Leonberg: Neujahrsempfang der SPD Bauchzentrum als medizinischer Leuchtturm

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Jörg Noetzel (Zweiter von links) hat beim Leonberger SPD-Neujahrsempfang unter anderem Ottmar Pfitzenmaier, Elviera Schüller-Tietze, Baubürgermeister Klaus Brenner und Christa Weiß (von links) einen Einblick in die Zukunft des Leonberger Krankenhauses gegeben. Foto: factum/Granville

Leonberg - Wie die Stimmungslage vor Ort ist, das teilt Ottmar Pfitzenmaier dem Hauptredner noch vor dessen Auftritt mit. „Über die Zukunft des Krankenhauses wird nicht im Leonberger Gemeinderat entschieden, sondern leider im fernen Böblingen“, erklärt der Chef der SPD-Fraktion beim Neujahrsempfang seiner Partei in der Steinturnhalle.

„Dort haben der Landrat und die Kreisräte aus der Böblinger Region des Landkreises die Rufe aus Leonberg nur zögerlich, widerwillig und vielleicht nicht dauerhaft gehört“, kritisiert Pfitzenmaier.

„Das Abziehen von Chefärzten und Pflegepersonal wird eine Abwärtsspirale beschleunigen, die zum Exitus führt.“ Doch die Hoffnung, dass die geplante Großklinik am Flugfeld für den Klinikverbund die ersehnte schwarze Null bringt, werde sich dennoch nicht erfüllen.

Standort soll trotz Millionen-Defizit erhalten bleiben

Der Adressat der klaren Worte gibt sich alle Mühe, die Bedenken zu zerstreuen. Die Vorsitzende der Leonberger SPD, Elviera Schüller-Tietze, hat den Chef des Klinikverbundes Südwest eingeladen. Jörg Noetzel soll den Gästen erklären, wie es mit den Krankenhäusern im Klinikverbund, besonders in Leonberg, weitergeht.

„Trotz eines verbundweiten Defizits von 20 Millionen Euro wollen wir alle Standorte erhalten“, erklärt der Medizinmanager. „Wir haben das Ziel, das nicht zu ändern.“

Ursache für die großen Verluste, so erklärt der Facharzt für Chirurgie, der ins Medizinmanagement gewechselt ist, sei weniger die Situation der Häuser vor Ort, sondern das Abrechnungssystem. Die Zeiten, in den die Krankenhäuser die Patientenbetreuung nach Tagen abrechnen konnten, sind seit 2010 vorbei. Jetzt gibt es die so genannten Fallpauschalen.

Der gebürtige Berliner nennt als Beispiel eine Blinddarmoperation, für die es 3000 Euro gibt – unabhängig davon, wie lange der Patient im Krankenhaus bleibt. „Der ideale Patient ist nur kurz da“, schildert Noetzel die Ausgangslage.

In Baden-Württemberg komme die überdurchschnittliche Gehaltsstruktur erschwerend hinzu: „Die Tarife steigen um 30 bis 40 Prozent, die Vergütung aber nur um 20 Prozent .“ Zudem halte sich das Land bei der Förderung von Investitionen sehr zurück. Wenn der Klinikverbund investiere, springe der Landkreis finanziell ein.

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