Leonberg Oberirdische Probleme unterirdisch lösen

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Irgendwo im Westen, das müssen Machbarkeitsstudien vorerst noch klären, kann sich der Oberbürgermeister Martin Kaufmann den Tunnel vorstellen. Foto: factum/Bach

Leonberg - Etwa 100 Millionen Euro müssten für einen solchen Tunnel reichen“, schätzt Martin Kaufmann. Damit meint der Leonberger Oberbürgermeister eine unterirdische Straßenführung, die an der Bundesstraße 295 aus Richtung Ditzingen beginnt, unter der Altstadt verläuft und irgendwo im Westen der Stadt mündet, von wo dann schnell die Autobahn erreicht werden kann. Bezahlen sollte das nach Auffassung Kaufmanns der Bund, denn der Tunnel ist seiner Meinung nach, nicht nur die Fortführung der B 295, sondern auch die einzige Lösung für das Luftschadstoffproblem der Stadt am Engelberg.

Mit einem solchen Vorschlag hat der sozialdemokratische Rathauschef jüngst den Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger (CDU) und den CDU-Bundstagsabgeordneten Marc Biadacz überrascht. Die hatten am Freitag einen Förderbescheid aus dem Sofortprogramm „Saubere Luft in der Stadt 2017-2020“ überbracht (wir berichteten).

Niemand will Fahrverbote

Mit dessen Hilfe wird die Stadt einen Masterplan für die Digitalisierung der kommunalen Verkehrssysteme erstellen. Leonberg gehört nämlich zu den bundesweit 90 Kommunen, die eine zu hohe Luftbelastung mit Schadstoffen, insbesondere Stickstoffdioxid aufweisen.

Oberbürgermeister Martin Kaufmann ist es wichtig, dass dieser Tunnel in dem Regionalverkehrsplan, der am 18. Juli in der Regionalversammlung verabschiedet wird, eine Vorrangstellung bekommt. Bisher ist er hier schon als kurze Variante mit „hoher Dringlichkeit“ eingestuft. Der Regionalverkehrsplan sei noch nicht festgezurrt, also sei es eine gute Gelegenheit, der Tunnel-Lösung mehr Gewicht zu geben, meinte er in Richtung Bilger und Biadacz. Einig sind sich die drei bereits in einer Sache: Niemand will Fahrverbote.

Doch der Leonberger Oberbürgermeister will nicht den im „Regionalverkehrsplan 2025“ bereits vorgesehenen „Altstadttunnel“ gebaut wissen. Ihm schwebt eine bedeutend längere unterirdische Straßenführung vor. Mit der könnte eine Großzahl der hiesigen Verkehrsprobleme gelöst werden.

Klares Nein zum Altstadttunnel

„Ich stehe zu meinen Wahlversprechen, dass es einen Altstadttunnel mit mir nicht geben wird, denn der entlastet zwar einige Stadtgebiete im Bereich der Grabenstraße, dafür belastet er aber andere, wie die Gartenstadt“, sagt der Sozialdemokrat.

„Mit seinen geplanten 2,1 Kilometer Länge ist der Altstadtunnel für unsere Probleme zu kurz“, gab er dem Staatssekretär aus dem Wahlkreis Ludwigsburg und dem Böblinger Bundestagsabgeordneten mit auf den Weg. „Der Tunnel muss am einen Stadtrand beginnen und am anderen enden“, fordert der Oberbürgermeister. Deshalb lautet sein Vorschlag, den geplanten Tunnel um mindestens 1,2 Kilometer zu verlängern. Wo der dann münden könnte, steht im Detail noch nicht fest.

„Der Tunnelmund muss auf jeden Fall so im Westen liegen, dass nicht wie beim Altstadttunnel andere Stadtviertel belastet werden“, sagt Martin Kaufmann. „Und man muss zügig zum Autobahnanschluss Leo-West gelangen“, fügt er hinzu.

Ditzingen mit ins Boot nehmen

Kaufmann ist überzeugt, dass das die zukunftsweisende Lösung für die Stadt ist. Die will er auch zukunftsnah verwirklicht sehen. „Die beiden Autobahnen A 8 und A 81 dominieren uns sehr, und jede Störung im Verkehrsfluss schwappt in unsere Stadt hinein, was jedes mal zu einem Chaos führt“, weiß der neue Oberbürgermeister inzwischen aus der Erfahrung des Alltags.

Auch ein Zeitfenster hat der Rathauschef schon ins Auge gefasst, und das dürfte seinen Ditzinger Amtskollegen, Oberbürgermeister Michael Makkurat, freuen, den Gerlinger Kollegen, Georg Brenner weniger. Kaufmann kann sich vorstellen, dass die lange Version des Leonberger Tunnels mit dem zweiten Autobahnanschluss Ditzingen fertiggestellt wird. „Auf jeden Fall will ich das Thema in meiner ersten Amtszeit abschließen“, sagt der OB.

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