bei Tanzszenen. Für die Kostüme sorgt federführend Astrid Hubel, während Diana Salsa das Programmheft und die Flyer gestaltet. Das Bühnenbild gestalten Jugendliche unter der Anleitung des Weissacher Künstlers Fero Freymark und weiteren Mitgliedern des Kunstvereins Artifex. Letztere werden zudem anlässlich der Aufführung Werke für die Sonderausstellung “Opern-Kunst” in der Stadthalle beitragen.

„Mit unseren großen Gemeinschaftsprojekten wollen wir nicht nur das Können unserer Chöre und ihrer Sänger demonstrieren, sondern auch das Miteinander der bei uns organisierten Vereine fördern“, erklärt Verbandspräsidentin Angelika Puritscher. Und durch das Bühnenbildprojekt mit Jugendlichen wolle man diesen auch die Oper ein wenig nahe bringen. „Oper gefällt natürlich nicht jedem“, weiß die Verbandschefin. Doch viele reizt gerade ein so ehrgeiziges Projekt, wie etwa Karin Kindler-Boch. Die 49-Jährige singt schon seit vielen Jahren im Liederkranz Renningen, derzeit hauptsächlich bei den „Voices of Joy“, und kann beim Singen bestens vom Alltag abschalten. Die Musik von Gluck singt sie zum ersten Mal. „Das hört sich richtig toll an“, ist ihr Fazit, „deswegen bin ich gespannt, wie es sich anhört, wenn auch noch das Orchester dabei ist.“

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